DFB-Pokal Nach Regenpause: Leverkusen ringt Großaspach nieder

Von Niklas Braiger
Immer wieder kommt die SG Sonnenhof Großaspach zu guten Gelegenheiten. Der Außenseiter um Arbnor Nuraj (in rot) lässt davon aber zu viele liegen und scheitert so an Bayer 04 Leverkusen. Foto: Ralf Poller/Avanti

Sonnenhof liefert über eine Stunde lang einen ebenbürtigen Kampf gegen den amtierenden Vizemeister. Am Ende verlässt sie das Glück.

Schieber! Schieber!“ skandieren die Fans aus beiden Fanlagern beim DFB-Pokalspiel der SG Sonnenhof Großaspach und von Bayer 04 Leverkusen. 17 Minuten sind zu diesem Zeitpunkt gespielt, die Zuschauer in der Wirmachendruck-Arena pöbeln jedoch nicht, wie bei diesen Sprüchen üblich, gegen die Schiedsrichter, sondern feuern die Regen-Retter des Fautenhau an. Denn zehn Minuten vor dem Spiel öffnet Mose die Himmelstore, es beginnt aus Eimern zu schütten und prasselt unbändig auf den Rasen in Großaspach herunter.

Galgenhumor auf den Rängen

In der 17. Spielminute kommt dann sogar noch Hagel dazu, sodass sich Schiedsrichter Michael Bacher gezwungen sieht, die Partie zu unterbrechen. Über 40 Minuten lang rollt kaum ein Ball im ausverkauften Stadion, nur vereinzelt testet der Unparteiische Michael Bacher mal vorsichtig, wie tief die Pfützen sind und kommt schnell zu einer Antwort: sehr tief. Denn gerade im zentralen Mittelfeld in beiden Hälften steht das Wasser, zahlreiche Helfer werden unter lautem Applaus – und auch ein wenig Galgenhumor - der Zuschauer angefeuert.

Am Ende haben aber hauptsächlich die Gästefans etwas zu Lachen. Die Werkself gewinnt das Erstrundenspiel nach hart umkämpften 90 Minuten in der Regenschlacht mit 4:0. Nicht nur die Witterung hat hierauf großen Einfluss, sondern auch zwei dumme Aktionen der Gastgeber. Denn nach 64 Minuten sieht SG-Kapitän Volkan Celiktas die gelbe Karte für Meckern, zwei Minuten später wird er von Bacher dann für ein unnötiges Foul völlig zurecht mit der Ampelkarte vom Platz gestellt. Vorallem die erste Verwarnung für den Spielführer der Gastgeber ist dabei ärgerlich, Celiktas regt sich nach einem Foul im Mittelfeld zu vehement auf, auf der Gegenseite ist Bayer-Captain Robert Andrich allerdings ebenfalls permanent am Diskutieren, bleibt aber verschont. Zu diesem Zeitpunkt liegt die SG nur mit 0:1 in Rückstand, ist in einer Drangphase und verleiht der Partie Feuer. Nach der Gelb-Roten Karte hingegen ist ein Bruch im Spiel der Gastgeber, die schließlich ersichtlich ist.

Auch Tasdelen fliegt vom Platz

Doch mit dem einen Platzverweis nicht genug: In bester Kreisliga-Manier räumt Mert Tasdelen aus Frust Axel Tape ohne Rücksicht auf Verluste nahe der Leverkusener Eckfahne um und fährt dem Verteidiger kniehoch aus vollem Lauf in die Parade (82.). Referee Bacher wartet keine Sekunde, zückt sofort Rot und verhindert damit eine Rudelbildung. Wenn Celiktas‘ Platzverweis nicht schon Entscheidung genug war, ist diese letztlich der Todesstoß. Denn im direkten Gegenzug kassieren die Großaspacher Karma, der eingewechselte Neuzugang Christian Kofane stellt nach einem herrlichen Steckpass hinter die Kette auf 3:0 (84.).

„Ich widerspreche ungern einem Bundesliga-Trainer. Aber ich fand das Ergebnis am Ende des Tages zu hoch, weil wir es bis zu dem strittigen Platzverweis gut gemacht haben“, sagt SG-Coach Pascal Reinhardt nach der Partie, der damit auf seinen Gegenüber Erik ten Hag anspielt. Der Niederländer fand das Ergebnis nämlich gerechtfertigt. 60 Minuten lang – bis zum ersten Platzverweis – spielen die Gastgeber aber auf Augenhöhe mit dem amtierenden Vizemeister mit. Ein Klassenunterschied ist lange nicht zu erkennen, nur ein Mal in Durchgang eins spielt die Werkself ihre Qualität aus: Amine Adli bekommt auf seiner linken Offensivseite zu viel Zeit und Platz, flankt mit Dampf an den ersten Pfosten, wo Patrick Schick einläuft und mit voller Wucht ins kurze Eck einnickt.

Schick hinten wie vorne aktiv

Es ist die erste hochkarätige Chance für den Favoriten und Deutschen Meister von 2024, ansonsten verteidigen es die Männer vom Fautenhau stark vom eigenen Tor weg und setzen auch offensiv immer wieder Akzente. So auch direkt nach dem Gegentor. Schick, gerade noch treffsicher wie sonst auch, wird plötzlich zum Retter in der Not. Eine Ecke an den zweiten Pfosten hält Antonis Aidonis noch im Spiel, Celiktas bringt das Leder dann akrobatisch über Freund und Feind hinweg in Richtung des langen Ecks. Der Tscheche eilt jedoch noch rechtzeitig zurück und köpft den Ball von der Linie.

Am Ende wird es deutlich

So kommt die SG nicht zum verdienten Ausgleich. Stattdessen bleibt der Bundesligist eiskalt. Nach einer starken Kombination ist Arthur derjenige, der das Zuspiel zum zwischenzeitlichen 2:0 verwertet (74.), es ist das erste Pflichtspieltor des Mittelfeldmannes für die Leverkusener nach zwei Jahren, weshalb auch große Freude im Lager der Bayer-Elf aufkommt. Kurz vor Schluss stellt dann der eingewechselte Alejandro Grimaldo noch den 4:0-Endstand her. Vorausgegangen war ein Foul von Lukas Stoppel im Sechzehner (87.).

 
 
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