Der SVS Bietigheim-Bissingen kritisiert die Stadt Bau von Sportstätten in weiter Ferne

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Das Führungsgremium des Stadtverbandes für Sport Bietigheim-Bissingen. Es fehlen: Anette Wengert, Michael Bertet, Stefan Benning und Thorsten Mast.⇥ Foto: Stadtverband

OB Jürgen Kessing zeichnet sehr düsteres Finanzbild. Das SVS-Führungsgremium wurde einstimmig wiedergewählt.

Betretene Gesichter und Mucksmäuschenstille gab es am Montagabend im Kleinen Saal des Kronenzentrums bei der Mitgliederversammlung des Stadtverbandes für Sport (SVS), als Oberbürgermeister Jürgen Kessing Klartext zur Lage der Kommune sprach. Die Quintessenz: Träume von neuen Sportstätten können sich die Sportler aufgrund der Pandemie nun über Jahre hinweg abschminken.

Vor gerade mal 15 Vertretern von 44 Vereinen mit insgesamt 15 549 Stadtverbands-Mitgliedern hatte SVS-Vorsitzender Günter Krähling in seinem Bericht über die vergangenen 18 Monate neben einem umfassenden Erinnern an die Sport-Ereignisse in Bietigheim-Bissingen einmal mehr deutlich den Bedarf an Sportstätten angesprochen. Er konstatierte rundum „Sendepause“ und kritisierte am Beispiel Ballsporthalle, dass dank Corona „über Alternativen nicht mal nachgedacht“ werde.

Krähling bemängelte, dass in Bietigheim-Bissingen nur noch Sportstätten entstünden, wenn die Vereine selbst etwas in die Hand nähmen. Die schon vor Jahren im Sportstätten-Leitplan definierten Forderungen ließen „keine großen Fortschritte“, nur ein sehr zögerliches Voranschreiten erkennen.

Auf taube Ohren gestoßen

Krähling konstatierte dann auch „eine gewisse Resignation“ beim Stadtverband: „Seit Jahren weisen wir zum Beispiel immer wieder auf fehlende Sportstätten hin – seit Jahren stoßen wir damit auf taube Ohren, insbesondere bei der Verwaltungsspitze.“

„Uns geht es derzeit saumäßig schlecht!“ So fasste der etwas später hinzugekommene Oberbürgermeister die aktuelle Zwischenbilanz der Stadt in Corona-Zeiten zusammen und machte deutlich, dass es größere Sportstätten-Bauten in absehbarer Zeit nicht geben werde. Fertige Bad-Pläne etwa würden dann eben in der Schublade liegen bleiben müssen. „Sport, Schulen, Kultur: Alles kostet Geld, das wir gar nicht haben“, sprach Jürgen Kessing von finanziellen Einbrüchen bis in die 20-Millionen-Euro-Bereiche. Ein Crash, der noch länger anhalten werde. Vorrang hätten somit logischerweise Pflichtaufgaben wie Schul- und Kindertagesstättenbauten. Kessing betonte, dass er froh sei, „dass wir in den letzten Jahren keinen Tempel gebaut haben, der gewünscht war.“

Allerdings sei in der Stadt mehr geschehen als man es wahrnehme. „Wir haben alle Sportstätten erhalten, bauen die Sporthalle an der Hillerschule, haben Sportplätze umgerüstet, verlangen für die Sportstätten keine Benutzungsgebühren und schütten Jahr für Jahr fast eine halbe Million Euro bar an die Sportvereine aus. Es ist erschreckend, wie das alles als selbstverständlich betrachtet wird“, machte der Rathauschef auch keinen Hehl daraus, dass er von denjenigen, die Jahre lang davon profitierten, nun auch erwarte, dass sie sich solidarisch zeigten.

Das Thema Solidarität hatte zuvor schon eine anhaltende Debatte ausgelöst. Gemeint ist das Signal des Stadtverbands, einen Beitrag zur Konsolidierung des Stadtsäckels beizusteuern (die BZ berichtete). Dazu gab es kritische Anmerkungen aus den Reihen der in Not befindlichen Sportvereine, die sich eigentlich eine Hilfestellung durch die Stadt erhofft hatten – keinesfalls aber das Gegenteil.

 
 
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