Ein Oberlehrer komponierte vor 90 Jahren ein Hymne auf die Heimat Loblied auf das Leben in Löchgau

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Die Partitur des Löchgauer Liedes von Karl Müller.⇥ Foto: Ruff

Oberlehrer Karl Müller komponierte vor 90 Jahren das Löchgauer Lied. Die einstige Ortshymne ist heute in Vergessenheit geraten. Sie wurde zuletzt 2014 aufgeführt.

Im badischen Landesteil kennt jeder das Badnerlied. Im Gegensatz dazu hat in Württemberg das Lied der Schwaben keine regionale Bedeutung. In Löchgau gibt es das Löchgauer Lied, das aber kaum einer kennt. Einheimische, die darauf angesprochen werden, antworten meistens mit „Noch nie gehört“.

Von Heinz Gauger, Notenwart des Liederkranzes Löchgau konnte erfahren werden, dass das Lied erst einmal öffentlich vorgetragen wurde. Karla Ullrich, Vorsitzende des Liederkranzes Löchgau ergänzt: „Der Gemischte Chor hat das Lied zusammen mit der Ludwigsburger Brenz Band in der Gemeindehalle Löchgau gesungen.“ „Das war am 18. Januar 2014 anlässlich einer Veranstaltung des Kunst- und Kulturkreises Löchgau“, weiß die Löchgauerin Gertraude Hollstein.

Auf dem Notenblatt des Liederkranzes ist vermerkt: „Von Karl Müller, Lehrer an der Volksschule Löchgau um 1920. Melodie nach Gehör aufgezeichnet von Karl Hofmann, Lehrer in Löchgau 1946-76.“ Der Liederkranz verfügt demnach nicht über die Originalversion. Erwin Ruff vom Besigheimer Geschichtsverein besitzt eine Kopie des Liedes, bei der es sich offensichtlich um die Originalpartitur handelt, was an Müllers Unterschrift zu erkennen ist. Die Melodie ist zweistimmig für einen Männerchor. Karl Müller hat das Löchgauer Lied 1931/1933 komponiert und es seinen Kindern gewidmet. Der Löchgauer Pfarrer Gustav Hoffmann hat damals das Löchgauer Lied im Evangelischen Gemeindeblatt vom April 1934 abgedruckt „damit es in jedes Haus kommt“.

Karl Müller, geboren am 3. Juli 1888 in Gschwend, Oberamt Gaildorf, war von 1912 bis 1934 Lehrer an der Volksschule Löchgau. Am 18. Juli 1913 heiratete er in Löchgau Friederike Schlech aus Garrweiler, Oberamt Nagold. Ihnen wurden vier Kinder geboren, wovon eines bereits im Alter von vier Jahren starb. Nach der Versetzung des seitherigen Schulvorstands Oberlehrer Beyl wurde Hauptlehrer Müller 1929 zum Oberlehrer befördert und war dann bis 1934 Schulvorstand. Dem Vernehmen nach soll er ein strenger Lehrer gewesen sein. „Von 1918 bis 1922 leitete Karl Müller den Chor des Liederkranzes Löchgau“, erwähnt Karla Ullrich noch.

Karl Müller wurde ab 1. Juni 1933 im nationalsozialistischen Lehrerbund als Mitglied geführt, wie einer beim Staatsarchiv Ludwigsburg verwahrten Mitgliederkartei zu entnehmen ist. Nach dem Ende der Nazidiktatur wurde im demokratischen Deutschland wieder die staatliche Schulaufsicht eingeführt. Müller bewohnte mit seiner Familie eine Dienstwohnung im Lehrerwohnhaus Weinstraße 6. Im April 1934 erfolgte der Umzug nach Vaihingen/Fildern (seit 1942 Stuttgart-Vaihingen), weil Karl Müller an die dortige Volksschule versetzt wurde.

Karl Müller verfasste seine Ortshymne mit viel Pathos. In der ersten Strophe verortet er das Dorf „Im schönen Schwabenland, nicht weit vom Neckarstrand, an Strombergs grünem Rand.“ In der zweiten Strophe lässt er den Steinbach als Wasserfall ins Tal stürzen und dort „hörst im Maschinensaal du vieler Hämmer Schall.“ Wahrscheinlich kennen viele Ortsansässige diesen Wasserfall nicht, wo der Bach mit einer Fallhöhe von mehreren Metern nördlich der ehemaligen Röcker‘schen Nagelfabrik in den Muschelkalk stürzt.

Bäuerlich geprägt

In den 1930er-Jahren war Löchgau mit einer Landwirtschaftsfläche von rund 700 Hektar und einer Rebenfläche von 48 Hektar stark bäuerlich geprägt. Das inspirierte Müller zur dritten und vierten Strophe mit des Bauers Ruhm aus bestens bestelltem Ackerfeld und wo zum Schutz der Trauben vor Vogelfraß „Wengerters Herze lacht, wenn die Pistole kracht.“ Vollends ins Schwärmen kommt der Komponist in der fünften Strophe. Angetan vom milden Klima im Schutz des Strombergs und auf grüner Au „grüßt dich im Himmelsblau lieblich und hold Löchgau.“ Die Schwaben zog es schon immer in die Ferne, aber die Sehnsucht nach der Heimat bleibt, und so textet Müller in der letzten Strophe die Verbundenheit zu „Löchgau, mein Heimatort“. Im Refrain drückt er „sein Leben lang der Heimat Lobgesang“ aus. Der Liedtext ist auch im Heimatbuch „Löchgau – Beiträge zur Ortsgeschichte“ abgedruckt.

 
 
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