Die Nachfrage steigt E-Autos: Trotz der Förderung ist die Skepsis noch spürbar

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Mitarbeiter der Kreissparkasse Ludwigsburg laden ihre E-Fahrzeuge in der Tiefgarage der Bank. Solche Lademöglichkeiten sind immer noch selten – einer der Gründe, warum sich Kunden trotz erhöhter Förderung mit dem Kauf noch zurückhalten.⇥ Foto: Martin Kalb

Die Autohäuser berichten von einem steigenden Interesse, doch im Einzelfall kommt es auf das Angebot der Marke an.

Es ist eine Stange Geld, die Kunden erhalten, die in diesen Tagen ein Elektrofahrzeug kaufen: Bis zu 9000 Euro gibt es für den Kauf eines reinen Elektroautos, bis zu 6750 Euro für den Kauf eines Hybriden. Und mancher Autohersteller sattelt noch drauf. Das regt das Interesse an den Fahrzeugen deutlich an, wie Gespräche mit den Autohändlern in der Region zeigen. Doch es kommt auf den Einzelfall an, ob damit der Anteil der E-Autos langfristig deutlich steigen wird. Skepsis ist angebracht: Nicht jeder Hersteller hat ein passendes Angebot, mancher äußerte sich nicht gegenüber der BZ. Trotz der Förderung schauen die Kunden eher drei als zwei Mal hin, bevor sie ein E-Fahrzeug kaufen.

Eingeführtes Modell

Regelrecht glücklich mit der Förderung ist Markus Kohfink vom gleichnamigen Renault-Autohaus in Bietigheim-Bissingen. Kein Wunder: Mit dem Zoe hat der französische Hersteller seit Jahren ein preisgünstiges Auto im Kleinwagenformat im Programm, das am Markt eingeführt ist und bereits zwei Mal in seiner Leistungsfähigkeit aufgestockt wurde. Die Nachfrage sei „extrem spürbar“ angestiegen, sagt Kohfink. Schon seit 2017, als zum ersten Mal die Akkuleistung erhöht wurde und eine Reichweite von bis zu 300 Kilometern möglich wurde, führe das Modell kein Nischendasein mehr, mittlerweile seien sogar bis zu 400 Kilometer Reichweite möglich.  Innerhalb der vergangenen zwei Monate habe das Autohaus 24 Zoes verkauft, das sei „eine Menge Holz“ angesichts von 220 verkauften Neuwagen pro Jahr. Zehn bis zwölf Wochen muss man warten, dann steht der Zoe vor der Tür.

Für Mazda spielten E-Fahrzeuge bisher keine Rolle. Erst seit wenigen Tagen steht ein Exemplar des neu entwickelten MX 30 auf dem Hof, Hybridfahrzeuge biete der japanische Autobauer überhaupt keine an, sagt Markus Klein vom Bietigheimer Mazda-Autohaus. Der MX 30 sei ein ernst zu nehmendes Angebot, so Klein, die Nachfrage sei vorhanden, aber „die Verbrenner mit neuer Antriebstechnik laufen immer noch“. Subaru, ebenfalls vom Autohaus Klein vertrieben, habe lediglich ein Mild-Hybrid-Fahrzeug im Angebot, in dem ein kleiner Elektromotor den Verbrenner unterstützt.

Kona und Corsa

Variantenreicher ist das Angebot im Autohaus Weller. Hyundai hat den Klein-SUV Kona und die Limousine Ionic im Angebot, bei Opel kann der Corsa als vollwertiges E-Fahrzeug und der Grandland als Plug-in-Hybrid bestellt werden. Den Kona können Kunden quasi sofort mitnehmen, beim Corsa habe der Kunde Glück, „wenn er ihn dieses Jahr noch bekommt“, sagt Firmenchef Jürgen Weller. Weitere Modelle, etwa von Ford, werden folgen, kündigt er an. Im hochpreisigen Segment von Volvo geht vieles mit Plug-In-Fahrzeugen.

Das Interesse an den E-Fahrzeugen sei deutlich gestiegen, so Weller, hauptsächlich an den reinen Elektroautos. Doch unter dem Strich liegt das Volumen im Verkauf immer noch bei lediglich fünf bis zehn Prozent, „eher Richtung fünf Prozent“, sagt er. Gebrauchte E-Fahrzeuge sind gar nicht im Angebot. Insgesamt kämpft das Autohaus mit einem Umsatzrückgang, den Weller, auf das gesamte Jahr bezogen, mit 30 Prozent beziffert.

So gut sich so ein Elektroauto auch fährt, die Gründe, warum sich die Kunden zurückhalten, bleiben sich gleich, stellt Weller fest: Zu geringe Reichweite, Unsicherheit wegen der Lademöglichkeiten unterwegs und zu Hause und die zweifelhafte Ökobilanz wegen der Batterieherstellung.

 
 
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