Ein Landwirt aus Bönnigheim und sein Projekt „Blühende Heimat“ Statt Weizen eine Wiese für Insekten

Von
Landwirt Markus Stegmaier inmitten seiner Blumenwiese in Bönnigheim.⇥ Foto: Susanne Walter

Landwirt Markus Stegmaier setzt großflächig auf Artenschutz, um Missernten vorzubeugen. Er hat mit „Blühende Heimat“ ein schlüssiges Projekt ins Leben gerufen.

Die Versiegelung von Flächen und Millionen von künstlichen Lichtern in der Nacht führen zu Insektensterben. Die alarmierenden Zahlen zum Rückgang der Insekten brachten den Bönnigheimer Landwirt Markus Stegmaier dazu zu handeln.

„Weil 90 Prozent unserer Blütenpflanzen auf die Bestäubung durch Insekten angwiesen sind, ist es im Rückschluss nur logisch, dass es ohne sie zu großen Ernteausfällen kommen würde“, erklärt der Landwirt. Vor drei Jahren begann er bewusst, Lücken in seinen Bewirtschaftungsflächen zu lassen und Randstreifen sowie kleinere Flächen in Wiesen zu verwandeln, die Magnetwirkung für Insekten haben. „Auch Weinberge, die brach liegen, sind willkommene Bienen- und Insektenweiden“, weiß Stegmaier aus Erfahrung.

Paten für Flächen

Seit zwei Jahren hat dieses Engagement mit dem Projekt „Blühende Heimat“ eine neue Dimension erreicht: Auf einer Wiese von 1,5 Hektar hinter dem Bönnigheimer Friedhof bietet Markus Stegmaier nun Menschen eine Fläche an, die sich für den Insektenschutz engagieren möchten. Die Aktion gibt damit naturverbundenen Menschen die Möglichkeit, praktisch einzusteigen in den Natur- und besonders in den Insektenschutz.

„Man kann Pate eines Teilstücks werden. Ab einer Fläche von 100 Quadratmetern gehts los. Die kostet für ein Jahr 40 Euro, weiter geht es mit 80 Euro für 200 Quadratmeter. 300 Quadratmeter gibt es für 110 Euro. Nach oben sind keine Grenzen gesetzt“, beschreibt der Landwirt sein System.

Es gibt sogar die Möglichkeit, ein Stück Wiese, das Nahrung für viele Insektenarten bietet, zu verschenken und somit den Erhalt der Lebensgrundlagen jemandem zum Geschenk zu machen. „Das Projekt ist nicht so gedacht, dass sich Leute, die sich beteiligen hier einen Strauß holen können, sondern wirklich nur für die Natur“, macht Stegmaier deutlich.

Der Bönnigheimer Landwirt hat damit nicht etwa eine neue Form des Nebenerwerbs entdeckt. Er sieht vielmehr seit Jahren schon die Not nicht nur im Bienenstaat. „Wir als Landwirte sind davon abhängig, dass unsere Pflanzen bestäubt werden. Für uns alle ist es wichtig, dass unsere Lebensgrundlagen erhalten bleiben“, macht er klar.

Vor zwei Jahren, als das Bienensterben bereits ein ganz großes Thema war, begann Stegmaier Randstreifen und kleine Flächen in „Bienenweiden“ zu verwandeln. Mit der Entscheidung, die Fläche, die heute Wildblumenwiese ist, aus dem Anbauplan zu nehmen, kam Stegmaier an eine Schmerzgrenze. „Wir kommen nicht mehr auf unsere Kosten und wünschen uns deshalb, dass sich andere beteiligen“, macht er klar und ergänzt: „Das Projekt ist vom Geld her so angelegt, dass uns am Ende des Jahres so viel bleibt, als wenn wir hier Weizen anbauen würden.“

Dafür pflanzte Markus Stegmaier eine heimische Blütenmischung an. „Außerdem wurde die Fläche weder mineralisch noch organisch gedüngt“, erklärt er. Wer einmal in dieser Blütenwiese steht, sieht im Moment, wie  erste Pflanzen ihre Hälse zum Himmel strecken, die man selten auf den heimischen Wiesen sieht.

60 Pflanzenarten

Letztes Jahr sei die Blütenpracht im Frühling nicht ganz so üppig gewesen, weil es zu trocken war, aber in diesem nassen Frühling gedeihen die Pflanzen prächtig: „Rote und weiße Lichtnelken, Hundskamille, Klatschmohn, Färberwaid, verschiedene Kleearten und Ophelia“, zählt Stegmaier auf. 60 Pflanzenarten hat er genau dort eingesäht, wo sonst Monokulturen wie Weizen gedeihen.

Das Anlegen dieser großen Blumenwiese ist übrigens nicht das einzige Umweltprojekt, das Markus Stegmaier am Laufen hat. Er beteiligt sich auch seit mehreren Jahren an einem Projekt des Landschaftserhaltungsverbands zur Förderung des Niederwildes, das überschrieben ist mit „Rebhuhn, Feldhase und Co“. Es ist auch für Offenbrüter ausgelegt, für Vögel wie die Feldlerche oder den Fasan, die ihre Eier offen in eine vorher gereinigte Stelle im Feld legen. Auch dafür werden Flächen mit besonderen Pflanzmischungen entsprechend vorbereitet. Teile des neuen Bewuchses werden im Folgejahr stehen gelassen. Im Gegensatz zu den Bienenweiden fördert der Staat dieses Projekt zum Artenschutz.

 
 
- Anzeige -