Entwurf des Flächennutzungsplans beschlossen Bönnigheim legt sich mit Region an

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Das Bönnigheimer Gewerbegebiet wird bisher von der Lauffener Straße (im Bild oben) im Norden begrenzt. Dabei soll es auch bleiben, sagt der Gemeinderat. Gegen den Willen der Region will er ein Gebiet im Süden der Straße ausweisen (rechts im Bild) ⇥ Foto: Werner Kuhnle

Der Gemeinderat drängt auf die Ausweisung eines neuen Gewerbegebietes entlang der Lauffener Straße. Dort aber befindet sich ein regionaler Grünzug.

Die Ausweisung eines neuen Flächennutzungsplanes geht selten ohne lange Diskussionen über die Bühne. Die Wünsche der Städte und Gemeinden nach neuen Flächen für Wohn- und Gewerbegebiete decken sich häufig nicht mit den Vorgaben der Region. Der Zank ist verständlich, denn immerhin legen die Kommunen mit dem Flächennutzungsplan die Basis für ihre Entwicklung in den kommenden 15 Jahren.

Mit dem Entwurf des Flächennutzungsplans für Bönnigheim, den der Gemeinderat in seiner Sitzung am Freitag verabschiedete, legt sich Bönnigheim jetzt in einem zentralen Punkt mit der Region an, und die Risiken in dieser Sache sind nach Ansicht von Bürgermeister Albrecht Dautel aber auch des Gemeinderats selbst hoch. Konkret geht es um die Ausweisung neuer Gewerbeflächen entlang der Lauffener Straße. Der Gemeinderat besteht darauf, im Anschluss des bestehenden Gewerbegebietes, im Süden der Lauffener Straße, eine Fläche von 6,6 Hektar als mögliches Gewerbegebiet auszuweisen. Dort aber zeigen die Pläne einen regionalen Grünzug, der Verband Region Stuttgart hatte bereits bei der Beratung  des Flächennutzungsplans darauf hingewiesen, dass eine Genehmigung sehr fraglich sei.

Von Region unbeeindruckt

Doch davon zeigte sich der Gemeinderat unbeeindruckt. Denn die Alternative kommt für die Stadträte nicht in Frage. Sie besteht in der Ausweisung des Gewerbegebietes im Norden der Lauffener Straße. Die Straße müsste also überquert werden. Dabei wäre es viel einfacher, die Bebauung im Süden fortzusetzen, wo bestehende Anschlüsse lediglich verlängert werden müssten.

Den Beschluss, an den eigenen Vorstellungen festzuhalten, hatte der Gemeinderat in nicht-öffentlicher Sitzung bereits im Juni gefasst. Stadt Jürgen Carstens (Grüne) drängte darauf, daran festzuhalten. Wie nach ihm andere Redner aus allen Fraktionen wies er darauf hin, dass eine Bebauung beiderseits der Straße das Stadtbild wesentlich beeinträchtigen würde. Wer auf Bönnigheim zufährt, müsste für den Fall einer Gewerbeansiedlung im Norden der Straße erst durch ein Industriegebiet fahren.

„Wir sollten standhaft bleiben“, sagte Hans-Martin Jäger. Der Sprecher der Fraktion UWG ist überzeugt, dass bei der Region „eine Tür aufgeht“.  Denn sie selbst drängt Kommunen auf die Ausweisung von Gewerbegebieten, argumentierte er. Er und andere, darunter Frank Müller von der Fraktion FWV/CDU, brachten ins Spiel, einen Antrag auf eine Änderung des Regionalplans bei der Region zu stellen und damit das Problem des regionalen Grünzugs aus der Welt zu schaffen. Darüber müsste die Regionalversammlung entscheiden.

Als einziger stimmte Bürgermeister Albrecht Dautel gegen dieses Vorgehen im Flächennutzungsplans. Er sieht die Gefahr, dass die Region diesen Plan ablehnt und damit Bönnigheim auf 15 Jahre hinaus nur noch sehr eingeschränkte Möglichkeiten auf eine Entwicklung der Gewerbeflächen hat. Wie Dautel im Gespräch mit der BZ betonte, habe Bönnigheim seinerzeit keine Einwände gegen den Regionalplan und damit gegen den Grünzug erhoben.

Wohngebiet in Hofen

Ganz ähnlich liegt die Problematik bei der Ausweisung eines Wohngebietes am Postweg in Hofen. Dort begrenzen sich die Pläne auf den 2,4 Hektar großen nördlichen Teil, weil im Süden ebenfalls ein regionaler Grünzug ausgewiesen ist. In diesem Fall allerdings folgte der Gemeinderat dem Drängen der Region und verabschiedete diesen Teil einstimmig. Und das, obwohl ausgerechnet dort, wo das neue Wohngebiet entstehen könnte, eine Streubobstwiese durch ein Wohngebiet zerstört werden würde. Darauf wies Stadträtin Dorothea Bechle-Rüster von der SPD hin. Bestärkt wurde sie von Hans-Martin Jäger: „Wir würden gerne die Streuobstwiese erhalten, dürfen es aber nicht.“

 
 
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