Der FSV 08 Bissingen verliert in Ravensburg mit 2:4 Individuelle Aussetzer bringen Bruchwald-Elf zu Fall

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Der Bissinger Innenverteidiger Niklas Mahler trennt Ravensburgs Awed Issac Abeselom mit einer Grätsche vom Ball. In der zweiten Hälfte fehlte der 08-Hintermannschaft allerdings oft der Zugriff auf die Gegenspieler. Die Quittung waren vier Gegentore. Foto: Udo Kibele

Der FSV 08 Bissingen verliert in der Oberliga beim FV Ravensburg mit 2:4 – trotz einer überzeugenden ersten Hälfte und einer 1:0-Führung.

Ob’s an der neuen Vereinshymne lag? In der Pause präsentierte der FV Ravensburg das brandneue Stück in seiner Cteam-Arena. Mit 0:1 lagen die Fußballer aus Oberschwaben zu diesem Zeitpunkt im Oberliga-Spiel gegen den FSV 08 Bissingen zurück. Nach einer furiosen zweiten Hälfte gewann Ravensburg am Ende noch mit 4:2 und blieb damit auch im achten Punktspiel ungeschlagen. Die Gäste vom Bruchwald durften sich dagegen nur 67 Stunden über den zweiten Tabellenplatz freuen. Nach der dritten Niederlage im zehnten Saisonspiel sind sie nun wieder Dritter hinter den punktgleichen Stuttgarter Kickers. „Wir haben eine tolle erste Halbzeit gespielt und hätten hier auf jeden Fall einen Punkt verdient gehabt“, bilanzierte 08-Trainer Alfonso Garcia.

Bis zum Seitenwechsel deutete am Samstag nichts darauf hin, dass die Partie noch so eine Wendung nehmen würde. Nach drei Dreiern in Folge mit viel Selbstvertrauen ausgestattet, spielten die Bissinger den Gegner in dessen Stadion in Grund und Boden. Mit flottem Direktpassspiel sorgten sie immer wieder für Alarmstufe Rot im Ravensburger Strafraum. Die 1:0-Führung hatten sich die Gäste redlich verdient: Nach einer Kombination über Pero Mamic und Marko Markopoulos war Yannick Toth mit einem 15-Meter-Schuss erfolgreich – der frühere Freiberger Kevin Kraus im FVK-Kasten hatte keine Abwehrchance (30.).

Die Hausherren kamen dagegen gar nicht ins Spiel, geschweige denn gefährlich vors gegnerische Tor. Keeper Henning Bortel entschärfte die wenigen Schüsse, und kurz vor dem Bissinger 1:0 rettete das Lattenkreuz bei einem Geschoss von Felix Schäch (27.). Das Urteil von Steffen Wohlfarth über die Leistung seiner Kicker bis zur Pause fiel jedenfalls vernichtend aus: „Die erste Halbzeit war eine Katastrophe“, sagte der Ravensburger Trainer bei der ersten Pressekonferenz des FVR in dieser Saison. Bisher hatte der Klub coronabedingt auf den obligatorischen Meinungsaustausch nach einem Spiel verzichtet.

Gorgoglione verpasst das 2:0

Womöglich wären die Ravensburger nicht mehr zurückgekommen, hätte Gorgoglione in der 53. Minute seine Megachance zum 2:0 genutzt: Markopoulos verlängerte einen langen Ball, der Flügelspieler lief durch, tanzte Kraus aus – und schob den Ball aus spitzem Winkel und zwei Metern Entfernung an den Pfosten. Der Bissinger Unglücksrabe leitete unfreiwillig auch den 1:1-Ausgleich mit einem Fehlpass im Mittelfeld ein. Nutznießer war Jona Boneberger, der mit einem Traumpass die aufgerückte 08-Abwehr aushebelte. Den Rest besorgte Angreifer Max Chrobok, indem er Bortel verlud (60.).

Beim Ravensburger 2:1 stand ebenfalls ein Nullachter Pate: Rechtsverteidiger Moritz Haile rutschte an der Strafraumgrenze weg, sodass Schäch den Ball ungestört aus 16 Metern im langen Eck versenken konnte – was bei Garcia eine wütende Reaktion auslöste: Er riss sich die Kappe vom Kopf und pfefferte sie auf den Boden (66.). „Wir waren in der zweiten Halbzeit nicht mehr so kompakt wie in der ersten und haben dem Gegner im Mittelfeld zu viel Platz gelassen“, analysierte der Trainer später wieder nüchtern und sachlich.

Mit einem Doppelwechsel – Alexander Götz und Filimon Gezegiher lösten Mamic und Gorgoglione ab – versuchte Garcia von der Bank neue Impulse zu setzen. Götz war auch prompt der Wegbereiter für das 2:2. Seine Frei­stoßflanke köpfte Jona Boneberger mit Wucht ins eigene Netz. Doch weitere Ungereimtheiten in der Defensive brachten die Bruchwald-Elf zu Fall. So durfte Chrobok nach einem weiten Einwurf aus sieben Metern zum 3:2 einschießen, während die beiden 08-Innenverteidiger Duc Thanh Ngo und Niklas Mahler nur Spalier standen (76.). Und vor dem 4:2 vertändelte Ngo die Kugel an den eingewechselten Awed Issac Abeselom. Dessen mannschaftsdienliches Zuspiel nutzte Schäch zu seinem zweiten Treffer (84.).

Für die Nullachter war’s ein Déjà-vu: Bereits vor zweieinhalb Wochen bei den Kickers hatten sie vier Treffer kassiert und nach einer Pausenführung ebenfalls noch verloren. „Die Niederlage haben wir uns selbst zuzuschreiben, denn wir haben die Riesenchance zum 2:0 durch ,Ricci’ ausgelassen und dann zu viele individuelle Fehler gemacht“, klagte Garcia. „Unsere Gegentore waren wie Eigentore.“

 
 
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