Deutsch-Französisches Institut Ludwigsburg Ein Vertriebener macht sich für die Versöhnung stark

Von Gabriele Szczegulski
Die Villa in der Asperger Straße ist seit 1948 bis heute Sitz des Deutsch-Französischen Instituts. Fritz Schenk lud dort oft seine Familie ein. Foto: /Werner Kuhnle

Fritz Schenk gründete 1948 das Deutsch-Französische Institut in Ludwigsburg. Seine Nichte Birgit Schenk erinnert sich an den Visionär.

Heringssalat und Frankfurter Würstchen gab es an jedem ersten Weihnachtsfeiertag bei Fritz und Magda Schenk. Dann kam die ganze, große Schenk-Familie in der Villa in die Asperger Straße 34 in Ludwigsburg, dem Sitz des Deutsch-Französischen Instituts und Wohnsitz der Schenks, zusammen. Birgit Schenk erinnert sich gerne an den Onkel. Die 81-Jährige ist die einzige noch lebende nahe Verwandte des Institutsgründers, neben den drei Kindern ihrer verstorbenen Schwester Karin. „Mein Onkel liebte Familientreffen, war bei jedem Familienfest dabei und lud die Familie auch gerne zu sich ein“, sagt sie.

Birgit Schenk und ihre Schwester Karin sind die Töchter des ein Jahr älteren Bruders von Fritz Schenk, Theodor Schenk. „Ich sehe den Onkel immer noch vor mir, er sprach nie viel, aber er rauchte ständig“, so Birgit Schenk, die in München lebt.

Man durfte nicht über Krankheiten reden

Gabriele Renner ist Birgit Schenks Nichte und sie erinnert sich, dass der Onkel es nicht mochte, wenn über Krankheiten gesprochen wurde: „Das habe ich mir damals gemerkt und vorgenommen, dass ich das auch nie mache“, sagt sie.

Seit Fritz Schenk ab 1948 in Ludwigsburg lebte, besuchten ihn seine beiden Nichten oft. Karin Schenk lernte im Institut des Onkels zwei Jahre Französisch, um dann in Paris als Au-pair-Mädchen zu arbeiten, auch durch Vermittlung des Onkels – „sie wurde dann Auslandskorrespondentin, das hat sie auch Onkel Fritz zu verdanken“, sagt Gabriele Renner.

„Ich durfte einmal mit dem Onkel nach Paris fahren, er vertiefte seine Kontakte, ich besuchte meine Schwester“, so Birgit Schenk. Die Reise war ein Erlebnis, das die Nichte nie vergaß: In Fontainebleau traf sich Fritz Schenk mit General Hans Speidel, der wie Schenk im Afrikakorps der Wehrmacht gedient hatte.

Speidel wurde nach dem Krieg Bundeswehr- und Nato-General und forcierte – wie Schenk – die Aussöhnung von Deutschland und Frankreich. „Die beiden führten lange Gespräche und tranken Cognac, ich war damals ein junges Mädchen und der General wollte mir auch einen Cognac geben, aber ich wollte Orangensaft“, so Birgit Schenk. Doch sie bekam Tomatensaft serviert, den sie bis dahin noch nie getrunken hatte und die beiden Herren amüsierten sich köstlich über ihr verzogenes Gesicht.

Die Frankreichaffinität ihres Onkels führt Birgit Schenk auf die Tatsache zurück, dass er in dem Örtchen Nouvel-Avricourt in Lothringen, das damals Deutsch Avricourt hieß, geboren wurde und zweisprachig aufwuchs. Schenk hatte zeitlebens Kontakt mit französischen Jugendfreunden aus Lothringen. 1919 wurde die Familie vertrieben und zog in die Heimatstadt der Mutter, nach Kirchheim/Teck.

1926 begann Schenk in Tübingen das Studium der Romanistik und Geschichte, studierte auch in Berlin, Nancy und Paris. Er intensivierte nach dem Studium seine Kontakte nach Frankreich. Er arbeitete bis zum Zweiten Weltkrieg als Französisch-Lehrer und Leiter eines Wohnheims für ausländische Studenten in Tübingen. Dass er gegen Frankreich im Zweiten Weltkrieg als Soldat kämpfen musste, sei das Schlimmste für ihn gewesen, so seine Nichte. Nach Kriegsende setzte er sich sofort für international tätige Organisationen ein. „Mein Onkel war ein sehr stiller Mann, erst später haben wir erfahren, wie aktiv er war, um internationale Beziehungen zu schaffen.“

„Frankreich und Deutschland waren für ihn die beiden wichtigsten Nationen in Europa und sie mussten sich seiner Meinung nach versöhnen, um den Frieden in Europa zu begründen und zu erhalten“, sagt Birgit Schenk. Dies sei nur durch persönliche Kontakte zu erreichen. Diese Überzeugung war für Schenk der Grund, in Ludwigsburg das Deutsch-Französische Institut (DFI) zu gründen. Das war fast revolutionär, drei Jahre nach dem Ende des Krieges mit dem „Erbfeind“. „Er sprach mit Freunden wie Theodor Heuss, Carlo Schmid und dem Ludwigsburger Bürgermeister Elmar Doch.“ Dieser unterstützte Schenk auch mit der Villa in der Asperger Straße, die der Sitz des Instituts werden sollte. Schenk übernahm die Leitung. „Von da an waren wir oft in der Wohnung von Tante und Onkel“, sagt Birgit Schenk und fügt hinzu, dass der Einfluss von Ehefrau Magda Schenk auf die Gründung des DFI nicht unterschätzt werden darf. „Meine Tante hatte einen starken Charakter, sie war politisch und gesellschaftlich sehr interessiert und unterstützte meinen Onkel, wo sie konnte.“

Bis 1972 leitete er das Institut, das einen wichtigen Einfluss auf die heutigen deutsch-französischen Beziehungen hat. „Ich glaube, ohne meinen Onkel hätte die Rede De Gaulles an die deutsche Jugend 1962 in Ludwigsburg nicht stattgefunden“, sagt Schenk, die damals auch im Publikum saß, genauso wie 1958 zum zehnjährigen Bestehen des DFI. Für die Nichte hatte der Onkel immer besondere Geschenke, wie zum zehnten Geburtstag eine Ausgabe des „Kleinen Prinzen“ von Antoine de Saint-Exupéry, „eine ganz alte Ausgabe, ich habe sie immer noch“, sagt sie. Geerbt hat sie den Sekretär ihres Onkels, der immer noch in ihrer Münchener Wohnung steht. 1972, als Schenk pensioniert wurde, zog er nach Neustadt an der Weinstraße. 1985 starb er, kurz nachdem ihn seine Familie nochmals besucht hatte.

 
 
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