Die Corona-Krise bremst auch den Radsport aus Vollbremsung trifft auch Krieger

Von
Renneinsätze kann Radprofi Alexander Krieger derzeit aufgrund der Corona-­Krise nicht absolvieren.⇥⇥ Foto: Stefan Rachow

Der Vaihinger Profi Alexander Krieger nutzt die Zwangspause durch die Corona-Krise zum Auskurieren kleiner gesundheitlicher Probleme. Internationale Rennen sind bis auf Weiteres abgesagt.

Eigentlich wäre ich in Katalonien“, berichtet der Vaihinger Radprofi Alexander Krieger. „Das ist ein Rennen der höchsten Kategorie, das bin ich noch nie in meinem Leben gefahren.“ Doch die Corona-Pandemie hat auch sämtliche Planungen im internationalen Radzirkus über den Haufen geworfen. Das Trainingslager des Teams Alpecin-Fenix wurde abgebrochen, Kriegers neuer Rennstall organisierte vorzeitige Rückflüge für alle Teilnehmer.

Nichts ist im internationalen Spitzensport gerade so, wie es in normalen Jahren ist. Die Ausbreitung des Coronavirus ging derart schnell um den Globus, dass die Weltverbände global die Reißleine gezogen haben – zumindest für einige Wochen. „Wir waren gerade im Trainingslager in Valencia, als es eskaliert ist“, sagt Alexander Krieger. „Deswegen sind wir auch gleich einen Tag früher heimgeflogen, damit wir von Barcelona aus auch alle noch heimkommen.“ Allerdings war die Gegend noch kein offizielles Risikogebiet, als der 28-Jährige mit seinem neuen Team dort im Training weilte. „Außer unserem Team war auch fast niemand im Hotel, und wir hatten da einen eigenen Raum und einen eigenen Koch.“ Seitdem ist der Profisportler zu Hause in Vaihingen.

Tour-Ausfall wäre schlimm

„Jeder versucht, seinen Fitnesslevel zu halten“, sagt Krieger. Allerdings nicht auf Spitzenniveau, sondern eine gewisse Basis. „Intensität und Umfänge schrauben wir runter“, sagt er. „Jetzt gibt es ein kleines Reset, und dann bauen wir wieder auf. Nur im Moment weiß ja niemand, bis zu welchem Rennen wir wieder fit sein müssen.“ Vorläufig liegt alles auf Eis, doch die späteren Rennen im Terminkalender sind noch nicht endgültig abgesagt. Tour de France, Giro d’Italia und Vuelta a España als größte Rennen sind nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich wichtige Ereignisse. Irgendjemand hat schon überlegt, ob im Krisenjahr 2020 vielleicht die drei Rennen in irgendeiner Weise zusammengelegt werden könnten, falls bis zum Sommer die größten medizinischen Probleme überstanden wären. „Das habe ich bisher nur als Gerücht gehört“, sagt Krieger zurückhaltend. „Ich kann es mir auch nicht vorstellen. Vielleicht gibt es dieses Mal verkürzte Rundfahrten, die nicht alle gleich drei Wochen lang sein müssen. Aber zusammenlegen wird nicht gehen, organisatorisch und von Interessenskonflikten her.“

Der 28-Jährige unterstreicht aber auch, dass gerade die Tour de France ein herber Verlust wäre, sollte sie wegen der Pandemie nicht stattfinden können. Dabei geht es ihm weniger um sich selbst als um den ganzen Radsport. „Die Tour de France hat sich unser Team fürs nächste Jahr als ambitioniertes Ziel vorgenommen“, verrät er. „Dieses Mal wären wir nicht dabei. Aber die Tour ist ganz wichtig für den Radsport und als Werbung. Sie ist die größte jährlich stattfindende Sportveranstaltung.“ Bis auf Weiteres ist Abwarten angesagt.

Dass auch der Radsport eine Vollbremsung hingelegt hat, ist für den Profi aus Vaihingen zwar nicht schön, aber der Moment hätte ungünstiger sein können. „Ich hatte im Trainingslager Sitzprobleme“, sagt Krieger. „Das ist natürlich auch etwas ärgerlich. Eine kleine Verhärtung hat dafür gesorgt, dass mir die Stelle ein bisschen weh getan hat. So etwas kann beim Radler Probleme machen.“ In der Zwangspause wurde bei dem Vaihinger deshalb gleich per Laser eingegriffen. „Mein Sattel hat mich gerade geärgert. Aber ich habe die Probleme in den Griff bekommen. Jetzt würde ich gerne einfach mal wieder ohne Sorgen Radfahren können.“

In der nächsten Zeit hält sich Krieger mit Touren rund um seine Heimatstadt fit, nach Möglichkeit nicht auf dem Heimtrainer. „Ich werde moderat trainieren“, sagt er, „hier in der Gegend. Zum Glück ist es ja noch erlaubt, rauszugehen.“ Doch damit dies auch weiterhin so bleibt, achtet er sehr darauf, allein unterwegs zu sein. „Ich fahre nicht in der Gruppe“, betont der 28-Jährige. „Und ich schaue darauf, das Risiko zu minimieren.“ Dabei gehe es ihm gar nicht nur um das Coronavirus, ergänzt er: „Ich würde jetzt nicht gerade mit dem Mountainbike Downhill-Training machen. Jeder muss schauen, dass die Ressourcen im Gesundheitssystem geschont werden. Das alles habe ich immer im Hinterkopf und finde es egoistisch, wie manche Leute sich verhalten. Ich bin sehr dafür, dass die vorgegebenen Maßnahmen eingehalten werden.“

Gedanken über Wiederauftakt

Ebenso ist ihm aber auch klar, dass es jetzt deutlich größere Probleme gibt als den ungewissen Beginn einer Radsaison. „Ich glaube, dass Sport und Kultur nicht als erstes wieder stattfinden“, sagt Krieger nachdenklich. „Dabei wäre eine Tour de France schon gut. Vielleicht nach hinten verschoben und vielleicht ohne Zuschauer. Vielleicht legen sich die größten Probleme ja auch in den nächsten ein, zwei Monaten.“ Doch vorläufig gilt auch für ihn das Motto, nach Möglichkeit sich und andere zu schützen, aber sich den Kopf nicht über das zu zerbrechen, was sich momentan ohnehin nicht ändern lässt. „Von der Form her lief es gut“, sagt Krieger. „Im Trainingslager hatte ich gute Tests. Ich war bereit. Und mein Sitzproblem hätte ich auch so gemeistert. Jetzt habe ich eben mehr Zeit dafür gehabt.“

 
 
- Anzeige -