Eichenpflege in Sachsenheim Weichen für den Wald gestellt

Von Martin Hein
Der angehende Forstwirt Alexander Eisele sägt im Kleinsachsenheimer Gewann „Großholz“ eine etwa 25 Jahre alte Hainbuche um. ⇥ Foto: mh

Bei der Jungbestandspflege wird festgelegt, welche Bäume in 120 oder 160 Jahren geerntet werden können. Sachsenheim und Bönnigheim haben landesweit den höchsten Eichenbestand.

Mit leichtem Surren brummt die Motorsäge. Der angehende Forstwirt Alexander Eisele sägt im Kleinsachsenheimer Wald, im Gewann „Großholz“, eine etwa 25 Jahre alte Hainbuche um.

Die sogenannte Jungbestandspflege ist in diesem Waldstück angesagt. Nach Auskunft von Forstwirtschaftsmeister Peter Wolß sollen bei dieser Aktion zukunftsfähige wertige Bäume, im Sachsenheimer Wald sind das überwiegend Eichen, gezielt gefördert werden. Die Jungbäume im Gewann Großholz wurden übrigens nicht gezielt gepflanzt, sondern sind von selbst aufgegangen und gewachsen. Die Fachleute sprechen bei diesem Vorgang von der so genannten Naturverjüngung, die als besonders wirtschaftlich und ökologisch angesehen wird.

Eichen brauchen Licht

Eichen gehören zu den sogenannten Lichtbaumarten, die  viel Licht und Platz brauchen, um wachsen zu können. Im Gewann Großholz stehen die Jungeichen in Konkurrenz mit zahlreichen Hainbuchen. Bei dieser Pflegeaktion achten Peter Wolß und Alexander Eisele darauf, dass nur die Hainbuchen entfernt werden, die beispielsweise im Kronenbereich Jungeichen bedrängen und so deren empfindliches Wachstum beeinträchtigen. Warum die Eichen bevorzugt werden? Ganz einfach, Eichen sind nach Aussage von Revierförster Burkhard Böer die Zukunftsbaumart, die der Sachsenheimer Wald dringend braucht und die sich bewährt hat.

Hainbuchen haben als Konkurrenzbaum, oder wie die Forstleute sagen, als „dienende Baumart“ für die Eichen einen erwünschten Fördercharakter, weshalb nicht jede Hainbuche entfernt wird. Hier das richtige Verhältnis zwischen den Baumarten zu finden, erfordere viel Erfahrung. Ohne Jungbestandspflege würde sich in diesem Waldbereich langfristig die Hainbuche durchsetzen und die Eichen verdrängen. Die Häufung der Hainbuchen in diesem Abschnitt sei eine Kleinsachsenheimer Besonderheit, die mit der Bodenbeschaffenheit zusammenhängt. Im Großsachsenheimer Wald ist die Rotbuche, die nicht mit der Hainbuche verwand ist, als „dienende Baumart“ für die Eiche häufiger vertreten.

Eichen sind nach Aussage von Burkhard Böer für den Sachsenheimer Wald besonders wertvoll, weil sie mit dem Klimawandel sehr gut zurechtkommen. Mit der Jungbestandspflege werden schlichtweg die Weichen für den zukünftigen Wald gestellt. Damit legen die Forstleute an diesem Herbstmorgen im Kleinsachsenheimer Wald fest, was, je nach Wachstum, in vielleicht 120 oder 160 Jahren in diesem Gewann an hochwertigem Eichenholz geerntet werden kann. Der Sachsenheimer und der Bönnigheimer Wald hat mit einem Anteil von je rund 40 Prozent landesweit den höchsten Eichenbestand, bemerkt Burkhard Böer nicht ohne Stolz. Damit das auch so bleibt, sei eine konsequente und gewissenhafte Jungbestandspflege unerlässlich.

Zukunftsbäume bleiben stehen

Für Schulungszwecke hat der angehende Forstwirt Alexander Eisele im Großholz ein paar Bäume mit gelben und grünen Bändern markiert. Der Blick auf die Baumkrone und die charakteristischen Blätter zeigt, dass die grün markierten Bäume Eichen sind, und als sogenannte Zukunftsbäume stehen bleiben dürfen. Lediglich die gelb markierten Hainbuchen müssen weichen, jedoch, wie bereits erwähnt, nicht alle. Mit sicherer Hand sägt der angehende Forstwirt Eisele einzelne Hainbuchen ab und zerkleinert das Holz, das liegenbleibt und im Lauf der Jahre verrottet.

Diese Arbeit ist alle drei bis fünf Jahre notwendig, erklärt Peter Wolß, und gehört zu den typischen im Herbst anfallenden Tätigkeiten im Wald. Bei genauem Hinschauen erkennt man zwischen den Bäumen noch schmale Pfade, die bei einer der ersten Kultursicherungen vor etwa 20 Jahren angelegt wurden. Etwa zwei Hektar werden von den Forstleuten im Kleinsachsenheimer Großholz gepflegt. Pro Hektar könne man mit bis zu 25 Arbeitsstunden rechnen, den die Pflegemaßnahme erfordere, so Wolß. Insgesamt waren es in diesem Jahr rund 20 Hektar, die der Forstwirt mit seinem Team gepflegt hat. Maximal rund 500 Eingriffe sind pro Hektar notwendig, um beim Jungbestand optimale Verhältnisse bis zur nächsten Bestandspflege zu gewährleisten. Diese Arbeit verursacht zunächst nur Kosten. Die Früchte dieser Bestandspflege können erst spätere Generationen ernten, wir wiederum würden das Holz ernten, das vor Generationen auf dieselbe Art gepflegt und gehegt wurde, erläutert Böer. Die Stadt Sachsenheim unterstütze und schätze die Arbeit der Forstleute und sehe die Notwendigkeit solcher Maßnahmen, freut sich der Revierförster.

 
 
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