Edeka-Markt wird abgerissen Lücke in der Ingersheimer Nahversorgung entsteht

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Edeka wollte in Ingersheim zu Weihnachten 2023 wieder neu eröffnen, der Termin lässt sich angesichts der Verschiebung wohl nicht halten. Foto: / Oliver Bürkle

Der Edeka-Markt in der Talstraße schließt am 28. Januar und wirbt mit dem Einkauf in der Nachbargemeinde Pleidelsheim ab Mitte März.

Kurz vor dem Jahreswechsel wurden die Kunden des rund 800 Quadratmeter großen Edeka-Marktes in der Ingersheimer Talstraße über die Schließung am 28. Januar mit einem Plakat informiert. „Herzlichen Dank für Ihre langjährige Treue“, war zu lesen. Damit werden langjährige Spekulationen beendet. Schon zu Zeiten von Bürgermeister Volker Godel wurde immer wieder verkündet, Edeka baue um. Im Februar 2022 kam dann Bewegung in die Sache. Geschäftsführer Thomas Auracher und Roger Otto, der seitens Edeka das Projekt schon seit Jahren begleitet, erläuterten die Pläne für den künftig auf 1200 Quadratmeter erweiterten Neu- und Umbau in der Talstraße, Kostenpunkt 4,7 Millionen Euro.

Geplante Bauzeit: ein Jahr

Einziger Knackpunkt war ein Grundstückstausch mit der gegenüberliegenden Firma PPG, der schließlich, auch unter Mitwirkung von Bürgermeisterin Simone Lehnert, Mitte 2022 zustande kam.

Der Start der Arbeiten in der Talstraße waren zunächst auf Ende des letzten Jahres terminiert, diese wurden wegen der Witterung jedoch verschoben. Dies soll nun ab März erfolgen, mit einer Bauzeit wird von rund einem Jahr gerechnet. Edeka wollte in Ingersheim bereits zu Weihnachten 2023 wieder neu eröffnen, der Termin lässt sich angesichts der Verschiebung wohl nicht halten.

Mit der Schließung in der Talstraße gibt es ab Februar eine Lücke in der Nahversorgung im Ort. Wem die Bäckerei Heinerich, die Metzgereien Rose und Fritz, Feinkost Fritz und der Tante-M-Laden in Kleiningersheim nicht ausreichen, wird längere Wege für den Einkauf zurücklegen müssen.

Neuer Markt im Nachbarort

Auf dem Ankündigungsplakat zur Schließung in Ingersheim weist Edeka deshalb auf eine Eröffnung eines neuen Edeka-Marktes in Pleidelsheim „voraussichtlich Mitte März 2023“ hin, auf die man sich in Ingersheim freuen dürfe. Der Grund: Edeka zieht zu diesem Zeitpunkt in die ehemalige Netto-Filiale neben dem Pleidelsheimer Rathaus ein, gerne würde man dort auch Kunden aus Ingersheim begrüßen.

Dabei setzt das Einzelhandelsunternehmen Edeka in Pleidelsheim zu einem noch größeren Sprung an. An der Marbacher Straße sind sieben Giebelhäuser sowie ein flaches Gebäude für Edeka mit einer Verkaufsfläche von 1600 Quadratmetern geplant, ein Vollsortimenter, der, wie in Ingersheim, ebenfalls von Thomas Auracher betrieben werden soll. 39 Wohnungen mit insgesamt 3280 Quadratmetern Wohnfläche befinden sich größtenteils in den Geschossen oberhalb des Lebensmittelmarktes.

Neben den Wohneinheiten ist im Obergeschoss auch eine gewerbliche Nutzung vorgesehen. Die erforderlichen Stellplätze für den Lebensmittelmarkt und die Wohnbebauung sollen größtenteils in einer Tiefgarage realisiert werden, dort sind insgesamt 122 Stellplätze vorgesehen, so die GMA. Im Erdgeschoss befinden sich auf einem Parkdeck zudem nochmals 18 überdachte Stellplätze für den Lebensmittelmarkt, der von 7 bis 21.45 Uhr geöffnet sein wird.

Die Einkaufswagen befinden sich laut Planung in der Tiefgarage sowie im Eingangsbereich innerhalb des Marktes. Neben dem Eingang wird noch ein Backshop entstehen, der im Außenbereich rund 20 Sitzplätze vorsieht.

Kosten und Beschäftigte

Das Projekt soll 35 Millionen Euro kosten, insgesamt soll es 30 Beschäftigte geben. Projektentwickler Erwin Paulus, bis 1998 Bürgermeister von Pleidelsheim, rechnet mit einer Bauzeit von rund zwei Jahren, Baustart ist in diesem Frühjahr.

Welche Auswirkungen der neue Edeka-Markt in Pleidelsheim hat, geht aus einer Analyse der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung mbH (GMA) hervor. In der direkten Nachbargemeinde Ingersheim würden sich Umsatzrückgänge künftig überwiegend auf Edeka Auracher beziehen, da dieser Markt mit zwei Kilometern Entfernung dem Pleidelsheim nächstgelegener Lebensmittelvollsortimenter sei. Allerdings handle es sich um eine „Schwesterfiliale“ des in Pleidelsheim vorgesehenen Betreibers.

In Ingersheim werde der strukturprägende Betrieb modernisiert und erweitert, damit sei auch die Nahversorgung in Ingersheim gesichert. Bei den übrigen kleineren Anbietern in Ingersheim seien nur noch „minimale Auswirkungen“ zu erwarten. Die GMA beziffert den Rückgang bei Nahrungs- und Genussmitteln auf zwei bis drei Prozent.

Analyse: Mehr Kaufkraft erwartet

Die Ansiedlung
des Vollsortimenters wird in Pleidelsheim laut GMA zu einer verstärkten Bindung von Kaufkraft führen, die bisher zu auswärtigen Standorten nach Steinheim, Freiberg, Murr, Ingersheim und Bietigheim-Bissingen abfließt. Etwa 3,9 Millionen Euro der örtlichen Kaufkraft könnten durch das Vorhaben zusätzlich gebunden werden, so die Analyse. Dies führe dann entsprechend zu Umsatzrückgängen bei den betroffenen Anbietern im Umland. 

 
 
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