Dieter Schuster und sein FV Löchgau Die größte Leidenschaft ist der Fußball

Von Helena Hadzic
Dieter Schuster, dort, wo er sich wohlfühlt: auf dem Sportplatz seines FV Löchgau. Foto: /Martin Kalb

Fast 60 Jahre war Dieter Schuster beim FV Löchgau – als aktiver Spieler, als erster Vorsitzender und Präsident. Für seinen Verdienst wurde er mit der Landesehrennadel ausgezeichnet.

Dieter Schusters „Faszination für Fußball“ nimmt ihren Anfang im Kindheitsalter. Im Gespräch mit der BZ blickt er auf seine Vereinslaufbahn zurück. Als Junge sammelt er Bundesliga-Hefte und Porträts von verschiedenen Spielern. In seiner Freizeit trifft er sich beinahe täglich mit seinen Freunden im Hof zum Kicken und besucht mit seinem Bruder Herrmann Fußballspiele. Seine ersten Idole sind Franz Beckenbauer und Timo Konietzcka, die seine Leidenschaft für den beliebten Ball-Sport prägen und ihn dazu bewegen, im Alter von zehn Jahren in den FV Löchgau einzutreten – der Beginn eines jahrzehntelangen Engagements im Verein, sowohl als aktiver Spieler als auch später als erster Vorsitzender und Präsident.

Im Jahr 2021 wird ihm vom württembergischen Fußballverband die „Ehrennadel in Gold“ verliehen und darüber hinaus die „Ehrennadel“ des Landes Baden-Württemberg. Fragt man Dieter Schuster heute, ob sein Herz mehr für den Verein oder für den Fußballsport an sich schlägt, ist seine Antwort klar: „Meine größte Leidenschaft ist immer der Fußball gewesen, direkt danach kommt der Verein“, erzählt er im Gespräch, das passend dazu im Vereinsheim stattfindet.

Im Jahr 1962 darf er das erste Mal als Spieler aufs Fußballfeld. Schuster erinnert sich: „Mein Herz hat wie verrückt geklopft und die Freude war riesig.“ Von da an spielt er sich erfolgreich durch die Jugendmannschaften bis er schließlich mit 17 Jahren aktiver Spieler wird.

Kein Sonntag ohne Sportplatz

Über 600 Spiele absolviert er in diesem Zeitraum beim Verein. „Es gab keinen Sonntag ohne Sportplatz“, betont Schuster und lächelt dabei. Sein persönliches Highlight ist der Aufstieg in die Bezirksliga, als er mit seinen 18 Jahren der Jüngste in der ersten Mannschaft war – ein Foto des Teams hängt noch heute im Vereinsheim, worauf der junge Schuster zu erkennen ist. „Eine unglaublich intensive und schöne Zeit war das“, sagt er. Und trotz diverser Angebote höherklassiger Teams bleibt er dem FV Löchgau treu, auch wegen seiner Freundschaften zu den Vereinsmitgliedern. Den Abschluss seiner aktiven Laufbahn mit 34 Jahren krönt der Aufstieg in die Bezirksliga im Jahr 1986.

Fußballbegeisterte Töchter

Im gleichen Jahr kommt seine erste Tochter Stephanie zur Welt, weswegen er eine Pause einlegt und sich um seine Familie kümmert. Zwei Jahre später wird seine zweite Tochter Michaela geboren – beide Töchter sind fußballbegeistert, wie auch seine Frau Ingrid, die die dienstälteste Funktionärin im Verein ist. „Wir sind eine fußballverrückte Familie“, sagt er und vermutet, dass es dem Clan der Schusters vielleicht auch in den Genen liegt, auch wenn seine Eltern nicht gerade sportbegeistert waren.

In seiner Auszeit zieht es den heute 70-Jährigen daher wieder zurück in den Verein. Den Anstoß liefert FVL-Urgestein Reinhold Weible, der während der Pause weiterhin Kontakt zu seiner Familie pflegt. Er bewegt ihn im Jahr 1993 dazu, für den Vorstandsvorsitz zu kandidieren. Schuster macht bei der Generalversammlung das Rennen und wird als Nachfolger von Erwin Ruff, der nach 13 Jahren sein Amt niederlegt, zum ersten Vorsitzenden gewählt. Für Schuster ist das Vereinsleben nämlich ein Geben und Nehmen. „Nur dass man hier zuerst nimmt und dann gibt“, erklärt er und sagt weiter, „Ohne ein engagiertes Team funktioniert ein Vereinsleben nicht, und als Erster Vorsitzender konnte ich dem Team so etwas zurückgeben.“

Und genau das macht er auch in den folgenden 16 Jahren, in denen er als Erster Vorsitzender wichtige Entscheidungen und Initiativen auf den Weg bringt: Erweiterungen der Vereinsanlage, ein neuer Bodenbelag für den Fußballplatz, der Neubau des Wirtschaftsgebäudes sowie zahlreiche Veranstaltungen und Turniere begleitet er federführend und wirkt tatkräftig mit. Der Verein ist ihm dabei eine enorme Stütze: „Wir waren ein tolles Team, ohne das ich nichts geschafft hätte“, betont Schuster dabei. Sein Engagement im Verein bleibt von diesem Team allerdings nicht unbemerkt.

Erster Präsident des FVL

Im Jahr 2009 wird er nach einer Satzungsänderung zum ersten Präsidenten der Vereinsgeschichte gewählt. Fünf Jahre später tritt Michael Schlack als erster Vorsitzender zurück und Schuster übernimmt kommissarisch für ein Jahr. 2015 wird er erneut zum Ersten Vorsitzenden auserkoren und bleibt es auch bis zu seiner Amtsniederlegung im Jahr 2021. Diese Verantwortung hat er niemals auf die leichte Schulter genommen und ist dankbar, einen großartigen Verein wie den FVL im Rücken zu haben, denn „ein Vorstand ist nur so gut wie sein ganzes Team“.

Doch eines steht für ihn fest: Ohne die Unterstützung seiner Familie hätte er die Arbeit im Verein nicht so lange gemacht, seine Frau Ingrid habe ihm viel abgenommen im privaten Bereich, sodass er sich voll einbringen konnte. Diese Zeit hat einen großen Teil seines Lebens eingenommen - bereut hat er es niemals, denn er habe das alles auch für die künftigen Spielerinnen und Spieler getan, die kommen werden. Nun verbringt er seine freien Tage mit Radeln, der Arbeit an der Hütte auf seinem Grundstück und geht wöchentlich an einem festen Tag ins Wellness. Aber am meisten freut er sich über die Zeit mit seiner Familie und speziell mit seinen Enkelkindern, mit denen er immer wieder Fußballspiele anschaut. „Man merkt, dass meine Leidenschaft auch langsam auf meine Enkelkinder überschwappt – auch da wird schon gekickt“, freut sich Schuster.

Immer noch interessiert

Wenn man jedenfalls an den FV Löchgau denkt, fällt es schwer, nicht auch an Dieter Schuster zu denken. Beinahe 60 Jahre hat er insgesamt dem Verein gewidmet. Als Besucher ist er immer noch auf dem Sportgelände anzutreffen. Oder, um es mit Dieter Schusters Worten auszudrücken: „Ich bin schon noch dabei, nur eben ohne Verantwortung.“

Erfolgreiche Vereinsarbeit

Die positiven Veränderungen und Erfolge des Vereins in der Ära Schuster sprechen für sich: Die Zahl der Mannschaften ist von 14 Teams im Jahr 1993 auf 21 Mannschaften im Jahre 2021 angestiegen, die Anzahl der Mitglieder verdoppelte sich von 306 auf 720. Darauf ist Schuster sehr stolz: „Ich freue mich, dass meine Arbeit dem Verein zu Gute gekommen ist und ich etwas bewegen konnte“.

Das Vereinsleben habe sich gewandelt, die eigenen Interessen rücken immer mehr in den Vordergrund, spürt er. Genau deswegen ist er glücklich, treue Weggefährten wie den zweiten Vorsitzenden Werner Schlenker an seiner Seite gehabt zu haben, mit dem ihn auch eine tiefe Freundschaft seit frühester Jugend verbindet. Gemeinsam haben sie die großen Sanierungsmaßnahmen auf dem Vereinsgelände im Jahr 2015 gemeistert, die knapp 1,4 Millionen Euro gekostet haben. „Das war die größte Herausforderung in meiner Vereinslaufbahn“, erklärt er. Schlenker habe dabei eine wichtige Rolle gespielt und großartige Arbeit geleistet.

Auch Dietmar Buck, langjähriger Jugendleiter und Mitglied im Vorstand des FV Löchgau, war bis zu seinem Tod eine große Hilfe für Schuster.  

 
 
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