Entsorgung Gemeinsame Sache beim Klärschlamm

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Für die Verwertung des Klärschlamms, der in der Besigheimer Kläranlage entsteht, wird die Stadt Mitglied des Zweckverbands Klärschlammverwertung Böblingen ⇥ Foto: Werner Kuhnle

er Gemeinderat stimmte der Gründung des Zweckverbands Klärschlammverwertung Böblingen zu: Eine geplante Klärschlamm-Monoverbrennungsanlage soll Entlastung bringen.

Nachdem bereits der Ausschuss für Umwelt und Technik in seiner Sitzung am 22. September zugestimmt hatte, bestätigte der Gemeinderat nun einstimmig den Beitritt zur Neugründung des Zweckverbands Klärschlammverwertung Böblingen (kbb). Ziel ist vorrangig die Verwertung des Klärschlamms einschließlich Phosphorrückgewinnung für die Verbandsmitglieder sowie unter Umständen die Rückgewinnung weiterer enthaltener Rohstoffe und die Verwertung der enthaltenen Energie. Dies schließt auch die Aufgabe mit ein, die Ausnutzung nicht ausgeschöpfter Verbrennungskontingente der Mitglieder zentral zu organisieren und zu vollziehen. Bei rund 700 Tonnen Klärschlamm im Jahr rechnet Besigheim mit einer Einsparung zwischen 21 000 bis 35 000 Euro.

Im Augenblick wird der in der Besigheimer Kläranlage anfallende Klärschlamm über eine rund 170 Kilometer lange Wegstrecke zu der aktuellen Entsorgungsstelle in einer Biogasanlage in Pfullendorf transportiert, eine Strecke, die dreimal so lang ist, wie die künftige nach Böblingen. Vor nicht allzu langer Zeit wurde der Besigheimer Klärschlamm nach Thüringen abgefahren. „Das geplante Logistikkonzept führt dazu, dass die Transporte sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich optimiert werden“, heißt es in der Einschätzung der Besigheimer Stadtverwaltung.

Geplante Fertigstellung: 2027

Mitte 2027 soll die Klärschlamm-Monoverbrennungsanlage des zu gründenden Zweckverbands kbb in Betrieb gehen. Der Zeitplan für die Umsetzung steht: Gründungsphase kbb bis Ende dieses Jahres, Erarbeitung der Planungsgrundlagen bis Mitte 2021, Planung, Genehmigung und Ausschreibung bis Ende 2024. Baubeginn ist für Anfang 2025 vorgesehen. „Dieser Zeitplan ist ambitioniert“, konstatiert die Besigheimer Verwaltung.

Die Klärschlammverbrennung ist laut Gesetzgeber und Umweltbundesamt die geeignetste Verwertungsmethode. Durch die Verbrennung kann einerseits der Energieinhalt des Klärschlamms genutzt werden und andererseits lässt sich auf diese Weise der Phosphor zurückgewinnen. Die bodenbezogene Verwertung von Klärschlamm, etwa als Dünger oder zur Deponierung, ist in Zukunft verboten. Auf diese Weise soll die Einbringung von giftigen  oder belastenden Stoffen, wie zum Beispiel Nitrate und Mikroplastik, in die Böden und damit in die Nahrungskette nachhaltig vermieden werden.

Hinzu kommt, Phosphor ist einer der weltweit wichtigsten Rohstoffe überhaupt. Er muss aus begrenzten Lagerstätten, die vornehmlich in Schwellenländern liegen, bergmännisch abgebaut werden. Es gilt der Leitsatz: Ohne Phosphor kann der Mensch nicht leben. Die Klärschlammverordnung schreibt vor, den im Klärschlamm enthaltenen Phosphor wieder nutzbar zu machen. Dies funktioniert großtechnisch durch die Rückgewinnung aus der Verbrennungsasche.

Transportkosten einsparen

Nun will der künftige Zweckverband kbb das Klärschlamm-Verbrennungskonzept am Standort des Restmüllheizkraftwerks Böblingen umsetzen: Die regionale Entsorgung spart Transportkosten und damit CO2. Durch die Verzahnung der geplanten Klärschlammverwertungsanlage mit der bestehenden Müllverbrennungsanlage können teils völlig neue Umweltteilprojekte angegangen werden und der Standort wird so zu einer beispielhaften Anlage für die nachhaltige und klimaschützende Nutzung von Abfällen und Klärschlamm ausgebaut. Zudem entsteht durch die regionale Entsorgung Arbeitsplatzsicherheit in der kommunalen Daseinsvorsorge. Am Standort werden darüber hinaus nicht nur Rohstoffe rückgewonnen, sondern es wird auch umweltfreundlich Wärme und Strom erzeugt. Somit lässt sich das Nutzungspotenzial der Fernwärme sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich nachhaltig ausbauen. Durch die energetische Verwendung des Abfalls sowie des Klärschlamms werden in der Region erhebliche CO2-Emissionen eingespart.

 
 
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