Die BZ befragt die Kandidaten des WK 14 zum Thema: Wie wollen Sie den Wohnungsmangel bekämpfen?

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Wohnraum wird dringend benötigt im Landkreis. Bauarbeiten auf einer Baustelle. Foto: Martin Kalb

Die BZ befragt die Landtagskandidaten aus dem Wahlkreis 14 zum Thema Wohnungsmangel.

Vor der Pandemie war die Situation auf dem Wohnungsmarkt im Kreis Ludwigsburg eines der drängensten Probleme der Kommunalpolitik. Unbestritten ist, dass es momentan zu wenige Wohnungen in der Region gibt und gleichzeitig die Mieten und Grundstückspreise steigen. Städte wie Bietigheim-Bissingen und Ludwigsburg landen seit Jahren bei den Listen der teuersten Städte für Wohnungsmieten deutschlandweit in der Spitzengruppe. Die große Frage ist, wie man dem Problem begegnen soll. Soll der Staat mehr selbst bauen? Soll versucht werden die Baunebenkosten für Private zu senken? Wie geht man am besten mit leerstehenden Wohnungen um? Reicht die Nachverdichtung aus oder muss es mehr Baugebiete auf der grünen Wiese geben? Einen Kardinalweg hat bislang kaum jemand präsentiert. Bleibt der Kreis aber auch nach der Pandemie und dem Strukturwandel in der Autoindustrie so beliebt als Wohnstandort, müssen Politiker Lösungen präsentieren.

Das haben die Kandidaten geantwortet:

Tayfun Tok (Die Grünen): "Jeder hat das Recht auf ein angemessenes und bezahlbares Zuhause. In den kommenden zehn Jahren möchte ich dem Mietwucher die Grundlage entziehen und den Anteil bezahlbarer Wohnungen am Markt erhöhen. Mit einer Gründungsoffensive für kommunale Wohnungsbaugesellschaften möchte ich Kommunen in unserem Landkreis stärken, Boden und Wohnraum selbst vor Ort zu erwerben und gestalten. Außerdem müssen wir innerstädtische Flächen nachverdichten und neue Baugebiete klimaneutral und sozial verträglich gestalten. Infrastruktur muss immer mitgedacht werden. Gemeinwohlorientierte Träger und Baugenossenschaften sollen in Zukunft eine wichtige Rolle spielen im Kampf für bezahlbaren Wohnraum."

Tobias Vogt (CDU): "Die Schaffung von ausreichendem bezahlbarem Wohnraum ist die soziale Frage der Gegenwart. Stärkere Allianzen für sozialen Wohnraum müssen gebildet werden. Zudem sollte die Grunderwerbssteuer abgesenkt und bürokratische Hürden abgebaut werden. Klar ist aber auch, dass wir neuen Wohnraum schaffen müssen. Nicht nur Bruddeln, sondern auch Buddeln. Zunächst mit Nachverdichtung auf unbebauten oder brachliegenden Flächen, im Zweifel aber auch mit ökologisch verträglichen, neuen Baugebieten. Das Baukindergeld soll weiter gelten, die Erwerbsnebenkosten von Wohneigentum müssen sinken und die Bedarfserhebung für Wohnbauflächen bei Bauleitplänen für fünf Jahre ausgesetzt werden."

Daniel Haas (SPD): "Mehr Wohnbau scheitert heute vor allem an fehlenden Grundstücken. Die Erfahrung vieler Städte und Gemeinden zeigt, dass ein Teil des Wohnungsmarktes der Spekulation entzogen sein muss, wenn Mieten sinken sollen. Durch die Gründung einer landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft soll bezahlbarer und barrierefreier Wohnraum für Familien und Senioren geschaffen werden. Weiter setze ich mich dafür ein, die Grundsteuer C auf baureife Grundstücke anzuwenden. Damit gibt man den Kommunen die Möglichkeit, Bauland zu mobilisieren, Baulücken zu schließen, Spekulationen entgegenzuwirken und eine gute Stadtentwicklung zu betreiben."

Nikolaos Boutakoglou (AfD): "Bekämpfen will ich den Wohnungsmangel, indem ich die Städte und Kommunen dazu bewegen will, den sozialen Wohnungsbau zu beschleunigen, in dem Bürgerinnen und Bürger wohnen dürfen, die unter einem gewissen finanziellen Existenzminimum leben. Ich bin für die steuerliche Begünstigung des frei finanzierten Wohnungsbaus. Die Eigenheimförderung sollte erhöht werden, damit sich die Bürgerinnen und Bürger so schneller ihren Wunsch nach einer Eigentumswohnung beziehungsweise einem Haus erfüllen können."

Elvira Nägele (FDP): "Es gibt viele Baugrundstücke mit relativ großen unbebauten Garten-/Freiflächen. Durch eine Nachverdichtung wäre die Schaffung von Wohnraum sehr rasch und schnell möglich. Die Baugenehmigungen und Bebauungspläne (die meist nicht mehr dem heutigen technischen Baustand entsprechen) müssten dringend entbürokratisiert werden, damit man zügig mit den Maßnahmen beginnen kann. Die Förderung des Ausbaus von leerstehenden Wohnungen ohne Berücksichtigung einer Mietpreisbremse würde sich sehr schnell positiv auf das Wohnungsangebot auswirken, da es für potentielle Wohnungseigentümer auch wieder interessant wird, neuen Wohnraum zu schaffen."

 
 
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