Am 18. März dieses Jahres fuhr ein LKW gegen das Hägelintor an der Einmündung der Elmestraße in die Hägelesgasse und ein Teil der historischen Mauer stürzte ein. Jetzt konnte das Bauwerk, das Teil der unter Denkmalschutz stehenden Stadtmauer ist, offiziell wieder eingeweiht werden. Die Bauzeit nahm gerade einmal sechs Wochen in Anspruch. Doch die Verhandlungen mit der Versicherung und den Experten vom Denkmalschutz, die der Bauamtsleiter der Römerstadt, Volker Schwahn, führen musste, zogen sich in die Länge.
Oberriexingen Historisches Hägelintor steht wieder
In Oberriexingen wurde nach einem Unfall im März ein Teil der Stadtmauer neuaufgebaut und nun eingeweiht.
Steine auf Holzgerüst gemauert
„Ich musste 50 Prozent der alten Steine des Tores und einen speziellen Mörtel verwenden. Dies waren die Auflagen des Denkmalamts“, erklärt der ortsansässige Bauunternehmer Roger Hess, der die Arbeiten am Tor ausführte. Zunächst hat Hess ein Holzgerüst mit einem Rundbogen erstellt und darauf die Steine gemauert. „Der Bogen stützte sich schließlich selbst und nach zwei bis drei Tagen hatte der Mörtel bereits 50 Prozent seiner Festigkeit erreicht“, erläuterte Hess. Er hat zusätzlich zu den historischen Steinen Kalksteine aus dem Steinbruch bei Roßwag verwendet.
„Durch das Liefermissgeschick im März dieses Jahres wurde das Hägelintor nicht das erste Mal zum Einsturz gebracht. Dies war auch in früheren Zeiten bereits der Fall“, betonte der Oberriexinger Bürgermeister Ron Keller, und fügte hinzu: „Daher werden wir jetzt in der Straße eine Höhenbeschränkung auf drei Meter erlassen.“ Ein Durchfahrtsverbot für Lastwagen hatten die Experten der zuständigen Verkehrsbehörde nicht genehmigt.
60.000 Euro Sanierungskosten
Rund 60.000 Euro sollen die Sanierungsarbeiten am Hägelintor kosten, welche die Versicherung vollständig übernimmt. Bereits 2018 war unweit des Rathauses ein Teil der Stadtmauer eingestürzt. Damals brach beim Abriss eines Gebäudes, das an die Stadtmauer angelehnt war, dessen Gewölbekeller zusammen und riss einen Teil der Mauer mit sich. Rund 450.000 Euro hatte der Wiederaufbau gekostet. Es entstand ein neuer Platz mit viel Aufenthaltsqualität am historischen Mauerwerk.
Im Mittelalter errichtet
Die Stadtmauer soll ursprünglich um das Jahr 1250 errichtet worden sein, wobei der älteste Beleg für Oberriexingen als Stadt von 1360 stammt. Die Mauer hatte einst zwei Tore als Zugang zur Stadt und zwei als Zugang zur Enz. In deren Nähe befindet sich das Hägelintor, das auch als „Unteres Tor“ bekannt ist. Vom einstigen Tor ist heute nur noch der steinerne Torbogen erhalten.
„Wir sind froh und dankbar, dass unser Hägelintor wieder steht und alle Verhandlungen mit der Versicherung, den Gutachtern und den Fachleuten vom Denkmalschutz erfolgreich waren“, betonte Keller bei der Einweihung. Er sieht das Tor durch seine Lage am Enztalradweg auch als touristische Attraktion der Stadt. Mit Bürgern, Gemeinderäten, Mitgliedern der Verwaltung und Bauunternehmer Hess stieß der Rathauschef bei der Einweihung darauf an, dass das Hägelintor in Zukunft unversehrt bleiben möge.
Michaela Glemser
