Ehemaliger Verwaltungssitz in Kleinsachsenheim Metall gegen den Verfall

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Das Rathaus Kleinsachsenheim ist neuerdings mit Stahlbändern eingekleidet.⇥ Foto: Helmut Pangerl

Der ehemalige Verwaltungssitz in Kleinsachsenheim wurde von der Stadt ohne Vorankündigung gesichert. Wie geht es weiter mit dem Gebäude?

Das Rathaus in Kleinsachsenheim ist seit seiner Schließung im Zuge der Haushaltssanierung 2004 ein Politikum. Kleinsachsenheimer Stadträte drängen auf eine Nutzung und Sanierung, sowie auf eine Anlaufstelle für Bürger im Ort. Passiert ist bisher nichts. Jetzt hat die Stadt die Fassade des Fachwerks im oberen Bereich mit Metallbändern versehen. Eine öffentliche Information vorab gab es nicht. Im Hintergrund laufen derweil wieder Gespräche zur künftigen Nutzung.

Laut Stadt „bestand die Gefahr, dass die Gefache herausfallen.“ Deshalb habe ein Zimmermann „nach Bekanntwerden postwendend“ sogenannte „Windrispenbänder“ angebracht. Zu den Kosten konnte Sprecher Matthias Friedrich noch keine Auskunft geben. „Das Gebäude ist nach aktuellem Stand dadurch statisch sicher“, so Friedrich. Einige Gefache wurden bereits vor einigen Jahren mit Metallbändern stabilisiert. Die Bänder stellen laut Stadt ein Provisorium dar, bis zu einer Sanierung.

Die Frage ist nur, wann – beziehungsweise ob überhaupt – eine solche kommt. Vonseiten der Stadt heißt es auf Nachfrage: Derzeit würden Ideen für eine künftige Nutzung untersucht. Dabei sei auch eine teilweise oder vollständig private Nutzung nicht ausgeschlossen. Anläufe hatte es auch schon in der Vergangenheit gegeben, geklappt hat bisher nichts. Bisher sind die Diskussionen noch nicht öffentlich. Friedrich betont: „Ein Grundsatzbeschluss und zugehörige Umsetzungsbeschlüsse liegen derzeit noch nicht vor. Einen Zeithorizont für eine mögliche Umsetzung können wir daher aktuell nicht nennen.“ Klar sei, dass für eine Umsetzung ein Nutzungskonzept und eine beachtliche Menge Geld nötig wären. Bisher hat die Stadt diesen Schritt immer gescheut. Eine mögliche Lösung wäre daher eine Vermietung oder Verpachtung.

„Ein Schildbürgerstreich“

Für die langjährigen Bemühungen der Kleinsachsenheimer sei die jüngste Verband-Aktion der Stadt – ohne darüber zu informieren – ein Schlag ins Gesicht, sagen zwei Stadträte aus Kleinsachsenheim auf BZ-Nachfrage. Thomas Wörner (GLS) nennt die Aktion einen „Schildbürgerstreich“, und „blamabel“. Ähnlich deutliche Worte findet Siegfried Jauß (FW), der bereits bei der Stilllegung 2005 im Gemeinderat saß: „Als ich das gesehen habe, habe ich eine Nacht nicht geschlafen. Das ist provokant gemacht.“ Er befürchet: „Die Stadt will einen bestimmten Zustand herstellen, um bei den Bürgern ein bestimmtes Bild zu vermitteln.“ Die Stadt habe zwar immer betont, dass das Gebäude renovierungsbedürftig ist. „Aber jetzt stellt sie in den Raum, dass es gefährlich ist.“

Für beide stellt dieser Akt auch einen weiteren Schritt in Richtung Verrotten und Vergessen lassen dar. Den letzten großen Vorstoß zur Sanierung hatten die Kleinsachsenheimer unternommen, als es in Großsachsenheim mit der Erneuerung von Wasserschloss und Gemeinschaftsschule losging. „Die Idee war, einen Vertrag aufzusetzen, dass wenn die beiden Großprojekte fertig sind, man das Kleinsachsenheimer Rathaus als nächstes angeht“, erinnert Wörner. Leider sei das nie fixiert worden, weshalb nun drohe, wieder in Vergessenheit zu geraten.

Kompromiss mit Kelter

Die Zustimmung zur Schließung der Verwaltungsstelle haben die Kleinsachsenheimer Gemeinderäte 2005 übrigens nur akzeptiert, weil ihnen Folgendes zugesagt wurde: Bei jeder Veränderung müssen die Stadträte aus Kleinsachsenheim zustimmen. Das Gebäude bleibt städtisches Eigentum. Wenn die Räte den Bedarf sehen, ist innerhalb eines Jahres wieder eine Verwaltungsstelle einzurichten. Und: Bei privater Nutzung sollte ein Raum für Bürger und Vereine vorbehalten bleiben.

Da dies aber aufgrund der Architektur schwer möglich ist, hatten die Kleinsachsenheimer Räte 2015 einen Kompromiss vorgeschlagen: Der Raum könnte auch in der Kelter eingerichtet werden. Dieser Vorschlag war auch mit der Hoffnung verbunden, dass es endlich vorwärts geht. Aufgegangen ist dieser Plan bisher nicht. Aber vielleicht führen ja die aktuellen Gespräche endlich zu einem Ergebnis.

Hintergrund: Mehrere Anläufe für mögliche Nutzung

Vor Jahren gab es eine Anfrage eines privaten Investors, der überlegte, das Gebäude gastronomisch zu nutzen. Eine Nutzung als Café war zeitweise auch im Gespräch. Nach Auskunft der Stadt scheiterten solche Anfragen an dem Umstand, dass das Gebäude für so eine Nutzung nicht geeignet sei und die Kosten zu hoch seien.  Vor rund drei Jahren gab es einen Vorstoß der Sachsenheimer Urzeln, die auf der Suche nach dringend benötigten Räumlichkeiten auf das Kleinsachsenheimer Rathaus gestoßen waren. Die Urzeln wollten das Gebäude sozusagen wieder mit Leben füllen. Das Gebäude wäre im Besitz der Stadt geblieben. Die Urzeln legten großen Wert darauf, dass das Gebäude unter dem vorgelegten Nutzungskonzept jederzeit der Öffentlichkeit zugänglich gewesen wäre. Das Konzept stieß jedoch bei der Stadt auf wenig Gegenliebe, mangels Geld sei an die vorgesehene Umsetzung nicht zu denken, hieß es damals.⇥mh

 
 
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