Eine Serie über Familien, die sportlich aktiv sind Ohne Familie Heintz läuft fast nichts

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Verteidiger Lars, Betreuer Detlev und Stürmer Timo Heintz (von links) sind auf und direkt am Eis aktiv ... Foto: Jan Simecek

Lars und Timo Heintz spielen bei den Steelers-Amateuren, Vater Detlev ist Mannschaftsbetreuer und Mutter Inge sitzt an der Kasse und organisiert den Kuchenverkauf.

Ohne Ehrenamt geht im Amateursport wenig bis nichts. Was im Profisport oft ein ganzes Heer an bezahlten Betreuern erledigt, schaffen bei den Hobbysportlern zumeist Enthusiasten, die für ihren Verein, ihren Sport leben. Damit das Privatleben nicht zu sehr darunter leidet, sind auch immer wieder ganze Familien im Einsatz. In unregelmäßigen Abständen wollen wir den Blick auf diese im lokalen Sport aktiven Familien richten. Den Auftakt macht die Familie Heintz, die das Herz der Bietigheimer Eishockey-Amateure bildet.

Der Weg nach Bietigheim-Bissingen war ein verworrener für die Familie Heintz. Die Söhne Lars und Timo hatten ursprünglich Feldhockey gespielt. Dort kam Vater Detlef auch zu seinem ersten Job als Betreuer. Dann fingen die beiden in Kornwestheim mit Eishockey an. Als Spielgemeinschaft ging es zwischenzeitlich auch noch nach Balingen, und nachdem die Kornwestheimer Eishalle gebrannt hatte und abgerissen wurde, folgte noch ein Jahr in Heilbronn, weil der damalige Steelers-Jugendleiter Uli Liebsch den älteren Sohn Timo nicht haben wollte. Schließlich ging es doch nach Bietigheim – zuerst Lars, dann Timo: „Lars wollte eigentlich zuerst gar nicht, aber wir wohnen in Asperg, da war uns die Fahrerei nach Heilbronn zu viel“, sagt Mutter Inge.

Erster Job im Ellental

Als beide Söhne schließlich im Ellental untergekommen waren, übernahm auch der Vater seinen ersten Job. „Bei den Schülern hat Thomas Weidenbach aufgehört und ich bin dann Betreuer geworden“, erzählt der 56-Jährige. Er habe dann so einige Trainer und Präsidenten miterlebt, bis vom Verband die Junioren-Altersklasse gestrichen wurde und die Familie vor der Frage stand „Was nun?“

„Es gab damals eine Kooperation mit Pforzheim, aber da hat es den Jungs nicht so gut gefallen“, erzählt Detlev Heinz. Also kam man auf die Idee, in Bietigheim eine 1b aufzuziehen. „Die gab es davor schon einmal zusammen mit Stuttgart und eigentlich auch mit Pforzheim. Das hat aber nicht so funktioniert“, so der Familienvater weiter.

Zum Familienunternehmen wurde Eishockey bei den Heintzens schon früh. „Ohne die Familie geht das so gar nicht“, sagt Vater Detlev. „Ich bin mit dem einen gefahren, mein Mann mit dem anderen. Weil die Jungs in unterschiedlichen Mannschaften gespielt haben“, ergänzt Mutter Inge. Später mit der Amateurmannschaft sei dann irgendwann die Idee gekommen, die Mannschaftskasse mit einem Kaffeestand aufzubessern. „Den habe dann halt ich organisiert“, sagt Inge Heintz. Und als jemand für die Kasse am Eingang gebraucht wurde, habe sie das auch noch übernommen. „Man sieht dann eben doch auch mal die ganze Familie, was sonst eher selten vorkommt“, begründet sie das Engagement lachend.

Robuste Spielweise

Bei den anderen Spielern ist es im Normalfall nicht so, dass die ganze Familie dabei ist – zumindest nicht so nah. „Das hat Vor- und Nachteile“, sagt der jüngere Sohn Lars, der in der Verteidigung spielt. „Man muss bei Spaß in der Kabine schon aufpassen, was man sagt. Aber insgesamt ist es schon toll so“, liefert er die Begründung für seine differenzierte Sicht. Dabei ist es auch für die Eltern nicht immer angenehm. Timo ist wegen seiner robusten Spielweise bei manchem Gegner nicht gerade beliebt, und des Öfteren schallt aus der gegnerischen Fankurve eine vielstimmige Beleidigung. „Ich habe mir schon lange abgewöhnt, etwas wegen der Spielweise zu sagen. Denn schon beim Hockey kam zurück, dann mach es doch besser‘“, so Detlev Heintz. „Ich habe schon ab und zu gesagt, dass ich die Mutter bin, wenn neben mir einer geschrien hat. Dann war schlagartig Ruhe“, erzählt Inge Heintz.

Lange wird es das Eishockey-Familienunternehmen Heintz in dieser Form aber nicht mehr geben. Detlev Heintz wollte schon in der nun abgebrochenen Saison kürzertreten. Denn bislang ist er meist der Erste, der die Kabine betritt und am Ende auch derjenige, der sie wieder abschließt. Es blieb aber beim Willen, umsetzen konnte er es nicht, und ganz aufgehört hätte er ohnehin nicht. Denn das Herz hängt schon am schnellsten Mannschaftssport der Welt. Und wenn er sagt, dass er auch noch unabkömmlich ist, da er der Einzige ist, der Schlittschuhe schleifen kann, dann ist dieser Grund vielleicht auch ein bisschen konstruiert. Denn so beliebt, wie die Familie Heintz im Bietigheimer Eishockey ist, so sehr hängt auch ihr Herz daran.

 
 
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