Die Bilanz nach einem Jahr an der Rathausspitze „Das Amt ist und bleibt die Erfüllung eines Lebenstraums“

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Dr. Matthias Knecht ist seit einem Jahr OB in Ludwigsburg. ⇥ Foto: Werner Kuhnle

Matthias Knecht ist seit einem Jahr Ludwigsburgs Rathauschef. Im BZ-Gespräch erklärt er, wie es ihm erging und welche Themen das Jahr bestimmten.

Seit einem Jahr ist Dr. Matthias Knecht Ludwigsburgs Oberbürgermeister. Er ist in die Fußstapfen von Werner Spec getreten und doch seinen eigenen Weg gegangen, der viel auf Miteinander setzt – sowohl innerhalb der Stadtverwaltung, als auch im Umgang mit den Bürgern. Neben den Themen Wohnen und Klima sind auch die Corona-Folgen Schwerpunkte seiner bisherigen Amtszeit.

Das erste Jahr im Amt ist vorüber. Wie haben Sie die vergangenen Monate erlebt?

Matthias Knecht: Das erste Amtsjahr hat mir sehr viel Freude bereitet. Für mich ist und bleibt das Amt des Oberbürgermeisters die Erfüllung eines Lebenstraums. Natürlich beeinträchtigt die Corona-Pandemie uns alle im Beruf- und Privatleben in einem nicht gekannten Ausmaß und stellt uns vor riesige Herausforderungen.

Sie sind angetreten, um den Bürgern zuzuhören. Was haben Sie in den Gesprächen erfahren?

Ich habe in den Begegnungen zu aller erst viel über die Menschen persönlich erfahren. Dabei sind die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger sehr unterschiedlich. Ich möchte das Vertrauen, das sie mir durch die OB-Wahl entgegengebracht haben, gerne zurückgegeben. Nicht jeden Wunsch können wir erfüllen, aber ernst nehmen müssen wir ihn.

Wie wirken sich die Rückmeldungen auf die Inhalte Ihrer Arbeit aus?

Die Rückmeldungen sind für mich sehr wichtig. Ein zentraler Punkt meines Wahlkampfes war die Bürgerbeteiligung bei Projekten. Das versuche ich, auch in den coronabedingt schwierigen Zeiten zu ermöglichen.

Was wünschen Sie sich von den Bürgern?

Dass sie auf mich und mein Team zukommen, wenn sie ein Anliegen haben und sich nicht scheuen, auch Kritisches zu äußern. Ein offenes Ohr für andere zu haben, ist für mich ganz wichtig. Schlecht ist es, wenn Kritik nicht offen geäußert wird und wir dann nicht reagieren, weil wir ein Problem nicht kennen.

Im Wahlkampf sind Sie dafür eingetreten, nicht zu viele Projekte auf einmal anzugehen. Sie haben rasch die Struktur im Rathaus verändert. Was hat das bewirkt?

Mit dem Referat für Steuerungsunterstützung und Grundsatzthemen haben wir eine Einheit geschaffen, die sich gebündelt mit grundsätzlichen Fragestellungen beschäftigt. Das ist wichtig, um das große Ganze im Blick zu behalten und Doppelstrukturen zu vermeiden. Dem folgen weitere strukturelle Veränderungen, die wir behutsam umsetzen.

Was waren die drei wichtigsten Projekte oder Themen des vergangenen Jahres?

Der Grundsatzbeschluss zum Thema Bauen und Wohnen, der Erwerb des Franck-Areals, das unglaubliche Chancen bietet, und natürlich die Corona-Pandemie.

Was haben Sie in diesen Themen erreicht, worauf sind Sie stolz?

Dass wir mit dem Gemeinderat zu guter Zusammenarbeit gekommen sind, dass wir die Fahrrad­straße Seestraße realisiert haben und dass ich mit unserer Wohnungsbau Ludwigsburg und unseren Stadtwerken innovative Lösungen für Wohnungsbau, Umwelt und Klima vorantreiben kann.

Fahrverbot, Rockfabrik und Weihnachtsmarkt im Schloss: Bei manchen Themen haben Sie eine Niederlage erlitten. Wie gehen Sie damit um?

Sportlich und wertschätzend. Für mich ist es selbstverständlich, dass in einem demokratischen Prozess auch andere Ansichten Mehrheiten gewinnen. Zur Rockfabrik: Da findet jetzt die Hochschule für öffentliche Verwaltung Platz, für mich nun auch eine gute Lösung.

Sie gelten als Verwaltungschef mit ausgleichendem Wesen. Bei welchen Konflikten haben Sie davon profitiert?

Bei der Kontroverse mit den Bauträgern. Für mich war und ist es wichtig – bei allen Meinungsverschiedenheiten – mit den Bauträgern in gutem Gespräch zu bleiben. Nur so kann man auch in Zukunft konstruktiv zusammenarbeiten. Das Thema Wohnen können wir nur im Miteinander lösen.

In Krisen hat man manchmal keine Zeit für langwierige Absprachen. Man muss schnelle und auch unpopuläre Entscheidungen fällen. Fällt Ihnen das schwer?

Nein. Vor allem wenn es – wie beispielsweise bei Corona – um die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger geht.

Corona hat das Leben verändert. Was haben Sie als größte Einschränkung im Arbeitsalltag erlebt?

Die ungezwungene, unmittelbare Begegnung mit den Menschen in Ludwigsburg fehlt mir sehr. Einfach aufeinander zugehen wie zum Beispiel bei meinem Marktgespräch, ist zurzeit nur bedingt möglich.

Wo haben sich durch die Pandemie vielleicht auch Chancen ergeben?

Corona treibt die Digitalisierung voran – das ist positiv. Und sie eröffnet in manchen Bereichen auch die Möglichkeit, Dinge mal ganz neu zu denken.

Wie wirkt sich Corona auf die finanzielle Lage in Ludwigsburg aus?

Dramatisch. Wir kämpfen mit einem Gewerbesteuerausfall in Höhe von rund 50 Prozent. Nächstes Jahr wird es noch schwieriger werden.

Bewegt sich im Rathaus alles im Krisenmodus oder gibt es Bereiche, in denen Sie frei gestalten können?

Natürlich liegt der Fokus hauptsächlich auf der Bekämpfung der Pandemie und ihrer Folgen. Trotzdem setzen wir auch andere thematische Schwerpunkte für die nächsten Jahre, in machbarem finanziellen Rahmen.

Was steht in den nächsten Monaten ganz oben auf Ihrer Agenda?

Wir müssen gemeinsam mit dem Gemeinderat den Haushalt 2021 aufstellen, der die Verschuldung in Grenzen hält und uns trotzdem noch Handlungs- und Gestaltungsspielraum für dringend notwendige Investitionen ermöglicht.

Vielen Dank für das Gespräch.

 
 
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