E-Sports: Bernd Leno daddelt „Fifa 20“ Fast wie ein echtes Spiel

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Volle Konzentration: Sonnenhof-Kicker Panagiotis Vlachodimos (links im Bild eingeklinkt) und der aus Bietigheim-Bissingen stammende Bernd Leno (rechts) vom FC Arsenal London treten bei der Fußball-Simulation „Fifa 20“ gegeneinander an. ⇥ Foto: Screenshot

Beim virtuellen Drei-Ligen-Cup der SG Sonnenhof Großaspach messen sich Bernd Leno und Co. an der Videokonsole bei der Fußball-Simulation „Fifa 20“ – und plaudern dabei aus dem Nähkästchen.

Wenn der SV Wehen Wiesbaden den FC Arsenal London schlägt, kann es nicht mit rechten Dingen zugehen. Dennoch hat der Fußball-Zweitligist aus Hessen den Drei-Ligen-Cup der SG Sonnenhof Großaspach gewonnen und den Gastgeber sowie den Topklub aus der Premier League auf die Plätze zwei und drei verwiesen – allerdings nur virtuell. Denn die dritte Ausgabe des Turniers fand infolge der Corona-Krise an der Spielkonsole Playstation statt.

E-Sport-Experte kommentiert

An drei Spieltagen daddelten drei Profis, jeweils von zu Hause aus, bei der Fußball-Simulation „Fifa 20“ um den Turniersieg: der Wiesbadener Innenverteidiger Sascha Mockenhaupt, SG-Mittelfeldspieler Panagiotis Vlachodimos und der aus Bietigheim-Bissingen stammende und in London lebende Arsenal-Keeper Bernd Leno. Alle Begegnungen wurden als Livestream im Internet übertragen und vom E-Sport-Experten Tyler Gough kommentiert, sodass man als Zuschauer fast den Eindruck hatte, ein echtes Spiel zu erleben. „So wollen wir in dieser schwierigen Zeit etwas Spaß in die Kinder- und Wohnzimmer bringen – und gerade Jugendlichen zeigen, dass man auch daheim Spaß haben und sich so gleichzeitig mit der Gesellschaft solidarisch zeigen kann“, beschrieb das Großaspacher Vorstandsmitglied Philipp Mergenthaler vor dem ersten Anstoß im Videochat die Idee, die hinter dem virtuellen Drei-Ligen-Cup steckt.

Mehrere 100 Fans klinkten sich zu den Übertragungen ein, darunter auch Anhänger des FC Arsenal, die die Kommentarfunktion prompt zu verbalen Einwürfen nutzten. „Wir tun uns gerade schwer, im wahren Leben zu gewinnen. Darum gewinne bitte zumindest auf Fifa“, gab „Mohammed10gr“ Leno vor dessen Auftaktduell gegen Mockenhaupts SVWW mit auf den Weg. „Unsere Abwehr im Spiel ist besser als in Wirklichkeit“, stellte derweil „ChrisGettingFit“ kritisch fest. Bis zur Unterbrechung der Premier League hatten die „Gunners“ aus London in der Tat keine Bäume ausgerissen: Mit nur neun Siegen aus 28 Spielen belegt der 13-fache englische Meister aktuell nur Rang neun. Von den Fähigkeiten der digitalen Arsenal-Doubles und damit seinen eigenen Konsolen-Künsten war auch Leno angetan. „Mein Pressing ist der Wahnsinn“, lobte sich der deutsche Nationaltorwart selbst.

Da Moderator Gough die Kommentare der User laut vorlas und die jeweiligen Zocker an der Konsole mit deren Fragen konfrontierte, wurde der virtuelle Wettbewerb um eine interaktive Plauderstunde bereichert. So erfuhren die Zuschauer, dass sich Leno erst kürzlich einen Basketball-Korb zugelegt und in den heimischen Garten gestellt hat, um sich während der Corona-Pause sportlich zu betätigen, oder dass er gern mal im Stadion an der Alten Försterei von Union Berlin spielen würde. Auch für seinen Ex-Verein VfB Stuttgart brach der frühere Jugendkicker des SV Germania Bietigheim eine Lanze. Der gehöre genauso in die Erste Liga wie der Hamburger SV, stellte Leno auf entsprechende Nachfragen fest – was gleich einen eingeloggten Hannover-96-Sympathisanten auf den Plan rief: „Und was ist mit Hannover?“

Seit Jahren greift Leno in seiner Freizeit regelmäßig zur Konsole. Im September 2019 hat der gebürtige Bietigheimer ein eigenes E-Sport-Team gegründet, das seinen Namen trägt (siehe Infokasten). Sogar mit Torwart-Handschuhen habe er aus Jux schon mal „Fifa“ gespielt – und erst in der letzten Minute verloren, verriet Leno am Rande des Drei-Ligen-Cups. „Danach hatte ich aber einen Krampf im Daumen, das war nicht mehr normal.“

Gegen Mockenhaupt, der unter dem Namen „M_Ocki“ auch in der virtuellen Bundesliga der DFL („Bundesliga Home Challenge“) für den SV Wehen Wiesbaden antritt, reichte Lenos Können am Controller dann aber doch nicht: Drei der vier Partien verlor der gebürtige Bietigheimer gegen den späteren Turniersieger. „Wir laden dich nicht noch mal ein – du bist zu gut“, stellte Leno zum Abschied mit einem breiten Grinsen fest. Keine Frage: Eine Niederlage auf dem virtuellen Rasen ist leichter zu verdauen als eine im wahren Fußballer-Leben.

 
 
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