Der Leiter der Schiller-VHS geht in den Ruhestand Schmiedel: „Wir müssen wissen, was gefragt ist“

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Jürgen Schmiedel verlässt nach über 35 Jahren die Schiller-VHS, in den letzten sieben Jahren hat er die Einrichtung geleitet. ⇥ Foto: Helmut Pangerl

Der Leiter der Schiller-VHS, Jürgen Schmiedel, verabschiedet sich in den Ruhestand. „Das selbstbestimmte Lernen ist zukunftsweisend“, ist er überzeugt.

Nach über 35 Jahren verlässt Leiter Jürgen Schmiedel die Schiller-Volkshochschule (VHS) in Ludwigsburg. Ursprünglich war der Mathematik- und Sport-Lehrer auf eine Stelle eingestellt worden, die für EDV ausgeschrieben war. Doch es kam anders.

Als Schmiedel mit dem Studium begann, galt das Lehramt noch als „bombensicher“, erinnert sich der 65-Jährige. Doch als der gebürtige Marbacher sein Studium abschloss, wurden an Schulen kaum noch Lehrer eingestellt. Aber Schmiedel hatte ein Praktikum in einem EDV-Betrieb absolviert, bewarb sich in Ludwigsburg – und bekam die Zusage.

Den EDV-Bereich übernahm dann doch ein anderer Kollege, Schmiedel konzentrierte sich auf den Bereich Gesundheit: „Darin war ich besser“, sagt er und verweist auf die Nähe zum Sport. In den 1980er-Jahren kam zum Beispiel das Thema Entspannung auf, „das konnte man nicht studieren“, sagt der VHS-Leiter. Als Sportwissenschaftler habe er dabei an Wissen anknüpfen können.

Neben seiner Tätigkeit als Fachbereichsleiter Gesundheit war er auch für Allgemeinbildung, Fahrten und Führungen zuständig. „Das Sportstudium hat mir mehr gebracht als das Mathematikstudium“, sagt er. 2001 wurde er stellvertretender VHS-Leiter, vor sieben Jahren übernahm er dann die Leitung und damit die Verantwortung für 34 Mitarbeiter und rund 700 Dozenten.

Während der letzten 35 Jahre hat sich die Volkshochschule weiter professionalisiert. Die Einrichtung, die nach dem Zweiten Weltkrieg für die Stadt und den Kreis gegründet worden war, verfügte in ihren Anfängen über 13 Außenstellen und hatte rund 100 Veranstaltungen im Jahr im Angebot. Heute betreibt die Schiller-VHS 36 Außenstellen mit etwa 3400 Veranstaltungen pro Jahr, die von rund 42 000 Teilnehmern besucht werden. Das Wachstum erforderte eine andere Art der Organisation und Verwaltung. Die Umstellung des Bezahlsystems weg vom Überweisungsschein hin zu einer Zentralisierung „kam, als ich angefangen habe“, erinnert sich Schmiedel. Rasch wurde auch klar, dass die Dozenten fachlich betreut werden müssen.

Yoga und Tai Chi

Der Fachbereich Gesundheit veränderte sich inhaltlich stark. Vor rund 30 Jahren habe sich ein Chinese bei ihm vorgestellt, der einen Tai-Chi-Kurs anbieten wollte, erzählt  Schmiedel. Er habe sich die Bewegungen zeigen lassen und schließlich zugestimmt. „Der Kurs hat stattgefunden“, erinnert sich Schmiedel. Es folgten viele weitere.

Einen ähnlichen Boom erlebte er beim Yoga. Waren es am Anfang noch zwei, drei Kurse, wurden später hunderte daraus. Nur bei den Sprachen habe es eine große Konstante gegeben.

Die Frauenakademie, die die VHS früher angeboten hat, sei ein großer Erfolg gewesen. Über sechs Semester konnten die Teilnehmerinnen ihren Lehrplan ein Stück weit selbst bestimmen.

Mit kürzeren Formaten, Vorträgen an einem oder an zwei Abenden, sei es schwieriger gewesen. Daraus hat die VHS schließlich die Bildungswerkstätten entwickelt. „Ein Erfolg für uns“, sagt Schmiedel. Regelmäßig finden darin kurze Veranstaltungen statt, die ein „treues Publikum“ gefunden haben.

Die Aufgaben der Leitung hat sich verändert, sagt Schmiedel: „Wir müssen wissen, was gefragt ist und immer am Puls der Zeit sein“. Denn in fast allen Bereichen gibt es für die VHS Konkurrenz, zum Beispiel durch Sportvereine. „Das selbstbestimmte Lernen ist zukunftsweisend“, steht für Schmiedel fest. Neben der großen Identifikation komme das lebenslange Lernen hinzu.

Defizit beim digitalen Lernen

Die Coronakrise habe gezeigt, dass die VHS ein Defizit beim digitalen Lernen habe, zieht Schmiedel das Fazit. 80 Prozent der Veranstaltungen seien lahmgelegt worden, erst langsam geht es unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln wieder los. Das Finden von Ersatzräumen – noch kann kein Unterricht in Schulen stattfinden – und das Verkleinern der Lerngruppen sei eine große Herausforderung. Denn bei den Kursen sei die Gruppenzugehörigkeit enorm wichtig.

„Erfinderisch müsse sie sein“, rät Schmiedel daher seiner Nachfolgerin. Constanze Weis wird ab 1. Juli die Leitung übernehmen. Die 54-Jährige ist bereits seit 2014 seine Stellvertreterin.

Auch wenn Jürgen Schmiedel seinen Abschied coronabedingt nicht groß feiern kann, wird er der VHS nach seinem Abschied treu bleiben – als Teilnehmer eines Gitarrenkurses.

 
 
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