Entscheidung über Bönnigheimer Schloss dauert noch mindestens ein Jahr Ausschreibung zum Jahresende fertig

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Wer künftig die Schlüssel für das Bönnigheimer Schloss erhält, darüber entscheidet der Gemeinderat frühestens Ende 2022.⇥ Foto: Martin Kalb

Es soll wieder Leben ins Schloss. Im Juni hatte der Gemeinderat mehrheitlich der Nutzung des Schlosses als Hotelbetrieb zugestimmt. Nun muss dafür eine Ausschreibung erarbeitet werden.

Als sich die Sammlung Zander nach 24 Jahren aus dem Stadionschen Schloss zurückzog, verlor Bönnigheim zwar keinen Besuchermagneten, aber doch eine namhafte Galerie, die Touristen anzog. Nahc dem Tod von Charlotte Zander, Gründerin der Sammlung, fiel die Entscheidung für einen Umzug weg von Bönnigheim, der im Jahr 2020 stattfand. Lange tat sich nichts, bis die Stadtverwaltung im Sommer erste Interessenten für eine Nachfolge präsentierte. Es ging dabei um die Nutzung des historischen Gebäudes als Galerie und Veranstaltungsort sowie eine weitere als Hotelbetrieb mit Tagungsräumen und für Veranstaltungen.

In nicht öffentlichen Sitzungen hatten sowohl der Pforzheimer Unternehmer und Hotelbetreiber Wolfgang Scheidtweiler als auch der Bietigheimer Galerist Rudolf Bayer ihre Konzepte vorgestellt. Bayer hatte unlängst das Freudentaler Schloss verkauft, in dem demnächst eine Privatklinik den Betrieb aufnimmt (die BZ berichtete). Brauereibesitzer Scheidtweiler ist in einigen Hotelbetrieben engagiert und hatte im Gremium seine Nutzung als Schlosshotel präsentiert.

Jährlich: 200 000 Euro

Rund 200 000 Euro verursacht das Schloss an jährlichen Kosten, und es wird seit dem Auszug der Sammlung Zander kaum noch genutzt. Ein paar Veranstaltungen und einige Trauungen fangen die Kosten nicht auf, die das Gebäude dauerhaft verursacht.

Ins Spiel gebracht wurde bei der Diskussion im Sommer auch der Kavaliersbau, der sanierungsbedürftig ist und mit im Paket sein könnte. Das hätte aber zur Folge, dass die Musikschule, das Jugendhaus und auch die Sudetendeutschen Landsmannschaft andere Räumlichkeiten bräuchten, was bald für Aufregung sorgte – und wiederum neue Kosten verursacht. Auch Inventar der benachbarten Vinothek wird hier gelagert, die im Nachbargebäude untergebracht ist. Im Moment stehe aber nur das Schloss zur Disposition, erklärt Kämmerer German Thüry, der gleichzeitig klarstellt: Was nicht genutzt wird, verfällt auf Dauer.

Für die Museumsstadt Bönnigheim sei dort eine Kulturstätte die ideale Nutzung, sagt Kurt Sartorius, Gründer des Schnapsmuseums und Vorsitzender der Historischen Gesellschaft. Den Umbau zu einem Hotel kann er sich nur schwer vorstellen. „Ich sehe das kritisch, weil sehr in die historische Bausubstanz eingegriffen werde“, unterstreicht Sartorius. Zu stark müssten die Räume verändert und mit sanitären Anlagen ausgestattet werden. Ob dies seitens der Denkmalschutzbehörde möglich sei, werde sich noch zeigen. Doch er ist skeptisch. „Es sollte nicht immer die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund stehen“, findet Sartorius, der das Schloss als Kulturort sieht.

Kaum vorstellbar sei die Verpachtung des Kavaliersbaus, weil alle dortigen Vereine und Einrichtungen neue Räumlichkeiten bräuchten. Auch sein Museum hat dort im zweiten Obergeschoss ein Lager, zudem sei im Dachgeschoss noch der Schwäbische Albverein untergebracht. Seine Idee: Man könnte das Erdgeschoss des Schlosses an Architekten und Werbetreibende vermieten und so einen Kulturbetrieb oder eine Galerie im ersten Stock finanzieren.

Momentan bereite man die Ausschreibung vor, erklärt Bürgermeister Albrecht Dautel, der sich bei der Abstimmung im Gemeinderat für eine Nutzung als Galerie und für Veranstaltungen ausgesprochen hatte. „Es gab noch mehr Interessenten“, verrät Dautel, nun aber gelte zunächst einmal der Gemeinderatsbeschluss. Die Einbeziehung des Kavaliersbaus sei wegen der unterschiedlichen Nutzungen „ein weiter Weg“. Bis Ende des Jahres soll die Ausschreibung fertig sein. Danach rechnet Dautel mit einem Jahr, bis dann eine Entscheidung des Bönnigheimer Gemeinderats für einen Interessenten getroffen sein wird.

 
 
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