Erligheim Bürgermeister: „Nicht ins Jammertal verfallen“

Von Yannik Schuster
Bürgermeister Rainer Schäuffele vor dem Rathaus in Erligheim. Diverse Projekte werden das Gesicht des Ortskerns in den kommenden Jahren stark verändern. Foto: /Oliver Bürkle

Viel vorgenommen hat sich die Gemeinde für die Zukunft. Bürgermeister Rainer Schäuffele blickt positiv auf bereits Erreichtes und kommende Herausforderungen.

In der Vorausschau auf das Jahr 2023 hatte Erligheims Bürgermeister Rainer Schäuffele von einem „Planungsjahr“ gesprochen – und sollte damit Recht behalten. Diverse Bauprojekte habe man im zurückliegenden Jahr vorangetrieben, sagt er im Jahresgespräch mit der BZ.

Zum einen ist da das Areal Grüner Baum/Große Scheune, von Schäuffele gerne als „Jahrhundertprojekt“ betitelt. Es ist das mit Abstand größte Projekt der Gemeinde. Insgesamt 66 Wohnungen, eine Gastronomie und eine Arztpraxis, dazu eine Tiefgarage und ein Hof mit Aufenthaltsqualität sollen auf dem Areal mitten im Erligheimer Ortskern entstehen. „Im Grunde läuft alles nach Plan“, so Schäuffele. Der Bauantrag ist mittlerweile gestellt, der Bauträger sei ob der noch anstehenden Vermarktung optimistisch. Diese werde durch die allgemeine wirtschaftliche Lage zwar erschwert, allerdings: „Vielleicht ist das für den Ort sogar verträglicher, wenn das etwas entzerrt wird.“ Aktuell laufen auf dem Gebiet noch Grabungsarbeiten – auf dem Areal wurden spätmittelalterliche Strukturen aufgedeckt – ehe im Sommer die Bauarbeiten beginnen sollen. Mit der Fertigstellung wird frühestens 2027 gerechnet.

Ortskern verändert sich

Es ist nur eins von zahlreichen Projekten, die das Erligheimer Gesicht in den kommenden Jahren verändern werden. Das Alte Rathaus im Ortskern wird saniert und im Obergeschoss mit zwei Wohnungen ausgestattet, das Rathaus erhält einen Aufzug. Perspektivisch steht zudem ein Neubau des Bauhofs und eine Erweiterung des Krippenhauses an.

Für den Haushalt der Gemeinde ist das trotz guter Ausgangssituation eine enorme Herausforderung. „Wir können die Projekte nicht alle aus dem Ergebnishaushalt stemmen.“ So lernt Schäuffele auch nach 18 Jahren als Bürgermeister noch neue Seiten des Jobs kennen: Ein Darlehen für die Gemeinde habe er noch nie aufgenommen, ab 2025 werde man jedoch nicht mehr darum herumkommen.

Auch wenn derzeit viel für die Zukunft geplant werde, sei man 2023 nicht untätig gewesen. Der barrierefreie Umbau der Bushaltestelle ist auf einer Seite abgeschlossen, die andere Seite musste witterungsbedingt in das neue Jahr verschoben werden. Ab nächster Woche sollen auch hier die Bagger rollen. Weiter habe man die Notstromversorgung bei der Feuerwehr sichergestellt. Diese soll als Katastrophenschutz-Leuchtturm fungieren. Ein persönliches Highlight des Bürgermeisters war die reibungslose Eröffnung des Naturkindergartens im September. Zudem habe man endlich das Kleinspielfeld fertigstellen können.

Die Gemeinde weiter stark beschäftigt habe der Kauf von zwei Gebäuden im Ortskern zur Unterbringung geflüchteter und obdachloser Menschen. Eines der beiden Gebäude sei bereits mit Ukrainern belegt. Zudem habe der Landkreis ein Gebäude im Gewerbegebiet angemietet, indem bis zu 23 Geflüchtete untergebracht werden können. Für das Jahr 2024 sei man in dieser Hinsicht gut gewappnet, so der Erligheimer Bürgermeister.

Kommunale Zusammenarbeit

Auch in Zukunft werde man verstärkt auf kommunale Zusammenarbeit angewiesen sein, sagt Schäuffele. Beispielhaft dafür steht das Aufgeben des eigenen Häckselplatzes, den man eigentlich gerne behalten hätte. Aufgrund der finanziellen Belastung einer dringen notwendigen Sanierung entschloss man sich jedoch dazu künftig auf den Bönnigheimer Platz, der ohnehin in unmittelbarer Nähe liegt, zurückzugreifen. „Solche Entscheidungen werden wir künftig öfter treffen müssen.“ Im Bereich der Kläranlage wird das bereits spürbar: Zum Jahresbeginn hat Bönnigheim die Betriebsführung der Erligheimer Anlage übernommen und auch beim Standesamt war das lange Zeit so geregelt. Auch bezüglich einer möglichen Potenzialfläche für eine Windkraftanlage, werde man eng mit Bönnigheim zusammenarbeiten, so verläuft die ausgelotete Potenzialfläche schließlich über die Gemarkung beider Gemeinden.

Die Klimaschutzbemühungen der Gemeinde werden ein Fokus der kommenden Legislaturperiode, sagt Schäuffele. Im Bereich Photovoltaik sei man schon immer im Spitzenfeld. Aktuell laufen Überlegen die August-Holder-Halle damit auszustatten, allerdings wäre wohl zunächst eine umfangreiche Dachsanierung notwendig. Bei der kommunalen Wärmeplanung stehe man jedoch noch ganz am Anfang. Im Konvoi mit Bönnigheim und Kirchheim wolle man das Thema angehen. Schäuffele hofft dabei auf eine Initialzündung durch das Areal Grüner Baum/Große Scheune, da das entsprechende Planungsbüro auch ein Angebot für die Wärmeplanung unterbreitet habe. „Man muss positiv bleiben und nicht immer gleich ins Jammertal verfallen.“

Ein Extralob hat Schäuffele für das ehrenamtliche Engagement im Ort übrig. Allen voran bei den Weintagen sei das gute kommunale Zusammenleben unter Beweis gestellt worden. „Man kann viel bauen aber wenn es nicht mit Leben gefüllt ist, dann funktioniert es nicht.“

 
 
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