Energieversorgung in Ingersheim Nahwärme für Holderweg-Süd

Von Jörg Palitzsch
Das Nahwärmenetz wird in das bestehende Wohngebiet Holderweg-Süd erweitert. Bis zum Frühjahr 2024, so der Zeitplan, soll das Netz ausgebaut sein. Foto: Oliver Bürkle

Die KWA Contracting GmbH erweitert das Nahwärmenetz vom neuen Wohngebiet „In den Beeten II“ in das Bestandsgebiet „Holderweg-Süd“.

Im Energiebereich wird politisch Druck gemacht. Ab 2024 soll jede neue Heizung zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden und das Klimaschutzgesetz verpflichtet Deutschland, bis 2045 CO2-neutral zu sein. Um dieses Ziel umsetzen zu können, hat der Ingersheimer Gemeinderat schon im Oktober 2021 beschlossen, über einen Vertrag der KWA Contracting GmbH aus Stuttgart zu gestatten, ein Nahwärmeversorgungsnetz im Gebiet „In den Beeten II“ zu errichten und zu betreiben. In einem weiteren Vertrag, der jetzt im Gemeinderat einstimmig beschlossen wurde, bewilligte man dem Unternehmen nun auch die Erweiterung und den Betrieb des Netzes ins Wohngebiet „Holderweg-Süd“ – von nördlich der Forststraße bis zum Feuerwehrhaus.

„Es ist keine kommunale Aufgabe, ein Wärmenetz zu betreiben“, sagte Bürgermeisterin Simone Lehnert bei einer Pressekonferenz im Rathaus. Die Gemeinde spare dadurch nicht nur Investitions-, sondern auch Personalkosten. Das finanzielle Risiko, sowie die Kosten für den Tief- und Rohrleitungsbau liegt allein bei der KWA, so Geschäftsführer Markus Kostron.

Zuschüsse bis zu 80 Prozent

Für die Arbeiten gibt es einen engen Zeitplan. Die Datenabfrage möglicher Kunden erfolgt von dem Stuttgarter Unternehmen Effizienzpioniere GmbH bis Ende Februar 2023. Das Unternehmen bietet auch eine kostenlose Erstberatung beim Umstieg auf das Nahwärmenetz an, so Geschäftsführer Stephan Hartmann. In erster Linie, um alle Möglichkeiten, etwa der Bezuschussung von bis zu 80 Prozent, auszuschöpfen.

Während „In den Beeten“, wo am neuen Kreisverkehr die Heizzentrale steht, bei 40 Gebäuden eine Anschlusspflicht besteht, geht man dort bei den privaten Häuslesbauer von eine Anschlussquote von 50 Prozent aus. Auch im Holderweg ist diese Quote angestrebt. Die Dimensionierung des Netzes steht bis Ende März 2023 fest, bis es ein gutes Jahr später ausgebaut sein wird. Eine spätere Erweiterung in Richtung Brühl II oder in weitere Bestandsgebiete ist nicht ausgeschlossen, wobei diese dann wieder Genehmigung-, Planungs-, und Ausschreibungsverfahren nach sich ziehen.

Von den Erfahrungen mit externen Energieversorgern berichtete Harald Schnabel, in Ingersheim Leiter des Amts für Liegenschaften, Digitalisierung und Technik. So beheize die Süwag den Schulkomplex mit Pellets sowie in der Spitze mit Gas, der Energieaufwand sei um 40 Prozent zurückgegangen. Auf Pellets, die eine Zeit lang teuer und nicht verfügbar waren, wird man in der neuen Heizzentrale beim Kreisverkehr nicht ganz verzichten, wobei Hackschnitzel im Vordergrund stehen.

Zwei Lkw pro Woche

„Ein Energieträger aus der näheren Umgebung“, beschreibt Kostron die Vorteile. Das „Waldrestholz“ fällt an, wenn dicke Stämme als Brennholz verarbeitet werden, wegen des Nahwärmenetzes „werden keine Bäume gefällt.“ Und auch die Anlieferung des Brennmaterials, das zunächst in einem Bunker und dann über eine Schnecke im Ofen landet, hält sich verkehrstechnisch im Grenzen. Durch die Anbindung des Holderwegs kommen zwei Lkw in der Woche. Dort können die Anschlüsse, so KWA-Geschäftsführer Markus Kostron, schnell erfolgen. Je dichter die Abnehmer am Nahwärmenetz wohnen, umso besser.  

 
 
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