Eishockey Benedikt Jiranek auf den Spuren von Luis Figo

Von Niklas Braiger
Bei Benedikt Jiraneks Vorstellung vor der Saison waren manche Fans noch skeptisch. Inzwischen sind alle Zweifel am Verteidiger abgelegt.  Foto: /Hansjürgen Britsch/Pressefoto Baumann

 Der Verteidiger spielte 2024/25 noch beim Erzrivalen der Bietigheim Steelers, den Heilbronner Falken. Inzwischen wird er von den SCB-Fans gefeiert.

Von Karlsruher SC zum VfB Stuttgart, vom FC Barcelona zu Real Madrid oder eben von den Heilbronner Falken zu den Bietigheim Steelers. Wer vom größten Rivalen zum eigenen Herzensverein kommt, hat meist einen eher schweren Stand. Daher hätte wohl kaum einer geglaubt, dass es durch die Kehlen der Steelers-Fans in der Ege-Trans-Arena einmal „Jiranek! Jiranek!“ schallen würde. Die Familie Jiranek um Vater Martin und die Söhne Benedikt und Vincent ist seit Jahren Bestandteil der Heilbronner Falken – des Erzrivalen der Bietigheim Steelers. Daher nicht verwunderlich, dass der Name keinen guten Ruf im Ellental hat, gerade nach den Ausschreitungen in der vergangenen Eishockey-Oberliga-Saison im Unterland, als Martin Jiranek dem SCB-Spieler Marek Racuk beim Gang in die Kabine wohl einen Faustschlag verpasst haben soll.

Dennoch hallen die Sprechchöre am vergangenen Sonntag durch die Eishalle, Grund dafür ist Sohn Benedikt. Denn der wechselte im Sommer wie einst Luis Figo von Barcelona zu Real Madrid aus Heilbronn zum großen Feind nach Bietigheim. Dort wurde der Verteidiger trotz seiner Vergangenheit herzlich aufgenommen und hat sich seit dem Spiel gegen Kaufbeuren am Wochenende wohl auch in die grün-weiß-blauen Herzen gespielt.

Nicht Jiraneks bester Moment

Doch was war eigentlich passiert? In einer hitzigen Schlussphase, vielen Streitigkeiten und einigen Schlägereien auf dem Eis fuhr der 23-Jährige rund fünf Minuten vor Schluss einen harten Check an der Bande gegen seinen Ex-Mitspieler Alex Zawatsky. Beide standen 2024/25 noch gemeinsam bei den Falken auf dem Eis, Freundschaften gab es aber keine, Jiranek tackerte den Gegenspieler ins Glas, der liegen blieb und vom Eis musste. Eine Fünf-Minuten-Strafe inklusive Spieldauer wurde daraufhin Jiranek aufgebrummt, beim Gang vom Eis gab es „Jiranek! Jiranek!“-Sprechchöre.

„Ich habe gehofft, dass es nicht für so eine Aktion passiert“, gibt er zu. „Das war nicht mein glänzendster Moment, in der Spielsituation muss ich schlauer sein.“ Sein Momentum habe er unterschätzt, eigentlich wollte er nur Zawatsky an der Bande festmachen. Die Konsequenz: Eine Sperre für ein Spiel, das heißt, dass Jiranek an diesem Freitag gegen die Ravensburg Towerstars aussetzen muss. Beim Gastspiel in Oberschwaben um 20 Uhr ist er damit also zum Zuschauen verdammt und kann nicht bei der wichtigen Partie mit eingreifen. Immerhin am Sonntag beim Heimspiel gegen Freiburg ist er wieder mit von der Partie.

Direkte Duelle stehen an

„Wir müssen das Selbstvertrauen mitnehmen“, gibt er als Marschroute an. Denn mit einem perfekten Sechs-Punkte-Wochenende würde der SCB in der Tabelle klettern und sich vielleicht auch ein kleines Polster nach unten verschaffen können. Ravensburg (19 Punkte) steht aktuell einen Platz höher als die Steelers (17) auf Rang elf, der EHC Freiburg kommt am Sonntag als Schlusslicht ins Ellental, sie haben bereits sechs Zähler Rückstand auf die Schwaben.

Kritik trotz 9:3-Sieg

„Wir müssen alles Positive mitnehmen und die Fehler verbessern“, sagt Jiranek. Denn trotz des dominanten 9:3-Heimsiegs gegen Kaufbeuren war nicht alles Gold, was glänzt. „Ich würde nicht behaupten, dass es spielerisch das beste Spiel der Saison war“, erklärt der Verteidiger und stimmt damit seinem Coach zu, der ebenfalls ein „lange eher durchschnittliches Spiel“ gesehen hatte. Jiranek macht aber klar: „Es gibt immer etwas zu verbessern und Momente, in denen es nicht so funktioniert hat, gerade bei zwei Gegentoren.“

Tatsächlich ist das aktuell das größte Problem des SCB. Hinter Kaufbeuren, Freiburg und Ravensburg stellen die Bietigheimer die viertschlechteste Defensive der Liga. Offensiv läuft es dafür gut, dort rangiert man sogar auf Platz drei. Nur das Spitzenduo aus Krefeld und Landshut hat öfter getroffen. Bitter also, dass in solch einem wichtigen Spiel wie gegen Ravensburg nun also mit Jiranek ein Baustein in der Defensive der Steelers fehlt. Immerhin Bastian Eckl, der schon gegen Kaufbeuren wieder auf dem Eis stand, und Joshua Rust sind zurück im Lineup. Rust wurde vergangenes Wochenende noch geschont, seine Schultereckgelenksprengung von Anfang Oktober ist inzwischen aber ausgeheilt.

 
 
- Anzeige -