Desinfektionsmittel und Schutzmasken Corona-Krise fördert neue Produkt-Ideen

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Statt Farben produzieren Marabu-Mitarbeiter seit kurzem Desinfektionsmittel. Am Stammsitz in Tamm sollen weitere Großmengen der begehrten Flüssigkeit produziert werden.⇥ Foto: Marabu

Marabu stellt Desinfektionsmittel her, Mann+Hummel forciert die Entwicklung von Filtermasken, die  „Werkstation“ orientiert sich neu.

Rund 2000 Schutzmasken und erhebliche Mengen von Desinfektionsmitteln hat die Tammer Firma Marabu an diesem Dienstag an den Klinikenverbund in Ludwigsburg als Spende übergeben. Das Besondere daran: Farbenspezialist Marabu hat die Desinfektionsmittel auf eigenen Anlagen hergestellt und dafür in kurzer Zeit Anlagen für die Produktion von Digitaldruckfarben umgestellt. „Mit der Spende wollen wir denjenigen helfen, die die Versorgung und die optimale Betreuung unserer Mitmenschen bis über die Grenzen ihrer eigenen Belastbarkeit hinaus gewährleisten“, so Marabu-Chef York Boeder.

Dafür musste das Unternehmen lediglich einige organisatorische Änderungen vornehmen, beispielsweise die Arbeitsabläufe neu organisieren und die Mitarbeiter schulen. Die nötige Hardware sei im Unternehmen bereits vorhanden gewesen, sagte ein Marabu-Sprecher auf Nachfrage der BZ. Einkauf, Entwicklung, Produktmanagement, Produktsicherheit, Produktion und Planung haben sich untereinander abgestimmt, sodass Marabu innerhalb von sechs Tagen lieferfähig gewesen sei. Die Mittel zur Desinfektion von Händen und Flächen entsprechen dem Standard der Weltgesundheitsorganisation.

Marabu ist längst nicht das einzige Unternehmen, dass mit neuen Ideen auf die Corona-Krise reagiert. Der Ludwigsburger Filterspezialist Mann+Hummel, der Filter für die Automobilhersteller und andere Industriezweige fertigt, hat nach eigenen Angaben mit mehr als 1000 Mitarbeitern aus Forschung und Entwicklung globale Aktivitäten gestartet, um Strategien gegen das Corona-Virus zu entwickeln. In diesem Zusammenhang soll die Produktion und Lieferung von Filtermedien für Gesichtsmasken ausgebaut und vorangetrieben werden. „Daran arbeiten mehrere Teams weltweit“, sagte Kurk Wilks, der Chef der Mann+Hummel-Gruppe. In der Stadt Kunshan in China sei mit der Großserienfertigung von Filtermasken begonnen worden, und der Aufbau einer weiteren Produktionslinie für medizinische Gesichtsmasken werde vorbereitet, teilt das Unternehmen weiter mit.

Verglichen mit der weltweit tätigen Filtergruppe von Mann+Hummel (21 000 Mitarbeiter, knapp vier Milliarden Euro Jahresumsatz) ist die in Besigheim ansässige „Werkstation“ ein Winzling. Die sieben Mitarbeiter projektieren und vertreiben im Industriegebiet auf der Ottmarsheimer Höhe Kiosksysteme, Stelen und digitale Anzeige-Anlagen, wie sie beispielsweise in Eingangsbereichen von Firmen, in Museen, bei Messen oder Ausstellungen zu sehen sind. Die Schockstarre zu Beginn der Corona-Krise nach einem Umsatzeinbruch von mehr als 90 Prozent sei schnell der Frage gewichen, wie das Unternehmen aktuell reagieren können „und wo wir stehen wollen, wenn es wieder aufwärts geht“, sagt Geschäftsführer Frank Nägele. „In Krisenzeiten waren wir schon immer gut und haben uns weiterentwickelt“, strahlt er Zuversicht aus.

Erste Prototypen

Das Ergebnis der Überlegungen ist eine Serie von Desinfektionsterminals für öffentliche Gebäude, die in etwa zwei Wochen in Produktion gehen wird. Die ersten Prototypen seien bereits im Bau, sogar ein Hersteller von Spender-Geräten der Desinfektionsmittel sei nach einer schwierigen Suche gefunden worden. Erste Gespräche mit Banken und Unternehmen versprechen Erfolg, auch für Rathäuser sei das Produkt interessant.

 
 
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