Die Bietigheim Steelers im Formcheck Überzeugende Neuzugänge, viel Potenzial und einige Baustellen

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Finnen-Duell: Steelers-Torhüter Sami Aittokallio schnappt sich den Puck. Sein Landsmann Ilari Melart von den Adlern Mannheim kommt zu spät. ⇥ Foto: Avanti/Ralf Poller

Die Steelers zwingen die Adler Mannheim ins Penaltyschießen. Der BZ-Formcheck verrät, wie viel DEL schon im Team steckt und wo es noch klemmt.

Seit drei Wochen befinden sich die Bietigheim Steelers in der Vorbereitung, die ersten drei Testspiele sind absolviert. Die Leistung am Samstagnachmittag gegen die Adler Mannheim war bereits vielversprechend und der bisher stärkste Auftritt des DEL-Neulings. Erst nach Penaltyschießen musste sich der SCB dem Topklub aus der Kurpfalz mit 4:5 (1:1, 0:1, 3:2) geschlagen geben. Vor 1970 Zuschauern in der EgeTrans-Arena erzielten Matt McKnight, C.J. Stretch, Alexander Preibisch und Constantin Braun die Bietigheimer Tore. Bei der Mannheimer Generalprobe fürs Champions-League-Auftaktduell am Donnerstag bei den Cardiff Devils trafen Lean Bergmann (2), Matthias Plachta und Andrew Desjardins. Den entscheidenden Penalty verwandelte Borna Rendulic.

Die Steelers bestreiten in dieser Woche zwei weitere Tests gegen Klassenrivalen: Am Donnerstag (15 Uhr) geht’s in Latsch in Südtirol gegen Ingolstadt, am Freitag (19.30 Uhr) folgt ein Gastspiel bei den Augsburger Panther. Doch wie viel DEL-Klasse steckt schon jetzt im Team von Trainer Danny Naud? Wie schlagen sich bisher die Neuzugänge? Und wo besteht noch Handlungsbedarf? Die BZ zieht ein erstes Fazit.

Die Torhüter

Mit dem Finnen Sami Aittokallio haben die Steelers einen Glücksgriff getan. Gegen Ajoie (1:4) und Wolfsburg (0:3) glänzte der 29-jährige Linksfänger zwischen den Pfosten und verhinderte mit vielen Paraden Schlimmeres. Privat zählt er zu den stillen Zeitgenossen, aber dafür strahlt er auch auf dem Eis eine enorme Ruhe aus. Die Abstimmung mit den Vorderleuten klappt bereits reibungslos. Bei den beiden Mannheimer Penaltys ließ sich Aittokallio allerdings übertölpeln.

Backup Cody Brenner ist nach einer Hüft-OP noch im Aufbautraining und wird eine Weile brauchen, bis er wieder der Alte ist. Sein letztes Spiel hat der 24-jährige Deutsch-Kanadier im März bestritten. Aktuell nimmt noch Aufstiegsheld Leon Doubrawa (20) den Platz hinter Aittokallio ein. Dessen Talent ist unbestritten, in der DEL wird er aber kaum Eiszeit bekommen. Darum soll er beim Oberliga-Kooperationspartner Memmingen Indians Wettkampfpraxis sammeln.

Fazit:

Aittokallio ist ein herausragender Rückhalt und einer der Schlüsselspieler. Sollte er länger verletzt ausfallen, hilft nur ein fitter Brenner in Bestform – sonst haben die Steelers ein Problem.

 

Die Verteidigung

Die Defensive wird in der DEL besonders gefordert sein. Der finnische Neuzugang Markus Kojo ist physisch stark, räumt hinten ordentlich auf, besticht mit seiner Übersicht und kann die Scheibe abgeklärt und sauber rausspielen. Offensiv tritt er bisher allerdings kaum in Erscheinung. Im Gegensatz zu Constantin Braun. Mit dem aus Berlin ausgeliehenen Routinier ist dem Aufsteiger ein Transfercoup gelungen. Der 33-jährige Braun hat die mit Abstand größte DEL-Erfahrung im Kader und ist mit allen Wassern gewaschen. Er nimmt bereits eine Führungsrolle ein und lief am Samstag sogar als Kapitän auf - wobei die Kapitänsfrage noch offen ist. Seine Torgefahr unterstrich er mit dem Treffer zum 4:3.

Tim Schüle und Max Renner bringen ebenfalls uneingeschränkt Erstliga-Format mit. Haudegen wie Max Prommersberger und Allrounder René Schoofs werden sich an das wesentlich schnellere Tempo und die Dynamik in der Eliteklasse noch gewöhnen (müssen). Probespieler Guillaume Naud hat seinen Job bisher souverän erledigt, ist aber nur eine Ergänzung – und kommt ohnehin nur für eine Verpflichtung in Frage, wenn er einen deutschen Pass erhält. Von den Jungen hat Fabian Ribnitzky die besten Karten auf einen festen Kaderplatz. Die 19-jährigen Talente Maximilian Menner und Jimmy Martinovic dürften eher bei den Kooperationspartnern Selb und Memmingen zum Zug kommen.

Fazit:

Gerade den Stützen Braun, Kojo, Schüle und Renner ist zuzutrauen, den Laden hinten dichtzuhalten. Entscheidend ist, dass die Steelers nicht unter permanenten Dauerdruck geraten und der Sturm für Entlastung sorgt.

 

Der Angriff

Einer der Gewinner der Vorbereitung ist bisher Mittelstürmer C.J. Stretch. Der 32-jährige US-Amerikaner blüht aktuell auf, ist bockstark an der Scheibe, zeigt sich hochmotiviert und arbeitet auch fleißig nach hinten. Obendrein hat er seinen Torriecher wiederentdeckt, wie die bisher zwei Testspiel-Treffer zeigen. Seine kanadischen Nebenleute Riley Sheen, der letztjährige Topscorer, und Evan Jasper tun sich dagegen noch schwer und sind noch nicht bei ihrer Normalform. Dem 37-jährigen Matt McKnight sprechen Kritiker zwar die nötige Schnelligkeit und Spritzigkeit für die DEL ab. Dass er sich mit seinen technischen Fähigkeiten aber auch im Oberhaus nicht verstecken muss, hat der kanadische Center am Samstag zum Beispiel beim Führungstor gezeigt, als er den Puck elegant in den rechten oberen Winkel schlenzte. Beim Bully sowie in Über- und Unterzahl ist McKnight sowieso noch eine Klasse für sich.

Alexander Preibisch kann mit seiner Schnelligkeit auch so manche gestandene DEL-Abwehr in den Panikmodus versetzen. Sein Mitstreiter Benjamin Zientek ist ebenfalls auf einem guten Weg zum Leistungsträger. Brett Breitkreuz braucht nach seiner Knieoperation noch etwas Zeit, um wieder ein Faktor zu sein. Bei Norman Hauner und Neuzugang Daniel Weiß ist noch Luft nach oben. Die Jungspunde Robert Kneisler, Yannick Wenzel und der auch in der Abwehr einsetzbare Calvin Pokorny verfügen über jede Menge Potenzial und stellen sich mutig der Herausforderung.

Fazit:

Um auf Dauer mithalten zu können, würden dem Aufsteiger noch zwei herausragende Kontingentstürmer mit Vollstreckerqualitäten gut tun. Viele Torchancen werden die Steelers in der DEL nicht bekommen. Umso wichtiger ist daher eine große Effektivität im Abschluss.

 
 
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