Ein Shorttrack-Weltcup findet in Bietigheim statt Weltelite kommt ins Ellental

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Die zweimalige Olympia-Teilnehmerin und dreifache EM-Medaillengewinnerin Anna Seidel dreht auf dem Eis der EgeTrans-Arena bereits probeweise ihre ersten Runden. ⇥ Foto: Martin Kalb

Im Februar steigt in Bietigheim erstmals ein Weltcup im Shorttrack. Starläuferin Anna Seidel erhofft sich vom zweiten deutschen Standort nach Dresden einen Schub für ihre Sportart.

Abgesehen vom Eishockey ist Bietigheim-Bissingen bisher noch nicht als Hort des Wintersports in Erscheinung getreten. Doch dies wird sich bald ändern: Vom 19. bis 21. Februar 2021 findet in der EgeTrans-Arena erstmals ein Weltcup in der Eisschnelllauf-Disziplin Shorttrack statt. „Die Sportart ist hochdynamisch und spektakulär. So ein Angebot hat man nicht alle Tage. Die Menschen werden das goutieren“, schwärmt Oberbürgermeister Jürgen Kessing.

Doppeltes Novum

Mit der Ausrichtung des rasanten Spektakels ist ein doppeltes Novum verbunden. Zum einen hat es in ganz Württemberg disziplinübergreifend noch keinen Wintersport-Weltcup gegeben. Zum anderen wird nun ausgerechnet Bietigheim-Bissingen die Ehre zuteil, der zweite deutsche Standort der Serie zu sein. Seit 2009 war hierzulande bisher die Hochburg Dresden, zugleich der Bundesstützpunkt der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG), der einzige Veranstaltungsort für Weltcups.

„Positiv überrascht“ zeigte sich Deutschlands beste Shorttrackerin Anna Seidel vom Zuschlag für Bietigheim. „So ist man trotzdem im eigenen Land, hat aber nicht ganz so viel Druck wie in der Heimatstadt. Ich bin sehr gespannt und freue mich sogar fast ein bisschen mehr auf Bietigheim als auf Dresden“, sagte die aus der Sachsen-Metropole stammende zweimalige Olympia-Teilnehmerin und dreifache EM-Medaillengewinnerin – und drehte wenig später probeweise gleich ein paar Runden auf dem Eis.

Eigentlich hatte der Internationale Eislaufverband (ISU) die Saison 2020/21 bereits geplant und die sechs Standorte festgelegt, wie Hugo Herrnhof, Event- Koordinator und Sportdirektor Eisschnelllauf, erläutert. Doch dann kam eine Absage aus dem ungarischen Debrecen. Nach und nach schieden auch die ins Auge gefassten Ersatzkandidaten Turin, Lausanne und Minsk aus. So fiel der Blick schließlich auf Süddeutschland und eben Bietigheim. Den Kontakt zu den Stadtwerken, dem Eigentümer und Betreiber der EgeTrans-Arena, hatte die Fellbacher Sport- und Eventagentur 24passion hergestellt, die nun auch als Mitveranstalter fungiert.

Die Sportstadt an Enz und Metter zeigte sich sofort aufgeschlossen und sagte ihre Unterstützung zu. „Wir sind offen für alle Dinge, die man neben Eishockey und Handball hier unter dem Dach abwickeln kann. Der Weltcup ist eine Chance zu zeigen, was unsere Halle tatsächlich drauf hat“, sagt OB Kessing. Nach einem Ortstermin der ISU im August in der Halle, einem positiven Urteil über die dortigen Gegebenheiten und dem Okay der DESG gab der Weltverband grünes Licht – und setzte Bietigheim auf die Weltcup-Landkarte. „Es ist für unseren Sport extrem wichtig, dass wir hochkarätige Veranstaltungen im eigenen Land haben“, findet Aushängeschild Seidel.

230 Läufer aus mehr als 30 Nationen sowie deren Trainer und Betreuer werden im Februar im Ellental erwartet. Ob auch Zuschauer auf den Rängen dabei sein dürfen, ist noch offen. Bisher steht die Saison im Schatten der Pandemie. Die beiden Wettbewerbe in Montreal und Laval, die für November vorgesehen waren, sind mangels Anreisemöglichkeiten nach Kanada bereits gestrichen. Die weiteren Stationen in diesem Jahr in Seoul (11. bis 13. Dezember) und Peking (18. bis 20. Dezember) – letztere ist auch als Olympia-Testlauf geplant – sollen dagegen stattfinden.

Seidel und ihre Mitstreiter von der deutschen Nationalmannschaft haben sich zur Vorbereitung mit dem polnischen Nationalteam zusammengeschlossen und schon einige gemeinsame Trainingslager absolviert. „So hat man die Konkurrenz zumindest ein bisschen im Auge“, sagt das 22-jährige Shorttrack-Ass, das sich Anfang Februar beim Heim-Weltcup in Dresden bei einem Sturz schwer am Knöchel verletzt hatte und monatelang ausfiel. „Ich hatte Glück im Unglück, dass die WM dann abgesagt wurde. So konnte ich das alles etwas besser verschmerzen“, sagt Seidel – und sprüht nach ihrer Genesung voller Tatendrang: „Jetzt bin ich wieder fit. Die Wettkämpfe können gerne starten.“

 
 
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