Diakonie Kreis: Alkohol bleibt Droge Nummer 1

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Alkohol Sucht Drogen⇥ Foto: Archiv

Der Jahresbericht der psychosozialen Beratungs- und ambulanten Behandlungstellen für Suchtgefährdete und Suchtkranke für den Landkreis liegt vor.

Alkohol bleibt im Landkreis Ludwigsburg die Droge Nummer 1. Zwar ist der Anteil von Klienten mit Alkoholprobelme leicht gesunken, stellt aber mit rund 40 Prozent immer noch die größte Gruppe von Menschen dar, die betreut werden. Dies geht aus dem aktuellen Jahresbericht der psychosozialen Beratungs- und ambulanten Behandlungstellen für Suchtgefährdete und Suchtkranke Ludwigsburg der Caritas Ludwigsburg-Waiblingen-Enz hervor.

Ein „Hochkonsumland“

Jahr für Jahr werde Deutschland hinsichtlich Alkohol als „Hochkonsumland“ bezeichnet, heißt es in dem Jahresbericht. Die Suchthilfe hat diesbezüglich deshalb auch klare Forderungen: So müsse man für den Erwerb von Alkohol einen angemessenen Preis bezahlen und dabei immer eine preisgünstigere, alkoholfreie Alternative im Angebot haben. Ergänzend dazu müsse gesundheitsbewusstes Verhalten mehr Anerkennung und Wertschätzung erfahren und dafür sorgen, dass Menschen, die sich für einen abstinenten oder konsumarmen Lebensstil entscheiden, sich nicht ständig rechtfertigen oder erklären müssten.

Leitidee für Präventionsleistungen sei die Förderung einer sozialen Norm, dass Alkoholkonsum der Gesundheit in einer Dosiswirkung schade und insbesondere durch Alkoholfreiheit ein Zugewinn an Lebensqualität und -dauer erzielt werden könne, wird in dem Bericht aus dem Jahrbuch der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen zitiert. Die Beratungsstellen im Landkreis Ludwigsburg wollen deshalb informieren, Präventionsangebote machen sowie Betroffene und Angehörige zu beraten – sofern eine Veränderung des Konsumverhaltens nötig ist.

Bei Opiatabhängigen (Heroin) ermöglicht seit 2018 der Landkreis Ludwigsburg durch die Finanzierung einer Vollzeitstelle die sogenannte „Aufsuchende Substitutionsbegleitung in den substituierenden Arztpraxen“ im Landkreis. Sprich Klienten, die Ersatzmedikamente nehmen, werden in Praxen begleitet, die diese auch verschreiben.

Die enge Abstimmung mit den behandelnden Ärzten in der suchtmedizinischen und psychosozialen Behandlung wurde dadurch intensiviert und die wohnortnahe, niederschwellige psychosoziale Begleitbetreuung der Klienten sichergestellt.

Vier Standorte im Kreis

Nachdem ab Juli 2018 zunächst in zwei Arztpraxen eine Begleitung angeboten wurde, konnte dies ab Januar 2019 auf drei Arztpraxen und somit an vier Standorten im Landkreis ausgedehnt werden. Die Arztpraxen stellen dabei ihre Infrastruktur zur Verfügung und vergeben die Beratungstermine innerhalb der Sprechstunde. Die Klienten nutzten dieses Angebot zusätzlich oder alternativ zu den weiteren Angeboten in der Beratungsstelle. So erreiche man nun auch Klienten, die bisher nicht zuverlässig den Weg in eine Beratungsstelle gefunden haben, heißt es in dem Bericht.

Auffällig sei bei Opiatabhängigen in Substitution ist die hohe Gefahr von Begleiterkrankungen. Opiatabhängigkeit gehe in der Regel einher mit weiteren psychischen und körperlichen Erkrankungen.

Vieles im täglichen Leben sei daher auch mit Problemen belastet. Zu nennen seien vor allem die Arbeit und Beschäftigung, Freizeitgestaltung, justizielle Probleme, Schulden und Konflikte im sozialen Umfeld, listet der Bericht auf.

Um wirksam Unterstützung bieten zu können, erfordere dies eine enge Abstimmung zwischen dem Substitutionsarzt und dem Suchtberater. Einige Klienten würden eine regelmäßige Beratung wünschen und intensive Betreuung in Anspruch nehmen, andere wollen zunächst nur eine Bestätigung des Termins, um dem Arzt die geforderte psychosoziale Betreuung nachzuweisen.

Fast 100 Sprechstunden beim Arzt

Der Bericht gibt einen Überblick über die Zahlen: 99 Sprechstunden gab es in den Arztpraxen, 161 Klienten wurden mit dem Angebot vor Ort erreicht. 249 Beratungen fanden in den Arztpraxen statt. 24 der Klienten nahmen insgesamt 96 Beratungen in der Beratungsstelle wahr. Ziel der Substitutionsbegleitung sei es, den Klienten in seinen Lebensbereichen zu stabilisieren, Distanz zur Drogenszene zu schaffen und den „Beigebrauch“ zu minimieren.

Um die Beratungen gut vornehmen zu können, müssen viele Telefonate geführt, Netzwerke und Ämter kontaktiert, Fälle besprochen und Briefe geschrieben werden.

33,69 Prozent (2018: 34,5 Prozent) der insgesamt 1232 betreuten Personen wohnten laut Bericht 2019 in der Stadt Ludwigsburg (siehe Grafik). 57,14 Prozent (2018: 55,6 Prozent) der Klienten kamen aus dem Landkreis. Bei insgesamt 135 Klienten wurde dieses Merkmal nicht erfasst oder sie wohnten weder in der Stadt noch im Landkreis Ludwigsburg.

 
 
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