Energiewende im Kreis Ludwigsburg Bietigheimer bauen großen Solarpark an der A 81

Von Bigna Fink
Lukas Krüger, Projektleiter des Bietigheimer Unternehmens WPD (links), und Stefan Kegreiß, erster Beigeordneter Freibergs, verantworten den Bau der Solaranlage auf Feldern in Heutingsheim. Foto: /Oliver Bürkle

Neben dem Golfplatz Monrepos und der A81 plant die Stadt Freiberg mit WPD aus Bietigheim-Bissingen eine Freiflächen-PV-Anlage. Lokale Bauern sehen das Vorhaben kritisch.  

Aktuell steckt das Mega-Projekt der Stadt Freiberg noch in den Vorplanungen, nun wurde mit WPD eine Firma aus Bietigheim-Bissingen für die Entwicklung gefunden. Ende 2027 könnte schon mit dem Bau der Solaranlage angrenzend an die Autobahn 81 und den Golfplatz Monrepos begonnen werden.

Der Kreis Ludwigsburg setzt auf den Ausbau von Photovoltaik (PV) auf Freiflächen und das ist bemerkbar: Rund elf Hektar soll der Solarpark auf Freiberger Boden, angrenzend an Ludwigsburg, Tamm und Bietigheim, umfassen. In Markgröningen produziert seit dem 11. Mai mit rund sechs Hektar der erste Solarpark im Kreis grünen Strom. In Sachsenheim wird – mit um die 33 Hektar Fläche – aktuell eine der größten Freiflächen-PV-Anlagen in der Region geplant.

In Freiberg ist das Solarpark-Projekt auf Heutingsheimer Boden seit Juli 2025 beschlossene Sache. Von der Stadt aus wurde es gleichnamig zu dem Areal dort benannt: „Incher Hölle“. Trotz kritischer Stimmen aus der Landwirtschaft: Der Gemeinderat hatte damals mit großer Mehrheit dafür gestimmt.

Strom für rund 3500 Haushalte

„Wir haben auf drei großen städtischen Gebäuden bereits Photovoltaik und uns vor etwa drei Jahren gefragt, wo es noch Möglichkeiten für erneuerbare Energien gibt“, sagt Stefan Kegreiß, stellvertretender Bürgermeister Freibergs. Für die Windenergie sei Freiberg aufgrund der zu geringen Windkraftleistung kein Standort. „Da bleiben die Freiflächen übrig, die durch ihre Lage an der Autobahn dafür privilegiert sind.“ Sie gehören zu den sogenannten Vorranggebieten, im Regionalplan vom Verband Region Stuttgart festgelegte Flächen, die für die Nutzung von Solaranlagen als bevorzugt geeignet gelten.

Auf den Feldern sollen laut aktuellem Stand etwa 12,5 Megawattpeak pro Jahr Strom durch Sonnenlicht erzeugt werden. „Damit können rund 3500 Haushalte mit regenerativer Energie versorgt werden, das sind zwei Drittel der Haushalte Freibergs“, so Kegreiß.

Das Bebauungsplanverfahren wurde im Sommer 2025 eingeleitet. Vor Kurzem fand sich ein lokaler Projektentwickler: WPD, eine deutschlandweit und international tätige Wind- und Solarparkfirma mit Hauptsitz in Bremen und einer Geschäftsstelle am Bahnhof Bietigheim. „Große Klasse ist das für uns und alle zukünftigen Kunden“, freut sich Kegreiß, „die Firma vor der Haustür zu haben.“ Für WPD ist es das erste Solaranlagenprojekt in der Region Stuttgart. „Aufgrund der räumlichen Nähe zu unserer Niederlassung genießt das Projekt einen hohen Stellenwert“, sagt Lukas Krüger, Projektleiter von WPD in Bietigheim-Bissingen. Momentan geht das Unternehmen „von Investitionskosten im oberen einstelligen Millionenbereich aus“.

Blendwirkung auf A 81 prüfen

Derzeit werden sechs Gutachten verschiedener Interessenslagen bearbeitet. So wird geprüft, ob Module am Hang Richtung Autobahn aufgestellt werden können. „Für die Nutzung des Lärmschutzwalls bringen wir derzeit die Sicherheitserfordernisse der angrenzenden Autobahn mit der technischen Planung in Einklang“, gibt Krüger Auskunft. „Insbesondere darf es zu keiner Blendwirkung auf die Fahrer der angrenzenden Autobahn durch von den PV-Modulen reflektiertes Sonnenlicht kommen.“

Vier Flurstücke sind von dem Bau des Solarparks betroffen, davon sind bislang zwei Eigentum der Stadt und an Bauern verpachtet, die andere Fläche ist Privateigentum. „Bei der Abstimmung im Gemeinderat haben sich vier Landwirte enthalten und einer stimmte dagegen“, berichtet Jörg Ehrenberg, selbst Landwirt in Freiberg. Er sagt, viele lokale Bauern stünden den Plänen von Freiflächen-PV-Anlagen kritisch gegenüber. Dass es Interessenskonflikte mit Landwirten der betroffenen und angrenzenden Felder gibt, bestätigt Kegreiß. Dennoch hätten ihn bisher keine negativen Rückmeldungen zum Projekt von der Bürgerschaft oder der Landwirtschaft erreicht.

Landwirtschaft versus Klimaziele

„Wir befinden uns in einem Spagat zwischen der Gewichtung von Landwirtschaft, Naturschutz und Klimaschutz“, sagt Kegreiß, „es gibt hier kein Richtig und kein Falsch.“ Die Priorität dieses Themas sehe die Stadt jedoch in der lokalen Stromerzeugung durch erneuerbare Energien.

Ehrenberg bewirtschaftet 20 Hektar Land im Nebenerwerb. Auch hält der Familienbetrieb Pferde und Schafe. Von dem Projekt an der A 81 ist Ehrenberg nicht direkt betroffen, von der Thematik an sich schon: 2022 habe ein Solarparkbetreiber ihm einen Vertrag der Flächennutzung angeboten. „Ich habe diesen vom Bauernverband prüfen lassen und Änderungen vorgenommen.“ Danach sei kein Interesse mehr seitens des PV-Unternehmens an den Flächen gewesen.

„Es scheint bei den Solarparkbetreibern ein bisschen Goldgräberstimmung zu herrschen“, ist Ehrenbergs Eindruck. Mit hohen Pachtzahlungen versuche man Eigentümer zu locken. Die finanziellen Auswirkungen und Folgen für die Böden nach Ende der PV-Anlage in circa 30 Jahren seien nicht absehbar. Niklas Peters-Lindner, ein Bietigheimer Landwirt, der Felder in der Nähe der Projektflächen nutzt, sieht enorme steuerliche Risiken für die Bauern, insbesondere im Erbenfall. Peters-Lindner und Ehrenberg sind nicht per se gegen erneuerbare Energien. „Aber gerade hier in der Region, die dicht besiedelt ist und wo Ackerflächen knapp sind, ist es fraglich, diese fruchtbaren Böden der lokalen Lebensmittelproduktion wegzunehmen“, so Ehrenberg.

Auch der Naturschutz sei von dem Projekt betroffen, kritisiert Peters-Lindner. Er befürchtet, dass Wildtiere durch eine Einzäunung des Solarparks noch mehr eingeschränkt werden. Denn die Fläche wird eingezäunt. WPD-Projektentwickler Krüger: „Da das Projekt zweigeteilt ist und nach aktueller Planung ein Durchgang zwischen beiden Flächenteilen erhalten bleibt, sehen wir keine unüberwindbare Einschränkung für den Wildwechsel.“ Der Zaun werde kleintierdurchlässig, indem zwischen Zaununterkante und Boden ein Abstand von etwa 20 Zentimeter verbleibe.

Schafbeweidung unter Modulen

„Auf dem bislang als Ackerflächen genutzten Bereich wird eine Grünflächenansaat erfolgen, welche extensiv bewirtschaftet wird,“ fügt Krüger hinzu. Durch regionale Saatgutmischungen sei das Ziel, eine artenreiche Wiese zu entwickeln. „Zudem sind wir in enger Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde“, so Krüger.

Auch eine Beweidung durch Schafe sei denkbar, sagt Kegreiß von der Stadt Freiberg, was WPD bestätigt: „Hierzu haben wir in mehreren Projekten bereits gute Erfahrungswerte gesammelt.“

„Die Interessenskonflikte sind sehr ernst zu nehmen“, so Krüger. Es gelte, im gemeinsamen Dialog mit Gemeindevertretern und Bürgern Ängste abzubauen und Lösungen zu finden. Die Bürgerschaft solle sich einbringen können, sagt Kegreiß, etwa in Form einer Genossenschaft. Auch werde zeitnah die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit an dem Projekt angestoßen, sagt Krüger, und: „Bis zum Satzungsbeschluss finden noch mehrere öffentliche Beteiligungsrunden statt.“

Behördliche Prüfung für PV-Anlagen in der Region fällt weg

Die Reform der Landesbauordnung 2025 hat den Bau von Freiflächen-Solaranlagen vereinfacht. „Die baurechtliche Verfahrensfreiheit bedeutet allerdings keine allgemeine Genehmigungsfreiheit“, betont Franziska Schuster, Sprecherin des Landratsamtes Ludwigsburg. „Häufig bedarf es nunmehr einer eigenständigen naturschutzrechtlichen Genehmigung.“

Eine im März veröffentlichte Leitlinie des Landratsamtes soll als Orientierungshilfe für eine naturverträgliche und effiziente Planung von PV-Großprojekten dienen.

Seit dem 1. April 2026 sind zudem neue Flächen für PV im Regionalplan Stuttgart rechtsverbindlich, was den Bau im Außenbereich erleichtert.

Weitere Planungen und Anträge für Solarparks im Kreis befinden sich etwa in Möglingen, Schwieberdingen, Markgröningen, Sachsenheim und Vaihingen. bfi

 
 
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