Die Alpakas von Metterzimmern Drei Hengste für Jürgen Hübner

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Müllermeister Jürgen Hübner knudelt Antaris seinen neuesten Alpaka. ⇥ Foto: Martin Kalb

Susanne und Jürgen Hübner von der Metter-Mühle in Metterzimmern haben seit Samstag wieder drei Alpakas und sich damit einen Traum erfüllt.

Schon mindestens zehn Jahre lang liebäugelte Jürgen Hübner mit der Anschaffung von Alpakas. Nach dem Tod eines seiner Emus war es leer geworden rund um die Metter-Mühle in Metterzimmern (die BZ berichtete). So erfüllte sich der Müllermeister vor gut einem Jahr seinen Traum und holte sich drei Alpakas. Leider erlitt eines davon einen Schlaganfall, doch am Samstag gab es Zuwachs: Antaris ist bereits elf Jahre alt und lebt sich gerade in Bietigheim-Bissingen ein. Wenn da nicht der neunjährige Hengst Frilu wäre.

Keine Kuscheltiere

„Einen Stinkstiefel hat jede Herde“, sagt Jürgen Hübner, „es geht zur Sache.“ Das haben ihm die Züchter, die Alpakafarm Schaber in Nürtingen, gesagt. Die flauschigen Tiere sehen aus wie Kuscheltiere, doch der Eindruck täuscht. „Um sich zu wehren, spucken sie oder treten mit ihren Hinterbeinen nach einem.“ Die Spucke sei jedoch nicht wie bei uns Menschen, sondern Mageninhalt, drückt es Hübner aus. „Sie haben noch nichts Schlimmeres gerochen“, sagt der Müllermeister aus Erfahrung – die Tierärztin hatte es bereits erwischt. Daher warnt er auch Spaziergänger, den Tieren nicht unerlaubt zu Nahe zu kommen. „Die drei wollen nicht gestreichelt werden und gefüttert bitte auch nicht.“ Zudem sollten Hunde angeleint werden, das musste ein Hundebesitzer bereits schmerzlich erfahren. Der unbeaufsichtigte Hund wurde von einem der Alpakas angespuckt. Mitleid habe Hübner nicht. „Wir haben hier auch Rehe und Kitze, da sollten Hunde hier generell angeleint sein.“

Glücklicherweise sind Frilu, Antaris und Sowhat sowieso eher menschenscheu. Das solle auch so bleiben, denn Hübner halte die Tiere als Nutztiere und wolle auch keine Touren mit ihnen anbieten. „Schauen Sie sich hier um“, sagt er gegenüber der BZ, „wer mäht den Hang?“ Rund um die Metter-Mühle sind Wiesen, die ebenfalls den Hübners gehören, doch das Gelände ist abschüssig, mähen ist nur mit Sense möglich. „Ich werde auch nicht jünger.“ So gehen er und seine Frau regelmäßig mit Frilu, Antraris und Sowhat spazieren. Das müsse er auch, denn nur im Stall halten,dürfe man Alpakas nicht, sie brauchen Auslauf. „Obwohl man das nicht glaubt, so wie sie gucken.“ Am Anfang müsse man die Tiere fast zwingen, geht es jedoch wieder nach Hause, ziehen sie an der Leine, so Hübner. „Die kennen das Gebiet genau und wissen, wann es nach Hause geht. Dann motzt keiner mehr.“

Warum Alpakas?

Bockige Tiere – warum dann Alpakas? Gras essen auch andere Tiere. Sein Vater hielt fürs Grasen früher Schafe, doch die sind Jürgen Hübner zu laut, so auch Ziegen. Alpakas seien eher ruhige Tiere, außer sie haben Stress, dann können sie richtig schreien wie ein Kamel, sagt der Müllermeister. Und der Vergleich kommt nicht von ungefähr: Das Alpaka ist eine domestizierte Kamelform, die vorwiegend wegen ihrer Wolle gezüchtet wird, in Peru jedoch auch wegen ihres Fleisches, so Hübner. „Schauen Sie sich die Tiere doch an und ja nicht in die Augen, dann können Sie nicht anders“, nennt der Müllermeister einen weiteren Grund für die Haltung. Neben ihrer Tätigkeit als Rasenmähern bieten die Tiere auch Wolle. Im Mai 2020 wurden sie das erste Mal geschoren und Susanne und Jürgen Hübner schlafen gut mit ihrer Wolldecke. „Sie ist sehr dünn, aber hält wunderbar warm“, schwärmt Susanne Hübner.

Je nach Wolle kann eine Stute bis zu 10 000 Euro kosten. Jürgen Hübner hat für seine drei Hengste rund 3000 Euro ausgegeben, plus die Unterhaltungskosten und das neue Gehege mit Zaun. Drei Hengste habe er, weil Stuten und Hengste nicht gemeinsam gehalten werden können, weil der Duft der Stuten die Hengste wild mache. „Das gibt nur Stress“, sagt Hübner, während Frilu Antaris über die Wiese jagt. Die Züchter machen den Hübners Hoffnung, dass sich auch die beiden Streithähne in zwei bis drei Wochen vertragen.

 
 
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