Die Bundesliga darf bald wieder kicken - drei Meinungen aus der Region „Brot und Spiele – das ist wie bei den alten Römern“

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„Brot und Spiele – das ist wie bei den alten Römern“ Foto: Bildmontage: BZ

Die Fortsetzung der Bundesliga-Saison trotz Corona bewegt Fans und Kritiker. Drei Stimmen aus der Region und von der Basis.

Vorfreude, Wohlwollen, Erleichterung, Skepsis, Kritik – die Entscheidung der Politik, den Spielbetrieb in der Ersten und Zweiten Fußball-Bundesliga ab Mitte Mai ohne Publikum wieder zu erlauben, wird heiß diskutiert. Die BZ-Sportredaktion hat an der Basis Meinungen eingeholt und mit drei Funktionären aus der Region gesprochen.

„Das ist wie Brot und Spiele und Opium fürs Volk. Schon die alten Römer wussten, wie man das Volk nach Pest und Cholera bei Laune hält und haben ihre Gladiatoren in die Arenen geschickt“, zieht Oliver Dense (49), Sportlicher Leiter beim Oberligisten FSV 08 Bissingen, einen plakativen Vergleich. So sei das jetzt auch mit der Bundesliga. „Es geht darum, das die Leute wieder etwas bekommen, das ihnen Freude macht.“

Rein moralisch sei die am Mittwoch verkündete Entscheidung nicht zu vertreten, wie Dense findet. Dabei denkt er an den Sonderstatus, den der Fußball einnimmt, den großen Aufwand für das Hygienekonzept mit den vielen Tests sowie die Fernsehgelder, die nun an die Klubs ausgeschüttet werden – und die wohl so manchen Verein vor dem Ruin retten werden. „Jetzt hat wohl auch der letzte gemerkt, dass der Profifußball eine eigene Welt darstellt“, sagt der 08-Funktionär.

Auch die praktische Umsetzung hält Dense für schwierig. Er sieht ein Dilemma zwischen den Erfordernissen des Sports und dem Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus: „Es ist doch eigentlich ein Witz, dass die Spieler einerseits in der Kabine Abstand halten sollen und dann andererseits auf dem Feld in die Zweikämpfe gehen müssen.“

„Zwiegespalten“ zeigt sich Hansjörg Arnold, der Vorsitzende des Bezirks Enz/Murr. Er habe Verständnis für die Nöte der Bundesliga-Vereine, so der 71-jährige Remsecker, denn: „Das sind alles nichts anderes als Wirtschaftsunternehmen, denen es jetzt in erster Linie um die Fernsehgelder geht – und die die bisherigen Vorauszahlungen eben schon verpfändet haben.“ Für die DFL (Deutsche Fußball-Liga) würden sowieso andere Gesetze gelten, merkt Arnold an und moniert eine Ungleichbehandlung gegenüber den unteren Klassen: „Im Amateurfußball darf man nicht spielen. Da werden wieder die Unterschiede deutlich. Gegenüber den Amateuren ist das nicht so prickelnd.“

Arnold sieht neben der Infektionsgefahr für die Kicker und dem Damoklesschwert Quarantäne ein weiteres Risiko – und zwar vor den Arenen, während die Partien ausgetragen werden. „Sind die Fans und die Zuschauer wirklich so vernünftig und treffen sich nicht vor dem Stadion?“, fragt der Bezirkschef und fürchtet ähnliche Polizeieinsätze wie am 11. März beim bisher einzigen Geisterspiel der Bundesliga-Geschichte zwischen Gladbach und Köln.

Fritz Metsch, Spielleiter beim A-Ligisten FV Ingersheim, fiebert dagegen dem Wiederauftakt entgegen. „Fußball ist unser Nationalsport, er ist gut für die Seele und verhindert einen Lagerkoller. Es war doch in den letzten Wochen für alle Fußballverrückten deprimierend, nur noch Filme und Shows anzuschauen“, sagt der 59-jährige VfB-Fan. Er finde es richtig, dass Entscheidungen über Meisterschaften, Auf- und Abstiege auf sportlichem Weg fallen und nicht am grünen Tisch getroffen werden.

Vom Hygienekonzept der Liga und den vielen Vorkehrungen ist Metsch ebenfalls überzeugt. „Die Bundesliga-Vereine haben die entsprechenden finanziellen Möglichkeiten und werden das alles gut im Griff haben“, stellt der Ingersheimer Funktionär fest. „Das ist ein ganz anderes Business. Solche Sicherheitsmaßnahmen könnten Vereine, die etwa in der Bezirksliga oder wie wir in der Kreisliga spielen, nicht mal ansatzweise gewährleisten.“

 
 
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