Die Chorvereinigung Bissingen verzeichnet ein Minus Ungewisse Zukunft

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Das Ensemble Vocalis ist Teil der Chorvereinigung Bissingen und gab 2019 im Bietigheimer Kleinkunstkeller das vorerst letzte Konzert unter dem Motto „City Lights“. ⇥ Foto: Martin Kalb

Keine Veranstaltungen, keine Vermietungen, wenn es so weitergeht, wird die Chorvereinigung Bissingen auch 2021 ein deutliches Minus in der Kasse verzeichnen – wie viele andere Vereine auch.

Wie viele Vereine im Land, so die Chorvereinigung Bissingen, sind auch sie momentan sehr belastet durch die Corona-Pandemie. Durch fehlende Präsenzproben schwinde das Gemeinschaftsgefühl, neue Mitglieder zu generieren, sei fast nicht möglich und hinzukomme der Wegfall jeglicher Einnahmen. Im Falle der Chorvereinigung sind es nicht nur die Veranstaltungen, die hier ins Gewicht fallen, sondern vor allem die Vermietung des Sängerhains, die ebenfalls nicht mehr möglich ist, erzählt Birke Thöner, Vorsitzende des Vereins. „Wir sind finanziell am Limit, da wir uns natürlich größtenteils durch die Vermietung unseres Sängerhains am Leben erhalten.“

Noch reiche das Geld aus, um das Jahr 2021 auch ohne Veranstaltungen und Vermietungen zu überleben, so Thöner, doch danach werde es schwierig. Sie wolle als Vorsitzende gemeinsam mit dem Vorstand und den Mitgliedern frühzeitig weitere Ideen entwickeln, um die Gemeinschaft zu stärken und so zu wirtschaften, dass der Verein Bestand habe. Die Hoffnung sei allerdings, dass das gar nicht mehr nötig sein werde und bald wieder Vermietungen, Präsenzproben und auch Veranstaltungen möglich sind.

Keinerlei Einnahmen

Bis dahin stehen die Ausgaben wie Versicherungen, Strom, Telefon, Dirigentengehalt den gänzlich ausgefallenen Einnahmen entgegen. Aktuell rechnet der Verein damit, 2021 ein Minus von circa 2500 Euro machen zu müssen. Bereits vergangenes Jahr verzeichnete die Chorvereinigung ein Minus in der Kasse. „Das kann sich ein Verein eigentlich nicht leisten, zumal ein Ende der Pandemie und der damit verbundenen Einschränkungen, explizit im Chorgesang, nicht abzusehen sind.“ Doch nur so komme auch wieder Geld in die Kassen. „Das Minus ist grob berechnet, ohne möglicherweise unverhofft kommende Reparaturen, Instandhaltungskosten unseres Sängerhaines“, beschreibt Birke Thöner den Super-GAU für den Verein. Würden dann noch viele Mitglieder austreten, könnte das der Verein, Stand heute, finanziell nicht mehr ausgleichen.

Überlegungen, den Sängerhain aufzugeben und sich woanders einzumieten, habe es gegeben, doch sie wurden schnell verworfen. Nicht zuletzt auch, weil die Räume in Bietigheim-Bissingen sehr gefragt sind. Zudem nehme man sich eine weitere Einnahmequelle weg, sobald Vermietungen wieder möglich sind. Ein weiterer großer Kostenpunkt ist das Gehalt des Chorleiters Ralf Schwarzien. Das jedoch wolle und könne der Verein nicht einsparen, so Thöner. Zwar sind Präsenzproben derzeit nicht erlaubt, online jedoch könne der Chor proben und diese Stunden bereitet Schwarzien vor. „Er singt beispielsweise Übstimmen ein, damit wir Sänger uns daran orientieren können.“ Für diese geleistete Arbeit wolle ihn der Verein entlohnen, erklärt Thöner. Zudem wolle man Ralf Schwarzien unterstützen, denn ihm gehe es wie dem Verein: Durch die Pandemie sind dem Künstler Einnahmen durch Veranstaltungen gänzlich weggebrochen.

Mit nur 90 Euro Jahresbeitrag für Mitglieder könnte doch auch mit einer Erhöhung das Loch in den Kassen gestopft werden? „Das, was wir an Minus haben, können wir nicht mit einer Erhöhung der Mitgliedsbeiträge ausgleichen“, stellt Thöner jedoch klar. Die Vorstandschaft befürchtet zudem, dass einige Mitglieder dann ihre Mitgliedschaft kündigen werden – vor allem in der jetzigen Zeit, in der der Verein nicht das übliche Programm anbieten könne. Frühere Erhöhungen haben das bereits gezeigt. „Die Mitgliedsbeiträge decken nur ein Bruchteil der Ausgaben ab“, auch das ein bekanntes Problem vieler Vereine. „Wir stehen sicherlich exemplarisch für jeden Gesangsverein“, so die Vorsitzende.

Einmalige Finanzspritze

Finanzspritzen gab es, beispielsweise einmalig vom Schwäbischen Chorverband. Dankbar für die so wertvolle Unterstützung, helfe diese jedoch nicht dauerhaft – auch das gehe nicht nur der Chorvereinigung Bissingen so, ist sich Birke Thöner sicher. Diese Planungsunsicherheit sei es, die die Stimmung drückt und weswegen die Zukunft nicht nur dieses Vereins ungewiss bleibt. „Im Mai wollten wir eigentlich einen Flohmarkt am Kronenzentrum machen.“ Dieser wurde nun in den Juli verschoben – ohne zu wissen, ob er da schon stattfinden kann. Auch ein Frühlingsputz im Sängerhain würde normalerweise jetzt anstehen. Schränke müssten gewischt werden, hier und da vielleicht streichen – Arbeiten, die die Mitglieder normalerweise selbst erledigen. Doch große Gruppen dürfen sich dazu nicht treffen. „Es gibt so viele Sachen, die wir eigentlich machen wollten. Aber wir können überhaupt nichts planen.“

Ein Lichtblick sei die Gemeinschaft, die es in der Chorvereinigung gebe. „Viele sind bei der Chorvereinigung, weil wir einfach eine nette Truppe sind“, sagt die Vorsitzende über ihren Verein. „Wir haben eine große Gemeinschaft.“ In diesen schwierigen Zeiten liege es an der Vorstandschaft, Ideen zu entwickeln, wie ein Vereinsleben weiterhin möglich sei. „Ganz schnell ist es passiert, dass die Leute sich für Montagabend etwas anderes vornehmen“, spricht Thöner die montäglichen Proben an, die fast seit einem Jahr nur online möglich sind. Auch hier gilt es, kreativ zu sein und sich technisch fortzubilden, weiß Birke Thöner. Per Zoom-Videochat treffe sich ein Teil des Chors zum Üben. Durch das Programm können sich die Sänger und Sängerinnen endlich wieder sehen, doch gemeinsam singen, ist hier nur schwer umsetzbar. Mal hallt es, mal ist ein anderer verzögert – die bekannten Probleme vieler Videochat-Geplagter.

Doch ganz aufs Singen muss der Verein nicht verzichten. Dafür verwendet die Chorvereinigung das Programm Jamulus – hier wiederum sieht man sich nicht. „Einige unserer Mitglieder sind hierfür technisch nicht ausgestattet oder kennen sich damit nicht aus“, sagt Thöner über manche Mitglieder, die seit Anfang der Pandemie nicht mehr proben konnten. „Ich habe keine Ahnung, wann Präsenzproben wieder möglich sein werden.“ Das könne wohl keiner sagen und so versucht die Chorvereinigung optimistisch zu bleiben. „Mir schwebt kein Klagelied vor“, sagt Birke Thöner, „unsere engagierten Vereinsmitglieder versuchen mit vielen Ideen, unseren immerhin über 175 Jahre alten Verein durch diese Krisenzeit zu bringen.“

Info Weitere Informationen zum Verein gibt es online.

www.chor-vocalis.de

 
 
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