Die Dynastie Smits Eine handballverrückte Familie

Von bzh
Während Kay Smits (linkes Foto links), der einzige Linkshänder in der Familie Smits, eher über seine Dynamik und Athletik kommt, ist sein älterer Bruder Jorn Smits (rechtes Foto links) mit seinen 1,93 Metern der geborene Rückraumschütze. Foto: dpa/Jan Woitas & Imago/Aflosport

SG-Spielmacherin Inger Smits blickt auf das WM-Duell zwischen den Niederlanden und Deutschland sowie die Stärken ihrer Brüder Kay und Jorn, die für „Oranje“ bei der Weltmeisterschaft auflaufen.

Diese Familie ist rekordverdächtig! Mutter Cecile und Vater Gino Smits trugen das Trikot der holländischen Handball-Nationalmannschaft, genau wie jetzt ihre drei Kinder Inger, Jorn und Kay. Inger spielt bei der SG BBM Bietigheim, ihre Brüder Jorn und Kay sind aktuell mit den Niederlanden bei der Weltmeisterschaft im Einsatz. An diesem Samstag (20.30 Uhr) spielt „Oranje“ in der WM-Hauptrunde in Kattowitz gegen Deutschland. Beide Teams wollen ins Viertelfinale einziehen.

SG-Spielmacherin Inger Smits drückt natürlich den Niederlanden beide Daumen. „Das ist die erste Teilnahme unseres Teams bei einer Männer-WM. Die Jungs sind total motiviert“, sagt die 28-Jährige. Bestes Beispiel ist ihr Bruder Kay Smits. Der Linkshänder stand nach der Vorrunde mit 24 Treffern auf Platz vier der WM-Torschützenliste.

„Alle anderen in unserer Familie sind Rechtshänder“, wundert sich Inger Smits. „Aber Kay macht alles – egal, ob Schreiben, Handball oder Fußball spielen – mit links.“ Dennoch sieht die 28-Jährige mehr Ähnlichkeiten zwischen sich und Kay (25) als mit dem älteren Bruder Jorn (30). „Der ist mit seinen 1,93 Metern eher der typische Rückraumwerfer, Kay und ich setzen mehr auf Eins-gegen-eins-Aktionen und Dynamik. Aber eigentlich sind wir drei alle sehr unterschiedlich.“

Inger Smits wurde 2019 mit den Niederlanden Weltmeisterin, spielt seit 2021 an der Enz. Jorn Smits verdient seine Brötchen beim dänischen Erstligisten Lemvig Thyborøn. Kay Smits steht beim SC Magdeburg unter Vertrag, wurde mit dem SCM 2021 und 2022 Klub-Weltmeister. Vater Gino Smits trainiert die weibliche U18 des Deutschen Handball-Bunds (DHB), Mutter Cecile Smits unterstützt ihre Kinder so oft es geht in der Halle. „Sie ist Lehrerin, und wenn sie freie Tage hat, kommt sie zu den Spielen. Sie war bei unserer EM in Montenegro und ist auch jetzt bei der WM in Polen dabei“, freut sich Inger Smits.

Aufschwung durch Akademie

Der früher oft belächelte holländische Handball hat einen enormen Aufschwung genommen. „Das liegt an der Akademie des Verbands“, erklärt Inger Smits. „Die Ausbildung beginnt dort mit 15 Jahren. In acht bis zehn Trainingseinheiten pro Woche bekommt man die richtige Mentalität vermittelt. Das macht den Schritt in die internationalen Profi-Ligen einfacher.“

Auch sie ging diesen Weg, kam über Oldenburg ins dänische Holstebro. „Jorn war schon als Jugendlicher dort. Wenn ich ihn besucht habe, war ich davon begeistert, welchen Stellenwert der Handball dort hat. Daher wollte ich natürlich auch in Dänemark spielen“, erinnert sich Inger Smits.

Dortmund und Bietigheim waren die nächsten Ziele der Mittespielerin, die familiäre Verbundenheit blieb. „An Weihnachten waren wir alle zusammen. Zuletzt traf ich meine Brüder eher zufällig. Auf dem Weg nach Kristiansand hatten wir in Amsterdam ungeplant einen längeren Aufenthalt. Plötzlich tauchten im Gate nebenan Jorn und Kay auf, die mit der Nationalmannschaft zur WM starteten und ich konnte ihnen viel Glück wünschen“, erzählt die 28-Jährige.

„Oranje“ in der Außenseiterrolle

Gegen Deutschland sieht die Bietigheimer Rückraumspielerin „Oranje“ in der Außenseiterrolle „Unsere Mannschaft ist spielerisch stark, aber die Deutschen sind körperlich überlegen. Vielleicht haben wir aber das Glück auf unserer Seite“, erklärt Inger Smits und fügt hinzu: „Als vor der WM einige Spieler vom Viertelfinale sprachen, hielt ich das für übertrieben. Aber es ist möglich.“

Kay Smits wechselt im Sommer von Magdeburg nach Flensburg. Die Bietigheimer Anhänger hoffen indes, dass Inger Smits ihren Kontrakt bei der SG BBM verlängert. „Da ist noch nichts entschieden“, sagt die niederländische Weltmeisterin, die sich auf die sportlichen Ziele konzentriert. „Wir wollen den deutschen Meistertitel verteidigen und in die Playoff-Runde der Champions League. Da haben wir schwere Spiele vor uns.“

Die Zeit nach der Karriere lässt die 28-Jährige weitgehend offen. „Sicher ist, dass ich später ein anderes Leben führen will und deshalb sicher nicht Trainerin werde“, erklärt die Rückraumspielerin. Dem Sport will sie allerdings verbunden bleiben. Inger Smits: „Letztes Jahr habe ich den Bachelor in Bewegungswissenschaften gemacht und könnte mir vorstellen, auf diesem Gebiet tätig zu sein.“  bzh

 
 
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