Die Hallenbäder in Bietigheim-Bissingen sind wieder geöffnet Schwimmvereine haben es schwer

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Seit dieser Woche können die Bietigheim-Bissinger Vereine wieder in den Hallenbädern trainieren.⇥ Foto: Helmut Pangerl

Von rund 20 Teilnehmern mussten die Schwimmkurse auf fünf verkleinert werden. Die Bietigheim-Bissinger Vereine können den Rückstand nicht mehr aufholen.

Wir denken, dass es zu zahlreichen Austritten kommen wird“, sagt Michael Bertet, erster Vorsitzender des Schwimmvereins Bietigheim (SVB). Der Verein habe die Befürchtung, da durch die lange Schließung ein Trainings-Rückstau entstanden sei. Den Kindern könne in anderen Sportarten ein wöchentliches Training angeboten werden, beim SVB mussten einige Gruppen ihr Training auf jede zweite Woche reduzieren. „Dies trifft uns sehr“, sagt Bertet und ist damit nicht allein. Obwohl das Bissinger Hallenbad nur für Vereine, Schulen und Aquasport Ulfers geöffnet ist und nicht für den normalen Publikumsverkehr könne der Rückstau durch die Pandemie nicht aufgeholt werden, sagen der SVB und die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Bietigheim-Bissingen.

Seit dieser Woche Training

Von März bis Mai stand der gesamte Trainingsbetrieb des SVB still. „Ab Mai, mit Öffnung des Freibads, konnten wir mit unserer Leistungsgruppe und den Wasserballern in kleineren Gruppen trainieren.“ Doch die gegebenen Zeiten ab 19 Uhr ließen kein Kinder- und Jugendtraining zu, so der Verein. Erst seit dieser Woche sei der Verein wieder im normalen Trainingsbetrieb.

Das gelte auch für die DLRG. Claudia Gautschi, DLRG-Pressesprecherin, erklärt, dass die Wasserzeiten der Vereine gleich geblieben seien, allerdings habe es bereits vor den Corona-Verordnungen Kapazitätsprobleme gegeben (die BZ berichtete). Diese haben sich durch die geltenden Bestimmungen weiter verschärft. „Weitere Wasserzeiten haben wir seitens der Stadtwerke Bietigheim-Bissingen nicht erhalten können, da die Belegung der Bäder nicht nur durch Schulen und Vereine geschieht, sondern auch noch durch das Unternehmen Aquasport“, sagt Gautschi. „Wir mussten teilweise ganze Schwimmkurse streichen oder zumindest bezüglich der Teilnehmerzahlen so kürzen, dass es Jahre brauchen wird, um den Ausbildungsrückstand hier jemals wieder aufzuholen.“

Gautschi ergänzt, dass zusätzliche Wasserzeiten eine große Hilfe darstellen würde. Die Stadtwerke Bietigheim-Bissingen erklären, dass deswegen im Bissinger Hallenbad keine öffentlichen Schwimmzeiten mehr angeboten werden. Das Bad ist für sieben Vereine, Aquasport Ulfers sowie die Schulen reserviert. Zudem stehe das Bad am Viadukt außerhalb der öffentlichen Zeitfenster zur Verfügung. Am Montag ist beispielsweise Schulschwimmtag.

Zwar sind die Trainingszeiten aller Vereine geblieben, allerdings die Gruppengrößen nicht. „Wir haben in Bissingen mit Rücksprache mit der DLRG mit verkleinerten Gruppen von fünf Teilnehmern begonnen“, sagt Michael Bertet. Der Schwimmverein hoffe aber auf gelockerte Vorgaben, damit sich die Gruppengröße bald wieder erhöhen könne. Im normalen Betrieb besteht eine Gruppe aus neun bis 14 Personen. „Ausgenommen bei Erwachsenen und teilweise bei den Leistungsgruppen, da hier Platz-bedingt weniger schwimmen müssen.“

Ähnlich sah es bei der DLRG aus. Vor der Pandemie bot der Verein beispielsweise Schwimmkurse für Kinder von null bis sechs Jahren an. Drei Gruppen mit jeweils mindestens zehn bis 15 Kinder plus deren Eltern seien voll belegt gewesen. „Es gab damals schon lange Wartelisten“, sagt Claudia Gautschi. Aktuell muss laut den DLRG-Hygienerichtlinien pro Kurs für jede Person eine Fläche von zehn Quadratmetern zur Verfügung stehen. Bei einer Fläche von rund 62 Quadratmetern entspricht dies der Fläche von zwei Bahnen, die zweieinhalb Meter breit und 25 Meter lang sind, dürfen somit pro Kurs nur noch maximal drei Kinder mit jeweils einem Elternteil teilnehmen.

Rund 600 Schüler

So sieht es auch bei den Nichtschwimmerkursen für Kinder und Erwachsene aus. In beiden Hallenbädern gab es in den Jahren zuvor rund 600 Schüler. „Jährlich absolvierten zirka 250 Kindern erfolgreich verschiedene Schwimmabzeichen.“ Die Kurse konnten zu drei verschiedenen Zeiten am Abend à zwölf Abende in drei Blöcken pro Jahr belegt werden. „Dies ist so bei Weitem nicht mehr umsetzbar“, sagt Gautschi.

Zusammenfassend sagt die DLRGlerin, dass die Planung nun einiges an Organisation erfordere, doch der Ablauf funktioniere im Großen und Ganzen bei allen Altersklassen recht gut. Zudem ist die Nutzung der Hallenbäder in Bietigheim-Bissingen für die Vereine nach wie vor kostenlos. „Unsere Angebote sind zum einen essenziell für unsere Bürger, aber auch für unsere Nachwuchsarbeit“, betont Claudia Gautschi die Wichtigkeit der angebotenen Kurse, „wir binden durch einen attraktiven Verein ehrenamtliche Helfer, ohne diese unsere Arbeit nicht möglich wäre.“ Zudem ergänzt sie, dass Ertrinken die zweithäufigste Todesursache bei Kindern zwischen fünf und 14 Jahren sei.

 
 
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