Drei Kundinnen erzählen, warum die Bietigheimer Tafel so wichtig für sie ist 5000 Euro für den Tafelladen

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Von links: Manfred Gläser, Vorsitzender der BZ-Aktion Menschen in Not, überreicht Andrea Bitz und Johannes Schockenhoff von der Tafel Bietigheim-Bissingen einen Scheck über 5000 Euro. Das Geld geht in Form von Einkaufsgutscheinen an die Kunden.⇥ Foto: Helmut Pangerl

Die BZ-Aktion Menschen in Not spendet an den Tafelladen. Dieser verteilt nun Einkaufsgutscheine im Wert von 5000 Euro.

Mit dem nötigen Sicherheitsabstand stehen am Mittwochmittag mehr als zehn Kunden an, um ihren Einkauf beim Bietigheim-Bissinger Tafelladen in der Freiberger Straße 51 abzuholen. Viele von ihnen tragen eine Maske, doch ihre gute Laune ist ihnen dennoch anzusehen. Seit 6. April verteilt der Tafelladen Taschen mit Lebensmitteln an Tafelkunden. So auch am Mittwoch. „Die ersten Kunden stehen hier bereits um 8 Uhr, obwohl wir erst um 10.30 Uhr aufmachen“, sagt Johannes Schockenhoff. Hier und da ist auch ein „Schwätzchen“ drin, das sei es auch, was den Tafelladen ausmache, sagt der Vorsitzende der Bietigheim-Bissinger Tafel. Rund 190 Menschen mit Tafelladenausweis haben vergangene Woche bei der Tafel insgesamt 260 Tüten erhalten. Wie berichtet, werden den Kunden vorbereitete Tüten mit Tafelware kostenlos ausgehändigt, abhängig von der Familiengröße eine oder zwei Tüten. Die BZ sprach mit drei Kundinnen, was es ihnen bedeutet, dass der Tafelladen wieder geöffnet hat.

Das Gehalt reicht nicht aus

„Ich bin sehr glücklich über die Tafel. Ich kann kaum in anderen Läden einkaufen, weil es dort zu teuer ist“, sagt Ninawa U. Seit sechs Jahren ist sie Kundin des Tafelladens im Ortsteil Buch. Für ihre Kinder sei es toll, dass es beispielsweise an Ostern Schokolade gab. Sie wird von einem Mann unterbrochen, der sie auf Arabisch grüßt und sie fragt, wie es ihr und der Familie geht – man kennt sich unter einander. Ninawa U. ist vor 54 Jahren aus Syrien nach Deutschland gekommen, ihr Mann kommt ursprünglich aus der Türkei. Zwar arbeitet er, aber das Geld ist knapp, um Ausgaben wie Miete und Einkäufe zu bezahlen. So geht es auch Ideal C. Seit sechs Jahren lebt sie mit ihrem Mann und den beiden Kindern in Bietigheim-Bissingen. Drei Jahre davon bezieht die Familie Wohngeld, weil auch hier das Gehalt des Mannes nicht reicht. „Dinge, die ich mir im Tafelladen kaufen kann, würde ich mir im Supermarkt nicht leisten können“, sagt sie und ergänzt, „so kann ich auch mal Sachen ausprobieren, die ich sonst nicht ausprobieren kann.“

Das findet sie auch gut an den nun vorbereiteten Taschen. Statt wie sonst im Laden einzukaufen, müssen die Kunden draußen bleiben und erhalten eine Tüte mit Lebensmitteln und Artikeln wie Klopapier. Der Inhalt ist abhängig von den jeweiligen Spenden. „Wir versuchen, das gerecht zu gestalten, sodass jeder das Gleiche bekommt“, sagt Schockenhoff über die „Wundertüten“. Rund 20 Ehrenamtliche sind nun damit beschäftigt diese Einkaufstaschen zu packen und zu verteilen. „Sonst waren wir zehn Helfer im Laden.“ Probleme, Helfer zu finden, habe Schockenhoff und die Tafel nicht. „Wir haben so viele Anfragen, dass wir manchen absagen mussten“, sagt er während hinter ihm drei neue Ehrenamtliche die Taschen packen. Es sind eine Lehrerin und zwei Studenten, die nun ihre freie Zeit sinnvoll nutzen wollen. „Das ist einfach toll“, sagt Johannes Schockenhoff, „denn das Packen der Taschen bedeutet mehr Aufwand für uns.“ Die Ware wird vorab sortiert, haltbare Ware steht im eigentlichen Verkaufsraum und wird als Erstes in die Tüte gepackt. Dann wird in der Küche Gemüse und Obst sortiert und eventuelle welke Blätter und dergleichen aussortiert. Im eigentlichen Café werden die Lebensmittel dann wieder in Taschen gepackt. Die Helfer arbeiten im Schichtbetrieb um von 10.30 bis 16 Uhr jeden Montag, Mittwoch und Freitag genügend Taschen zu packen. „Auch der letzte Kunde um 16 Uhr bekommt bei uns noch eine Tasche“, sagt der Tafel-Vorsitzende.

„Es ist mehr Spendenbereitschaft da“, ergänzt er zudem, und zwar vor allem von Privatpersonen. Er hofft, dass das auch weiterhin so bleibt, denn die Menschen in Bietigheim-Bissingen und Umgebung brauchen ihre Tafelläden. „Es fehlte uns“, sagt Ideal C. über die Wochen, in denen der Laden geschlossen war. „Ich habe es deutlich am Geld gemerkt.“ Zwar vermisse sie es, die Ware nicht mehr auswählen zu können, aber lobt die gepackten Taschen und die Tafel-Mitarbeiter.

Für alles, was es im Tafelladen nicht gibt, gibt es zudem Einkaufsgutscheine beim Tafelladen. Entstanden war diese Aktion durch eine Spende des Kauflands Bietigheim-Bissingen. Insgesamt 250 Gutscheine á 20 Euro wurden an die Kunden verteilt. Nun unterstützt auch die BZ-Aktion Menschen in Not die Tafel mit einer Spende von 5000 Euro, die ebenfalls in Form von Einkaufsgutscheinen direkt an die Kunden gehen. „Die Kunden strahlen und die Gutscheine sind eine zusätzliche Hilfe“, so Schockenhoff .

„Windeln muss ich beispielsweise woanders kaufen“, erklärt eine 45-jährige alleinerziehende Mutter, die Teilzeit beschäftigt ist, „oder meine laktosefreien Lebensmittel gibt es hier auch nicht“, ergänzt die 45-Jährige, die laktoseintolerant ist. „Die Tafel ist ein Geschenk und ich fühle mich reicher, wenn ich hier einkaufen kann.“ Denn in normalen Geschäften muss sie immer rechnen, ob sie sich bestimmte Dinge leisten kann, im Tafelladen nicht und da darf auch ihr Sohn sich mal etwas aussuchen. Genau deswegen unterstützt die BZ-Aktion den Tafelladen: „Wir müssen jetzt denen helfen, für die die augenblickliche Situation besonders schwierig ist“, sagt Manfred Gläser, Vorsitzender der BZ-Aktion.

Mit den Gutscheinen können die Kunden selbst entscheiden, was sie sich kaufen und erhalten ein Stück weit ihre Würde zurück, sagt der Tafel-Vorsitzende. Denn mit den fertigen Tüten entscheide er und sein Team, was die „Armen essen dürfen“, formuliert er es überspitzt. Schockenhoff möchte den Tafelladen auch deswegen bald wieder normal öffnen. Das sei zunächst für den 4. Mai geplant, allerdings dürfen dann nur fünf Kunden auf einmal den Laden betreten und müssen zügig einkaufen, erklärt er.

 
 
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