Energie-Versorgung in Bietigheim-Bissingen Stadtwerke machen sich keine Sorgen

Von Michael Soltys
Vom Heizkraftwerk an der Bahnlinie (unten im Bild), wird das Wohngebiet Kreuzäcker mit Nahwärme versorgt. Es ist unabhängig von Gas aus Russland und anderen Länden. Foto: /Martin Kalb

Die Belieferung der Kunden mit Gas ist aus Sicht von SWBB-Chef Richard Mastenbroek gesichert. Etwa 10 000 Haushalte in der Stadt sind unabhängig und werden mit Nahwärme versorgt.

Drosselung der Gaslieferungen durch Russlands Präsident Putin, Notfallpläne in Baden-Württemberg und sogar auf EU-Ebene, falls das Gas im Winter knapp werden sollte: Die Nachrichten auf dem Energiemarkt sind nicht gerade angetan, um den Sommer sorgenfrei zu genießen. Da klingt die Einschätzung, die Richard Mastenbroek, der Geschäftsführer der Stadtwerke Bietigheim-Bissingen, SWBB, abgibt, doch einigermaßen beruhigend. „Aktuell bekommen wir ausreichend Gas“, sagte Mastenbroek im Gespräch mit der BZ. Die Leitungen seien prall gefüllt, der Druck darin lasse nicht nach. „Die Versorgungssicherheit ist gewährleistet.“ Die Lieferverträge seien gestaffelt bis ins Jahr 2025 abgeschlossen worden, der Großteil für das Jahr 2023 konnte bereits abgedeckt werden.

Keine massiven Einschränkungen

Und dennoch: Das Gas ist knapp, dafür sorgt der Boykott durch die russische Regierung. Die fehlende Menge aus Russland kann bisher durch Gas aus der Nordsee und von den Niederlanden und durch den Rückgriff auf Gasspeicher ausgeglichen werden, erläutert der SWBB-Chef. Angesichts der aktuellen Witterungslage sollte dies ausreichen, auch wenn Putin mit weiteren Lieferstopps ernst mache. Auch für die Zukunft sehe er noch keine massiven Einschränkungen. Wieviel Gas die Stadtwerke aus Russland beziehen oder bezogen haben, das kann Mastenbroek nicht sagen. Es gebe keine Pflicht, die Herkunft des Gases zu kennzeichnen. Allgemein betrug der Anteil des russischen Gases im Jahr 2021 in Deutschland etwa 45 Prozent. Die Stadtwerke beziehen ihr Gas über das Unternehmen „SüdWestStrom“, dessen Gesellschafter sie sind, gemeinsam mit etwa 60 weiteren Energieunternehmen.

„Komfortable Situation“

Zu einem bedeutenden Anteil sind die Stadtwerke auch gar nicht auf Gaslieferungen aus Russland oder anderen Ländern angewiesen. „Wir sind in einer komfortablen Situation“, stellt der SWBB-Geschäftsführer fest. Etwa 10 000 Haushalte in der Stadt werden über das Heizwerk in den Kreuzäckern mit Fernwärme versorgt. Betrieben wird es mit Holzhackschnitzeln und mit Biogas, das über eine Satellitenleitung zum Kraftwerk hingeleitet wird. „Das ergänzt sich gegenseitig“, sagt Mastenbroek.

Wie hoch der Anteil von Gas insgesamt in der Stadt ist, auch das kann der SWBB-Chef nicht sagen. Wie in allen Kommunen des Landes werde in der Stadt aktuell eine kommunale Wärmeplanung erstellt, die auf den einzelnen Kunden bezogen werde. Es liegen zwar Zahlen vor, aber diese seien noch nicht gesichert.

Hohes Preisniveau

Doch was ist mit den Preisen? Sie bewegen sich schon jetzt auf sehr hohem Niveau. Zum 1. Juli haben die Stadtwerke ihre Grundversorgungstarife für Gaslieferungen bereits angepasst, sprich erhöht. Aktuell kostet eine Megawattstunde rund 160 Euro. Jeder der es wünscht, werde in der Stadt mit Gas versorgt, sichert Mastenbroek zu. Vertragsverlängerungen allerdings werden mit kürzeren Laufzeiten als bisher angeboten. Und Neukunden müssen damit rechnen, dass sie die höheren Tarife der Grundversorgung zahlen müssen, weil für sie Gas nachbeschafft werden müsse.

Großverbraucher, die Unternehmen, die Haushalte, sie alle seien sensibilisiert und haben bereits angefangen, beim Energieverbrauch zu sparen. Davon ist der SWBB-Chef überzeugt.

Die Abhängigkeit der Unternehmen von Gaslieferungen müsse ganz individuell bewertet werden. Schon gleich zu Beginn der Krise seien die Firmen kontaktiert worden. Sollte es allerdings tatsächlich dazu kommen, dass auf Bundesebene die Notfallstufe ausgerufen wird, dann entscheide die Bundesnetzagentur, über den Umfang der Belieferung von Unternehmen. Schützenswerte Kunden werden auf jeden Fall beliefert.

Dies seien die privaten Haushalte, Gebäude der öffentlichen Verwaltung, Krankenhäuser, Feuerwehr und auch Unternehmen, soweit sie systemrelevant seien.

Auftakt zur Serie „Energie im Kreis“

Der Bericht
über die Situation der Gasversorgung in Bietigheim-Bissingen ist der Auftakt zur Serie „Energie im Kreis“. Weitere Bericht werden sich um die Themen Windräder, Solarenergie und Wasserkraft drehen. Wie geht es weiter mit dem Kohlekraftwerk in Walheim und dem GKN in Neckarwestheim? Auch diese Fragen werden im Rahmen der Serie beantwortet. Im Lokalsport geht es heute darum, wie die Sportvereine auf die gestiegenen Energiepreise reagieren.

 
 
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