Digitale „Führung“ durch Schwarzbrennereien-Sammlung Geheimbrennereien ganz in Schwarz

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Ganz in geheimnisvollem Schwarz zeigt sich die Abteilung der Schwarzbrennereien im Museum im Steinhaus. Darüber hinaus gibt es nun eine digitale und mit Spots animierte  Führung durch diese Sammlung.⇥ Foto: Helmut Pangerl

Es war mit der erste Raum  dem das Schwäbische Schnapsmuseum 47 „kreative“ Geräte zum Schnapsbrennen ausstellt. Jetzt zeigt sich die Abteilung geheimnisvoll – und modern.

Es ist auch eine Auswirkung von Corona. Keine Besucher und damit viel Zeit ohne Führungen, das haben wir zu Veränderungen genützt“, erklärt Kurt Sartorius, ehrenamtlicher Museumschef des Schwäbischen Schnapsmuseums in Bönnigheim. 47 Anlagen, um „schwarz“ Schnaps zu brennen gehören zur Sammlung des Museums im Steinhaus, und zu den ersten Ausstellungsstücken des Bönnigheimer Publikumsmagneten.

Die „Schwarzbrennereien“ (siehe Infokasten), wie der Volksmund sie nennt, zeigen nicht nur den Ideenreichtum der illegalen Alkoholdestillation, sie sind auch ein kulturhistorisches Zeugnis, wie verbreitet im 20. Jahrhundert das Schwarz- und Geheimbrennen vor allem in der Not der Kriegs- und Nachkriegszeit war. Schnaps war ein ideales Schwarzmarktmittel, mit dem Waren eingetauscht werden konnten. Mit wachsendem Wohlstand wurde der Schnaps immer preiswerter. Zudem entspricht die Qualität aus solchen primitiven Anlagen nicht mehr den heutigen Anforderungen, so Sartorius, und merkt an: „Allerdings werden in jüngerer Zeit wieder verstärkt Geheimbrennanlagen beschlagnahmt. Das dürfte wohl seinen Grund in der Grenzöffnung zu Osteuropa haben. Dort war das Schnapsbrennen Gewohnheit. Damit scheint eine Art der Steuerhinterziehung wieder auferstanden zu sein, die in dieser Form und diesem Ausmaß lange Zeit fast ausgestorben war.“

Zwischen 6000 und 8000 Euro hat das von der Historischen Gesellschaft Bönnigheim betriebene Museum in die Sammlung der Geheimbrennereien in den letzten Wochen investiert. Der Ausstellungsraum in der ehemaligen Küche des Steinhauses wurde komplett schwarz gestrichen und verdunkelt. „Die Intention war es, die Objekte ,frei schwebend’ zu präsentieren“, sagt der Museumschef. Alle Exponate wurde exakt vermessen und danach die passenden Wandträger gebaut.

Eine in der Deckenmitte installierte Steuerung strahlt nun per Knopfdruck bei der digitalen „Führung“ jedes einzelne Brenngerät an und dem Besucher werden dazu erklärende Texte abgespielt. Für diese Technik der virtuellen Führung wurde das Esslinger Studio „Storz Medienfabrik“ beauftragt. Als Leiter der ehrenamtlich geführten Museen im Museumsverband Baden-Württemberg hat Sartorius diese Spezialfirma kennengelernt, die Museen in ganz Deutschland mit medienübergreifender Beratung, Konzeption, Kreation und Produktion unterstützt.

Das Schwäbische Schnapsmuseum in Bönnigheim besitzt mit 47 Geräten eine reichhaltige Sammlung von Geheimbrennereien, die größte in Deutschland. Diese sind durch Plomben gesichert und werden zollrechtlich überwacht. Die Geräte stellen einen Teil der Kulturgeschichte des Alkohols dar. Fantasievoll und skurril sind diese zusammengebaut. Man verwendete eben das Material, das vorhanden war. Da wird ein Dampfkochtopf oder Badeofen, Vulkanisiergerät oder Fünf-Liter-Boiler, Bettflasche oder Plastikkanister zur Brennblase umfunktioniert. Im Gespräch mit den Besuchern werden auch immer wieder Geschichten von Schwarzbrennereien erzählt, wie der Volksmund zu Geheimbrennereien sagt. Häufig steht dabei nicht die Steuerersparnis im Vordergrund, sondern der Reiz liegt im Verbotenen und Geheimnisvollen solcher alchemistischen Anlagen, so Sartorius.

In einer Fotogalerie werden darüber hinaus im Schwäbischen Schnapsmuseum Brennanlagen von Hobbybrennern aus der ganzen Welt gezeigt und den Besuchern erläutert.

 
 
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