Doppelt hält besser, so auch bei der Haltestelle Auwiesenbrücke Zweiter Umbau wirft Fragen auf

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Zweimal musste die Bushaltestelle an der B 27 im Bereich der Auwiesenbrücke umgebaut werden. Das sorgte für Stau und Diskussionen in Bietigheim-Bissingen.⇥ Foto: Martin Kalb

Alle Bushaltestellen in der Stadt müssen barrierefrei umgebaut werden. Doch die Bushaltestelle Auwiesenbrücke musste sogar zweimal umgebaut werden.

Wer die letzten Wochen, ja gar Monate mit dem Auto oder im Bus auf der B 27 in Bietigheim-Bissingen unterwegs war, dem wird aufgefallen sein, dass es sich mehr als sonst gestaut hat. Grund dafür war der barrierefreie Ausbau der Bushaltestellen bei der DLW und bei der Auwiesenbrücke. Vom 20. bis 28. April wurde der Bushaltepunkt Auwiesen West in Fahrtrichtung Ludwigsburg barrierefrei umgebaut, weswegen die rechte Fahrspur der B 27 auf Höhe der Bushaltestelle teilweise gesperrt werden musste. Vom 27. April bis 14. Mai wurde dann an der Haltestelle DLW West ebenfalls in Fahrtrichtung Ludwigsburg, gegenüber des McDonalds, gebaut. Auch hier wurde die Fahrbahn eingeengt. Fast einen Monat lang war dadurch mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen. Doch Anfang Juli wurde wieder an der Haltestelle Auwiesenbrücke West gebaut (die BZ berichtete). Grund genug für CDU-Stadtrat Jürgen Weller, in der vergangenen Sitzung des Technischen Ausschusses bei der Stadt nachzufragen, ob die erneute Baustelle habe sein müssen.

Barrierefreier Umbau

„Das ist eine Sache, die viele betrifft und den Verkehr in der Stadt zu mancher Zeit zum Erliegen gebracht hat“, sagte Weller und hakte nach, warum die Haltestelle zweimal umgebaut werden musste und wie sich das bei den Kosten bemerkbar mache. „Uns ärgert das Thema auch“, gab Claus-Dieter Jaisle, Leiter des Hoch- und Tiefbauamts, zu. Der erste Umbau sei genau nach den aktuellen Richtlinien geplant worden. Doch in der Praxis habe sich gezeigt, dass der Bus doch nicht nah genug an den Bordstein fahren kann. Das ist jedoch essenziell für die Barrierefreiheit. Nur so ist es gewährleistet, dass Eltern mit Kinderwagen sowie gehbehinderte Menschen mit Rollator oder Rollstuhl ohne große Lücke, in der ein Rad stecken bleiben kann, sowie ohne große Steigung in den Bus einsteigen können. „Der Bus muss dafür gerade an die Bushaltestelle anfahren können, um dicht an den Randstein heranzukommen“, erklärt Stadtsprecherin Anette Hochmuth. Doch dafür war die Busbucht zu kurz und musste nun im zweiten Abschnitt verlängert werden. „Da wich die Praxis von der Theorie ab“, sagte Jaisle.

Hans-Joachim Sämann wandte sich mit dem zweiten Umbau an die Stadt und an die BZ. Sämann ist vom Verein „Barrierefreie Stadt Bietigheim-Bissingen“, der sich stark für den Umbau der Bushaltestellen und damit für die gesetzliche Vorgabe einsetzt. „Unmittelbar nach dem damaligen Umbau dieser Haltestelle kritisierte ich in meiner Mail an das Hoch- und Tiefbauamt, dass verschiedene umgebaute Haltestellen keinen geradlinigen Bordsteinverlauf hätten, sondern dass die Krümmung des alten Bordsteines beibehalten wurde“, schreibt Sämann. Ausführlich wies er auf die „nicht optimale Situation an der Haltstelle Auwiesenbrücke West“ hin. Sogar Fotos und Skizzen fügte er bei, doch die Stadt soll ihm geantwortet haben, dass man den Idealfall aus baulichen Gegebenheiten und Vorschriften nicht immer realisieren könne. Nun wurde die Baustelle doch umgebaut. „Das finde ich ausgesprochen super. Es unterstreicht die sehr gute Zusammenarbeit des Vereins Barrierefreie Stadt Bietigheim-Bissingen mit der Stadt in Sachen Barrierefreiheit“, beschwichtigt Sämann.

Fehlerhafte EDV-Anlage

Die Stadt bestätigt, Sämanns Kritik erhalten zu haben, doch sei so oder so nach dem Umbau eine Testfahrt mit den Planern eingeplant gewesen. Zudem haben die Busfahrer selbst und das Busunternehmen Spillmann darauf hingewiesen, dass der Umbau nicht in vollem Maße geglückt war. Außerdem, so Jaisle, gab es noch einen weiteren Grund für den zweiten Umbau: Die EDV-Anlage war fehlerhaft. Verschiedene Module liefen nicht, und das hatte nicht nur Auswirkungen auf die umgebaute Bushaltestelle, sondern auch auf die Steuerung der Busbeschleunigung, des Parkleitsystems sowie der dynamischen Verkehrsführung, erklärt Claus-Dieter Jaisle. Die benötigten Bauteile werden seit rund 14 Jahren nicht mehr produziert. „Vergangenen Dienstag wurden sie umgetauscht, und seit Mittwoch ist die Haltestelle fertig.“

Doch der erste Umbau sei nicht umsonst gewesen. „Die bestehenden Arbeiten blieben erhalten“, so Jaisle. Lediglich die Busbucht musste verlängert werden. „Wie lässt sich das künftig vermeiden?“, fragte SPD-Stadtrat Werner Kiemle in der Sitzung des Technischen Ausschusses. „Wir hoffen, dass das die einzige Haltestelle bleibt“, sagte Bürgermeister Joachim Kölz, bei der die Planung nicht mit der Praxis übereinstimme. Bisher habe es dieses Problem aber nur an einer Haltestelle gegeben, doch das war ausgerechnet die an der Bundesstraße. Nach der Berechnung und Planung hätte es jedoch passen sollen.

 
 
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