Erdbeben in Haiti - Auswirkungen auf Bietigheim-Bissinger Projekt Dano bleibt diesmal verschont

Von Mathias Schmid
Matthias Eigel (oben links) bei einem seiner Besuche in Dano, wo das Projekt „Haiti wir helfen“ eine Schule für zahlreiche Kinder gebaut hat und immer noch ausbaut.⇥ Foto: Eigel

Die Schule des Hilfsprojekts „Haiti wir helfen“ ist vom Erdbeben auf dem Inselstaat nicht betroffen. Matthias Eigel sieht trotzdem Auswirkungen.

Das Erdbeben in Haiti hat das Elend in Haiti noch einmal verschärft. Matthias Eigel, Vorstand von „Haiti wir helfen“, kann immerhin für die Schule des Bietigheim-Bissinger Hilfsprojekts in Dano Entwarnung geben. In den Knochen sitzt das Beben den Menschen aber trotzdem.

Es hat ein paar Tage gedauert, bis Eigel ein genaues Bild von der Situation vor Ort geliefert bekommen hat. „Wir wussten auch lange nicht, wie es vor Ort aussieht. Wir haben die Botschaft, andere Organisationen, das Krankenhaus in Port au Prince kontaktiert. Als wir endlich Rückmeldung bekommen haben, waren wir sehr dankbar.“ Vor allem, weil weder die Schule in Dano vom Beben betroffen war, noch Bekannte und Verwandte zu Schaden gekommen sind.

Das Erdbeben der Stärke 7,2 hatte vor rund einer Woche den Südwesten Haitis erschüttert, mehr als 130 000 Häuser wurden dem Erdboden gleichgemacht. Mehr als 2000 Todesopfer gibt es. Hinzu kam ein Hurrikan, der kurz darauf über dasselbe Gebiet zog.

2010 hatte die Erde in Haiti ebenfalls heftig gebebt. Damals lag Dano nur etwa 30 Kilometer vom Epizentrum bei der Hauptstadt Port au Prince entfernt. Als Folge des Bebens entstand damals das Projekt „Haiti wir helfen“. Mithilfe von erfahrenen Kräften vor Ort wurde die einsturzgefährdete Schule komplett neu aufgebaut. Heute bietet sie Platz für gut 200 Schüler.

Menschen aufgeschreckt

Und die können den Lernort auch weiterhin besuchen. „Bei uns an der Schule und in der Region ist nichts passiert. Man hat das Erdbeben zwar gespürt – und zwar ziemlich heftig. Aber das Ganze hat wohl mehr in der Psyche stattgefunden“, gibt Eigel die Berichte von vor Ort gegenüber der BZ wieder. In dem weitläufigen Gelände, wo die Leute oft in kleinen Hütten leben, seien viele aufgeschreckt auf der Straße herumgerannt. „Einige haben sich wohl auch um die Schule herum getroffen“, berichtet Eigel.

Sorgen machten Eigel und Co. sich zunächst um zwei Lehrer, die aus dem Erdbebengebiet im Südwesten kommen. Zunächst war die Kommunikation zu ihnen abgeschnitten. Dann aber die Entwarnung: Einem davon hätte es zwar das Haus zerstört, aber beide seien wohlauf.

Was in dem Inselstaat jetzt passiert ist, erinnert Eigel sehr an das Beben von vor elf Jahren: „Wenn man die Bilder jetzt anschaut, ist es eine ähnliche Katastrophe wie 2010, außer dass der Süden nicht so dicht besiedelt ist wie die Region um die Hauptstadt.“

Für die Arbeit von „Haiti wir helfen“ könnte die Tragödie sogar positive Effekte haben, „so schlimm sich das anhört“, meint Eigel. Aber durch das erneute Unglück würden die Augen erneut auf Haiti gerichtet. Schon jetzt verzeichne er eine ansteigende Spendenbereitschaft. Und er habe bereits Anfragen aus ganz Deutschland, aber auch aus dem Nachbarstaat, der Dominikanischen Republik, erhalten. Die Leute wollen wissen, wie sie am besten helfen können. Eigel versucht dann, entsprechende Kontakte zu vermitteln.

Ansporn für Hilfsprojekt

Ein weiteres Hilfsprojekt könnten die Bietigheim-Bissinger Ehrenamtlichen aber nicht stemmen. „Das ergibt überhaupt keinen Sinn, wir würden uns völlig verzetteln“, erklärt der Vorstand. Kleinere Hilfsaktionen könne er sich aber vorstellen: zum Beispiel Geld für den obdachlosen Lehrer organisieren, damit dieser sich eine neue Hütte bauen kann. Das erneute Unheil auf Haiti „spornt uns noch mehr an“, sagt Eigel. Denn es zeige einmal mehr, wie wichtig die Unterstützung ist. „Die Schule ist auch ein gesellschaftlicher Verbindungsort. Am Wochenende treffen sich im Schulhof die Familien. Und wenn es was zu kommunizieren gibt, ist das der Ort dafür.“

 
 
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