Engagement Alternativplan für die Steillagen

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In einem Testlauf von zunächst drei Jahren will die Gemeinde Kirchheim mit der Finanzierung von 1,3 Stellen im Haushaltsplan mithelfen die Kulturlandschaft "Steillagen" zu erhalten.⇥ Foto: Martin Kalb

Die Gemeinde Kirchheim will in den Steillagenweinbau einsteigen und mit einem „Plan B“ die Kulturlandschaft vor dem Aus bewahren.

Alle Förderungen und Überlegungen für die Rettung der Steillagen reichen auch in Kirchheim nicht, um die aussterbende Generation älterer Wengerter zum Weitermachen zu bewegen. Die Bewirtschaftung der steilen Hänge ohne Maschinen ist zu mühselig, und Pächter bemühen sich eher um weniger steile Weinbauflächen, die mit viel weniger Aufwand bewirtschaftet werden können.

„Es ist so, dass sich immer mehr aus Altersgründen zurückziehen“, erklärte Kirchheims Bürgermeister Uwe Seibold, der hier selbst noch an einer steilen Stelle einen Weinberg hat. „Der Plan B ist, dass sich die Gemeinde zur Not einbringt, und diese Not ist eingetreten“, machte der Rathauschef auf der Sitzung des Gemeinderats deutlich. Zahlreiche Pächter hätten ihre Pachtflächen an den Eigentümer zurückgegeben, gleichzeitig sei es mehreren Eigentümern auch nicht mehr möglich, die Flächen aus gesundheitlichen oder Altersgründen zu bewirtschaften oder zu pflegen.

1,5 Hektar nicht bewirtschaftet

Bereits durch die Entwicklungen der Vorjahre und des zurückliegenden Winters sei eine Fläche von rund 1,5 Hektar nicht mehr in der Bewirtschaftung, durch die aktuellen Entwicklungen kämen weitere Flächen hinzu, was unterm Strich zwei bis drei Hektar und damit ein Drittel der Gesamtfläche an der Neckarschlaufe betreffe.

Dass dieser Bereich eine Kulturlandschaft ist, die erhalten werden muss, davon ist der gesamte Gemeinderat überzeugt. Viele Kirchheimer Familien haben ihre Wurzeln im Weinbau, der sich hier in seiner idyllischsten aber auch beschwerlichsten Form zeigt. Erleichterungen, wie sie im benachbarten Gemmrigheim mit einer Flurbereinigung angestrebt werden, sind hier kaum machbar. Mitten in der Neckarschlaufe ist der Hang so steil, dass kaum ein Arbeiten möglich ist. Den „Mittleren Weg“ auszubauen, der im Hang verlauft, ist als Lösung nicht machbar. Der Neckartalweg am Flussufer ist für viele der einzige Zugang zum Weinberg, und dort gibt es zuweilen Steine aus Trockenmauern, die dort landen. Der Weg muss aus verkehrsrechtlichen Gründen zum Schutz der Spaziergänger und Radfahrer gesichert werden, was die Kommune jährlich Geld kostet. Ein weiteres Problem treibt die Wengerter um, die der WG Stromberg-Zabergäu angeschlossen sind. Wenn hier im mittleren Bereich viele Flächen wegfallen, wird die gemeinschaftlich bezahlte Hubschrauberspritzung zu teuer und es drohen weitere Flächenaufgaben, wie auch in den Weinbergen Richtung Hohenstein.

Drei Jahre Testlauf

„Der Erhalt der Kulturlandschaft ist sicher eine öffentliche Aufgabe“, erklärte Seibold, der den „Plan B“ als Testlauf für drei Jahre sieht. Die Gemeinde will zunächst 1,3 Stellen schaffen und es soll auch eine schwarze Null erwirtschaftet und kein Zuschussgeschäft auf Dauer werden. Der Weinbau werde damit ein Posten im Haushaltsplan, der aber weniger Geld verschlinge als so manch andere Aufgabe der Gemeinde. Sponsoren und die WG sollen dabei helfen, das Projekt zu tragen, das das Landschaftsbild und die Kulturlandschaft erhalten will.

Schon länger gibt es aus diesem Grund den Steillagenförderverein, dessen Vorsitzender Thomas Nollenberger einige Ideen im Gremium präsentierte. „Dramatisch ist es direkt am Neckar, wo es extrem steil ist“, so Nollenberger. Ganz unten am Weg müsse der Hang gesichert werden, alte Rebstöcke müssten raus und es könnte hier ein Blühstreifen angelegt werden. Dann müsse ein Konzept folgen, was wo angepflanzt werden könne. Er kann sich vorstellen die Halbkreisfläche über dem Neckar in drei Teile zu gliedern: Nah am Ort könnten pilzwiderstandsfähige Sorten angebaut werden, in der sonnigen Südlage in der Mitte Premiumsorten und unterhalb der Weinterrasse Alternativsorten.

Breite Unterstützung gab es im Gemeinderat für das neue Projekt, das Nachahmer finden könnte. Eine schwarze Null sei nicht wichtig, denn es gehe um eine Grundaufgabe der Gemeinde, sagte CDU-Rat Tobias Vogt. Drei Jahre hielt er dafür für zu knapp bemessen. Gut wäre ein Auffangnetzwerk für Wengerter, die ans Aufhören denken, aber so vielleicht doch noch weitermachen, regte Hubert Deisinger von der Wählergemeinschaft an.

Einstimmiger Beschluss

Der Beschluss des Gremiums, nun mit den vorgestellten Plänen zu starten, fiel einstimmig. Es habe bereits einige Gespräche mit Wengertern gegeben, die ihre Flächen pachtfrei zur Verfügung stellten, so Bürgermeister Seibold. Mit dem nun anstehenden Winterschnitt der Reben soll das Projekt nun sofort beginnen.

 
 
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