DFB-Pokal Pokalheld Maximilian Reule wird zum Sprinter

Von Claus Pfitzer
Nach dem dritten Verschossenen Elfmeter von Arminia Bielefeld und dem damit einhergehenden Pokal-Sieg der SG Sonnenhof Großaspach gibt es für Keeper Maximilan Reule (in gelb) kein Halten mehr. Foto: Julia Rahn/Baumann

Der Drittligist SG Sonnenhof Großaspach erreicht mit einem 5:2-Sieg nach Elfmeterschießen gegen Arminia Bielefeld die zweite DFB-Pokalrunde.

Als der Bielefelder Roberts Uldrikis im Elfmeterschießen den dritten Versuch über die Latte des Großaspacher Tores ins Fangnetz vor den rund 2500 mitgereisten Arminia-Fans gedroschen hatte, ging Maximilian Reule, der zuvor zwei Elfmeter pariert hatte, in der Hocke und hielt kurz inne, dann gab es kein Halten mehr. Im Vollsprint und mit erhobene Faust rannte der 32-Jährige auf die andere Spielfeldseite zu den jubelnden Anhängern des Drittligisten, der gerade mit einem 5:2-Erfolg über die favorisierten Bielefelder aus der Zweiten Liga die zweite Runde im lukrativen DFB-Pokal erreicht hatte.

Der Held lobt die Schützen

„Es war pures Glücksgefühl und ich wollte einfach nur noch zu unseren Fans und die pure Emotion und die pure Freude mit ihnen teilen“, erzählte Reule von seinem Lauf, nachdem der Sieg feststand. „Ich habe meinen Job erledigt und der Mannschaft geholfen. Es war schon abgezockt von unseren Jungs, die Elfmeter so gegen Jonas Kersken zu schießen, einen der besten Torhüter der Zweiten Liga“, lobte Reule seine Mitspieler Arbnor Nuraj, Luca Molinari und Franz-Xaver Bleicher, die alle drei Elfmeter sicher verwandelt hatten.

Der 32-Jährige, der in Neuenbürg bei Pforzheim geboren wurde und seit 2017 mit einer einjährigen Unterbrechung bei der SG Sonnenhof spielt, hatte die Elfmeter der Bielefelder Maximilian Bauer und Tim Handwerker bravourös pariert. „Ich wäre als Nächster dran gewesen. Es ist selten, dass man als vierter Schütze nicht mehr drankommt“, wunderte sich hinterher Bielefelds Stürmer Joel Grodowski. Mit dem erstmaligen Einzug in die zweite DFB-Pokalrunde setzt die SG Sonnenhof die Erfolgsstory unter Trainer Pascal Reinhardt mit zwei Aufstiegen und dem zweifachen Gewinn des württembergischen Verbandspokals fort. Reinhardt hatte „in unserem Wohnzimmer“ einen mutigen, intensiven und für den Favoriten unangenehmen Auftritt versprochen, und seine Mannschaft setzte die Vorgaben um.

„Gänsehaut“ bei Coach Reinhardt

Ganz nach dem Motto des eigens nach dem Aufstieg in die Dritte Liga leicht umgedichteten Songs der in Aspach ansässigen Schlagerkönigin Andrea Berg: „Ja, ich will!“ Emotional noch angefasst war Reinhardt nach dem Pokal-Coup begeistert vom Auftritt seiner Mannschaft: „Unfassbar, was wir 120 Minuten auf den Platz bringen. Im Elfmeterschießen wollten wir Qualität zeigen, mit Mut rangehen und Überzeugung haben. Da hatte ich Gänsehaut. Wir haben den Anspruch, alle Spiele zu gewinnen, egal gegen welchen Gegner.“

Die Philosophie des Dorfklubs verinnerlicht hat nach wenigen Wochen Tim Rossmann, der sich nach einer von Verletzungen geprägten Zeit bei Fortuna Düsseldorf bei der SG Sonnenhof auf Anhieb einen Stammplatz erobert hat. „Es läuft super mit der Mannschaft, vor ihr ziehe ich den Hut und bin stolz auf sie. In er Verlängerung war ich komplett am Ende, aber für einen Elfmeter hätte es noch gereicht. Wir sind hungrig und wollen unseren Weg weitergehen. Es fühlt sich gut an hier, ich spüre Vertrauen, das spielt auch eine große Rolle“, sagte der 22-jährige gebürtige Bietigheim-Bissinger, der mit dem Kicken beim FSV 08 Bietigheim-Bissingen begonnen hat.

Weniger gut war die Stimmung im Lager des Zweitligisten aus Ostwestfalen, dessen Pokalreise abrupt in der schwäbischen Provinz endete. Sieben Spieler standen noch im Aufgebot, die 2025 im DFB-Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart in Berlin dabei waren, das mit 2:4 verloren ging. „Wir waren vom Kopf her nicht da und haben den Switch vom Außenseiter zum Favoriten nicht hinbekommen. Kein Spieler hat seine Normalform erreicht, die Mannschaftsleistung hat nicht ausgereicht“, kritisierte der neue Arminia-Trainer Oliver Kirch.

Es geht ohne Kapitän Celiktas

Die Gastgeber, die auf den gesperrten Kapitän Volkan Celiktas verzichten mussten, belohnten sich früh für ihren mutigen Auftritt mit dem Führungstor durch Elias Rahn, der im dritten Versuch nach abgeblockten Schüssen von Marius Kunde und Fabian Eisele volley mit links in den Torwinkel traf (12.). Das 2:0 verhinderte Arminia-Schlussmann Kersken mit einer Glanzparade gegen Eisele, nachdem er zuvor einen 18-Meter-Schuss von Rossmann nur unzureichend abgewehrt hatte (18.). Bei der ersten Torannäherung der Gäste scheiterte Monju Thaddäus Momuluh an SG-Keeper Reule (28.). Diese Aktion leitete die stärkste Phase des Zweitligisten ein, der binnen zwei Minuten durch ein Kopfballtor von Kapitän Maximilian Bauer (40.) und einen Treffer von Grodowski (42.) den Rückstand in eine 2:1-Führung umwandelte.

Felix sieht die Ampelkarte

Mit einem verwandelten Elfmeter nach Handspiel von Joel Felix sorgte SG-Torjäger Eisele für den Ausgleich (55.). Der kurzfristig für Stamm-Innenverteidiger Maximilian Großer (Unwohlsein) ins Team gerückte Felix handelte sich kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit handelte die Gelb-Rote Karte ein. In der Verlängerung vermieden beide Mannschaften ein allzu hohes Risiko, je eine Chance hätte die Entscheidung bringen können. Bielefelds Marius Wörl traf mit einem Weitschuss nur den Pfosten des SG-Tores (112.), im Gegenzug scheiterte Marlon Faß an einer Glanzparade von DSC-Torhüter Kersken.

 
 
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