Die SG BBM Bietigheim unterliegt dem TuS Ferndorf Romero-Team blamiert sich zu Hause

Von Von Sebastian Klaus
Die Spieler der SG BBM Bietigheim waren nach der sicher nicht eingeplanten Heimniederlage gegen den Tabellenletzten TuS Ferndorf bedient. ⇥ Foto: Marco Wolf

Der Coach des Zweitligisten SG BBM Bietigheim spricht nach der 32:34-Heimpleite gegen ein stark ersatzgeschwächtes Schlusslicht von entäuschendster Niederlage seiner Trainerkarriere.

Iker Romero rang nach der absolut überraschenden 32:34-Heimpleite seiner SG BBM Bietigheim gegen das stark ersatzgeschwächte Schlusslicht TuS Ferndorf nach Worten. Aus seinem Blick sprach am Freitagabend eher Verzweiflung und Hilflosigkeit als Wut: „Das ist die enttäuschendste Niederlage, die ich als Trainer je hatte“, sagte der SG-Trainer in die Kamera. „Wir haben in der Abwehr alle Zweikämpfe verloren. Die Einstellung war nicht da. Ich habe versucht, die Spieler und das System zu finden, die helfen, aber das habe ich nicht.“ Zuvor hatte der einstige spanische Weltstar ein Debakel seiner Mannschaft erlebt. Trotz einer insgesamt starken Angriffsleistung hatten sich die Hausherren am zwar wacker kämpfenden, spielerisch aber durchaus limitierten Abstiegskandidaten, der bereits in der letzten Spielzeit den Klassenverbleib in der Zweiten Liga erst kurz vor knapp sichern konnte, die Zähne ausgebissen. „Mit 32 geworfenen Toren müssen wir das Spiel gewinnen“, haderte Romero mit der Defensivleistung seiner Spieler.

Mit Krimis wie jenem in der Viadukthalle sollte sich Robert Andersson eigentlich auskennen. Schließlich kommt der schwedische Trainer des TuS Ferndorf aus Ystad – der Heimat des von Schriftsteller Henning Mankell erdachten legendären Kommissars Kurt Wallander. Und auch der packende Auswärtserfolg des Schlusslichts aus Nordrhein-Westfalen gegen die SG BBM Bietigheim gehört definitiv in die Kategorie Krimi.

Von Beginn an verlief die Partie spannend und eng. Die stark dezimierten Gäste, bei denen sich sogar Torwarttrainer Jannis Michel kurzerhand als Spieler auf den Meldebogen eintragen musste, spielten konzentriert und zielstrebig. Es dauerte gar 4:14 Minuten bis sich das Publikum wieder hinsetzen durfte, als Sven Weßeling den ersten Treffer zum 1:2 markierte. Denn laut Bietigheimer Tradition wird so lange gestanden, bis das erste Tor der eigenen Farben fällt. Während bei Bietigheim die beiden Außen Christian Schäfer und Alexander Pfeifer sowie Kreisläufer Jonathan Fischer in der ersten Hälfte kaum ins Spiel eingebunden wurden, spielte Dominik Claus im rechten Rückraum fast den Alleinunterhalter. Der 25-Jährige agierte mit viel Wucht und tankte sich das ein oder andere Mal durch die offensive Ferndorfer Defensive durch. Als sich Claus nach rund 20 Minuten ausgepowert hatte, war es auf seiner Position Tim Dahlhaus, der im Angriff Verantwortung übernahm.

Doch Dahlhaus und Claus alleine reichten nicht. Die Hausherren schafften es nie, in Führung zu gehen. Nicht nur, weil die Abwehr (inklusive der Torhüter) an diesem Abend überraschend anfällig war, sondern vor allem weil Bietigheim selbst in Überzahl häufig auf verlorenem Posten stand.

Nach einem knappen 12:13-Rückstand der SG BBM zur Halbzeit drehte Ferndorf nach dem Wechsel sogar noch weiter auf. Mit 18:15 führten die Gäste fünf Minuten nach Wiederanpfiff. Weitere fünf Zeigerumdrehungen später betrug der Vorsprung beim 18:22 sogar schon vier Tore. Eine faustdicke Überraschung bahnte sich langsam an. Doch die Sieben von Trainer Iker Romero wehrte sich und war acht Minuten vor dem Ende nach einem Treffer von Fischer beim 26:27 wieder auf Tuchfühlung. Und auch Claus mit einem Doppelpack stellte auf 28:29.

Vier Minuten vor dem Ende war es dann Schäfer, der die SG BBM aus sehr spitzen Winkel erneut auf ein Tor heranbrachte (29:30). Doch als Claus nach einem Foulspiel zwei Minuten vor dem Ende für den Rest der Spielzeit von der Platte musste, war beim Stand von 30:32 klar, dass der Tabellenletzte das Spielfeld als Sieger verlassen dürfte. Und so kam es. Ferndorf landete nicht nur seinen ersten Auswärtssieg in dieser Saison, sondern auch den ersten Erfolg über Bietigheim überhaupt.

„Ich habe nach den letzten zwei Siegen geglaubt, dass wir jetzt endlich die Mentalität haben, die wir brauchen. Aber das haben wir nicht“, so ein völlig enttäuschter Romero.

 
 
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