Elbe-Areal in Bietigheim Vertrag soll Planungsziele absichern

Von Uwe Mollenkopf
Das frühere Elbe-Areal in der Nähe des Bahnhofs ist Thema im Gemeinderat. Foto: /Martin Kalb

Der Gemeinderat entscheidet an diesem Dienstag abschließend über die Bebauung des Elbe-Areals. Zuvor hatten Behörden Gelegenheit, sich zu äußern. Kritik kam von der Polizei.

Mehr als drei Jahre ist es her, dass der Gemeinderat die Aufstellung eines Bebauungsplans für das Gebiet zwischen Stuttgarter-, Wilhelm-, Hans-Stangenberger- und Austraße mit einer Fläche von rund 2,5 Hektar beschlossen hat. Kernstück des Gebiets ist das circa 1,6 Hektar große ehemalige Betriebsgelände der Firma Elbe inklusive der denkmalgeschützten Fabrikgebäude im Südosten des Areals. Hinzu kommen der öffentliche Parkplatz Wilhelmstraße sowie weitere Grundstücke in Privatbesitz. Die Bietigheimer Wohnbau hat das Elbe-Gelände sowie den Parkplatz erworben und will neue Wohn- und Gewerbeflächen sowie ein Quartiersparkhaus bauen. In seiner Sitzung an diesem Dienstag soll der Gemeinderat den Bebauungsplan beschließen, sodass die Bebauung starten kann, sobald die Wohnbau dies tun möchte.

Städtebaulicher Vertrag

Um die von der Stadt Bietigheim-Bissingen gewünschten städtebaulichen Ziele in dem Gebiet zu fördern und zu sichern, soll darüber hinaus ein städtebaulicher Vertrag zwischen Stadt und Wohnbau geschlossen werden, dem die Stadträte ebenfalls zustimmen müssen. Er sieht über die Festsetzungen des Bebauungsplans hinaus weitere ergänzende Regelungen vor.

Festgeschrieben wird darin unter anderem, dass die Wohnbau das Parkhaus als Mobilitätszentrums mit 55 öffentlichen Stellplätzen errichtet. „Ziel ist es, ein umfangreiches Mobilitätsangebot zur Minimierung des Individualverkehrs zu schaffen und eine positive Mobilitätskultur im Quartier zu fördern“, so die Ratsvorlage. Weitere Ziele der Stadt sind „ein attraktives Freiflächenkonzept und Verkehrskonzept“, die Erstellung eines Gestaltungskonzepts, das von der Verwaltung genehmigt werden muss, die Schaffung von öffentlich gefördertem, vergünstigtem Wohnraum von mindestens 20 Prozent der errichteten Wohnungen sowie die Herstellung der notwendigen Erschließung. Im früheren Elbe-Areal, das den neuen Namen Aurain-Carré bekommen hat, sind 200 neue Wohnungen geplant.

Vorrang der Innenentwicklung

Im Laufe des Bebauungsplanverfahrens hatte das Vorhaben auch ordentlich Gegenwind erhalten. Eine Bürgerinitiative und Umweltschützer hatten die Pläne kritisiert, insbesondere den Wegfall alter Bäume. Auch eine Petition für den Erhalt der dortigen Parkanlage war gestartet worden. Im vergangenen Jahr hatte die Verwaltung bei einer Bürgerinformation auf dem alten Fabrikgelände die Pläne vorgestellt. Mehrfach hatte es in der Folge Änderungen und Ergänzungen im Bebauungsplanentwurf gegeben.

Zuletzt hatten Behörden und sonstige Träger öffentlicher Belange Gelegenheit, Stellung zum Bebauungsplanentwurf zu beziehen. Seitens des Regierungspräsidiums Stuttgart (RP) hieß es dazu, aus raumordnerischer Sicht bestünden keine Bedenken gegen das Vorhaben. Das Gebiet, auf dem verdichtet, mit bis zu sieben Geschossen, gebaut werden soll, trage dem Vorrang der Innenentwicklung Rechnung. Keine Bedenken hat auch das Landratsamt. Abstimmungsbedarf sieht das RP aber noch beim Verkehr. Es müsse vermieden werden, dass auf der geplanten Linksabbiegerspur auf die B 27 Richtung Innenstadt auch nach rechts gefahren werde.

Der Firma Spillmann ist unter anderem wichtig, dass die Anfahrbarkeit der Haltestelle „Realschule im Aurain“ erhalten bleibt.

Kritik kommt vom Polizeipräsidium Ludwigsburg. Dieses bemängelt aus verkehrspolizeilicher Sicht, dass der durch das später hinzukommende „Bogenviertel“ generierte Verkehr bei der Planung kaum oder nicht berücksichtigt worden sei. Zu Hauptverkehrszeiten befinde sich die B 27 im betreffenden Bereich bereits nahe der Belastungsgrenze, weitere 2400 Fahrten, die das “Aurain-Carré“ voraussichtlich generieren werde, stellten da schon eine erhebliche Mehrbelastung dar, so die Polizei.

Stadt: Verkehr wird minimiert

Inzwischen wurden die Kritikpunkte bei einem Abstimmungstermin mit der Stadt im März erörtert. Bei der Planung wurde laut Stadtverwaltung darauf geachtet, „dass durch die neue Bebauung die Verkehrszunahme minimiert wird“. Es werde ein vielfältiges Mobilitätsangebot im Mobilitätszentrum geschaffen, und die Parkplätze seien nicht im Straßenraum, sondern zentral im Parkhaus und in der Tiefgarage verortet. „Die Leistungsfähigkeit des Knotenpunkts B 27/Wilhelmstraße wurde in der Verkehrsuntersuchung für den vorliegenden Bebauungsplan nachgewiesen“, versichert die Verwaltung.

 
 
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