Ein Bietigheimer Projekt, um Hinterbliebenen zu helfen Plötzlich alleine – und dann?

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Renate Wendt (Mitte) hat das Projekt „Solo Plus“ ins Leben gerufen, um Hinterbliebenen, wie etwa Elke Barth (links) und Ilse Bauer, Hilfe in der schweren Anfangszeit nach dem Tod des Partners oder der Partnerin geben zu könen. ⇥ Foto: Helmut Pangerl

Renate Wendt, Vorsitzende des Vereins Aktive Senioren Bietigheim-Bissingen, möchte Hinterbliebenen nach einem Trauerfall Hilfe anbieten.

Ich habe das Projekt schon lange im Sinn gehabt, es aber nie umgesetzt. Bis ich dann selbst in die Situation gekommen bin“, erzählt Renate Wendt. Drei Frauen haben sich mit der BZ getroffen, um über das Projekt „Solo Plus“ zu reden, das ihnen sehr am Herzen liegt. „Es wird eines der letzten, wenn nicht das letzte Projekt sein, das ich noch auflege“, sagt Wendt.

Die drei Frauen haben gemeinsam, dass sie Mitglied im Bietigheim-Bissinger Verein Aktive Senioren sind, dessen Vorsitzende Renate Wendt ist. Aber noch etwas verbindet Elke Barth, Ilse Bauer und Renate Wendt: Alle drei Frauen haben vor Kurzem ihren Ehemann verloren, alle drei sind vor Kurzem Witwe geworden.

Sorgen um die Zukunft

Elke Barth hat ihren Mann erst vor acht Wochen verloren. „Mein Mann hatte eine Bypass-OP, von der er sich nicht mehr erholt hat. Aber wir hatten noch Glück, weil wir es kommen sahen“, erklärt die Seniorin. „Mein Mann machte sich Sorgen, ob ich ohne ihn zurecht komme, auch finanziell“, berichtet sie. Deshalb habe das Paar alles geregelt, die beiden Kinder eingebunden, auch mit dem Bestatter vieles abgesprochen.

Dieses Glück im Unglück hatten Renate Wendt und Ilse Bauer nicht. „Wir haben beide nicht mit dem Tod unserer Ehemänner gerechnet, es kam sehr plötzlich“, erklärt Wendt, deren Mann im Februar verstorben ist. Neben den emotionalen Folgen, muss auch viel geregelt werden nach dem Tod des Partners oder der Partnerin.

Vieles, das es zu regeln gibt

Die Vereinsvorsitzende war früher bei einer Versicherungsgesellschaft beschäftigt und kennt sich gut aus mit Hinterbliebenenrente und Ähnlichem. „Ich wollte mir nicht einmal von meinen Söhnen helfen lassen. Das alles zu regeln war für mich, als würde ich mit jedem Stück noch einmal Abschied nehmen“, erklärt sie.

Das gehe natürlich nicht jedem so. „Es gibt so viele Probleme, die auftreten können, für die man aber nach dem Tod des Partners eigentlich überhaupt keinen Kopf hat“, sagt sie weiter. „Ich bin so froh, dass sich meine Tochter um alles gekümmert hat“, sagt wiederum Ilse Bauer, die ihren Mann vor 15 Monaten verloren hat.

Hilfe, in den schweren Tagen

Deshalb hat Renate Wendt das Projekt „Solo Plus“ entwickelt. Es geht dabei darum, genau in diesen schweren Tagen zu helfen.

Bei Fragen der Haushaltsführung, schriftlichen Angelegenheiten oder wenn man einfach mal jemanden zum Reden braucht. Genau dann können sich Hinterbliebene bei Renate Wendt melden. Sie führt dann ein Erstgespräch und vermittelt die Person an eine der drei ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen aus dem Seniorenverein: Irma Schneider, Jutta Kleine und Sibille Naser.

„Es geht nicht um eine professionelle Beratung bei rechtlichen Problemen. Es geht um eine zeitlich begrenzte, erste Hilfe, wenn man plötzlich auf sich alleine gestellt ist“, stellt Renate Wendt klar. Kostenlos und mit einem Vertrauensversprechen werde den Menschen geholfen.

„Es soll eine stille und würdevolle Angelegenheit bleiben“, sagt sie. Flyer würden ausgelegt und die Aktion werde auch bei den Aktiven Senioren bekannt gemacht. Im Verein selbst hätten die drei Betroffenen auch viel Hilfe erfahren. „Ich habe Monate gebraucht, bis ich wieder bei mir war. Dann fing ich aber an, wieder an den Wanderungen teilzunehmen. Das hat mir gut getan“, erinnert sich Ilse Bauer. Sie habe auch viel Unterstützung aus der Nachbarschaft erfahren.

Radio als Begleiter

„Ich lasse jetzt immer das Radio laufen, um mich nicht so alleine zu fühlen“, sagt Elke Barth und lächelt. Die beiden anderen Frauen nicken verständnisvoll. Der Partner werde natürlich für immer fehlen, aber mit ein wenig Hilfe und ein wenig Zeit konnten die drei Frauen wieder ins Leben zurückfinden, das nicht nur Trauer, sondern auch noch schöne Erlebnisse bereit hält. Das wünschen sie jedem Hinterbliebenen.

 
 
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