Mit einem „ihr zwei geht jetzt mit“ begann es: Rolf Karle saß bei einem Freund, ein anderer nahm die beiden Jugendlichen kurzerhand mit. 72 Jahre ist das nun her, dass er 1954 beim Erligheimer SKV Mitglied wurde. Im selben Jahr begann er auch beim Liederkranz zu singen, die formale Mitgliedschaft kam im Folgejahr.
Erligheim Chef der Weintage und Glücksfall für die Vereine
Rolf Karle wurde Ehrenbürger: Die Gemeinde dankte ihm sein 70-jähriges Engagement mit einem Festakt.
Damit begann eine lange Karriere des Ehrenamts, die ihn am Mittwoch in die August-Holder-Halle führte, bei vollem Saal und langen Standing Ovations: Familie, Weggefährten, Vereinsfreunde und damit wohl ein Gutteil Erligheims hatte sich versammelt, um sein Engagement zu ehren. Rolf Karle wurde der inzwischen dritte Ehrenbürger Erligheims.
Jüngere Geschichte ehrenamtlich geprägt
Karles Weg durch die Ehrenämter ist dabei zu einem Gutteil die jüngere Geschichte Erligheims: Bei der Einweihung des neuen Sportplatzes an der Hofener Straße 1966 wirkte er an der Errichtung des Sportheims mit Ausschank mit, zunächst bis zur Einweihung der Halle 1974 als Baracke. 1968 organisierte er als Schriftführer das 125-jährige Jubiläum des Liederkranzes mit: In einer langen Generalversammlung im Gasthaus Traube wurde das große Festzelt und der Umzug mit den vielen Gesangs- und Musikvereinen beschlossen.
Im SKV wurde er 1969 bis 1972 Vorsitzender: Die A-Jugend, die später Bezirksmeister wurde, entstand in dieser Zeit. Die Einweihung der Mehrzweckhalle folgte dann 1974, ein insgesamt dreitägiges Fest wurde organisiert. 1976 war Karle auch bei dem ersten Straßenfest federführend dabei, ebenso dann bei der 1200-Jahr-Feier Erligheims 1993.
Teil des Festprogramms wurden die ersten Erligheimer Weintage. Denn die Feierlichkeiten fanden im großen Festzelt statt, da wollte man noch eine Attraktion für den Ortskern. Die Weintage fanden dann im Wechsel mit dem Straßenfest jedes zweite Jahr statt, nach dem Aus des Straßenfests 2016 auch jährlich.
16 Weintage im Alleingang organisiert
Das Fest wurde Karles großer Verdienst für Erligheim: Bis 2019 organisierte er die insgesamt 16 Weintage so gut wie im Alleingang, auch die Abrechnung machte er. Insbesondere die kluge Finanzierung und das kaufmännische Geschick zeichneten ihn hierbei aus. Erst nach 2022 bekam er Unterstützung, 2025 ging die Organisation endgültig in neue Hände – nach nicht weniger als 20 Weintagen.
Von „außerordentlichen ehrenamtlichen Verdiensten“ sprach Bürgermeister Rainer Schäuffele, der den Geehrten gut kennt: Vor den Weintagen war er quasi ununterbrochen im Rathaus, reichte Listen ein, klärte Details ab. Es gebe keinen Bürger, der öfter im Rathaus sei, ist sich der Bürgermeister sicher, „da übertrifft er auch die Gemeinderäte deutlich“. Gemeinderat war Karle aber auch, insgesamt 16 Jahre, 1968 bis 1985. „Ein ehrlicher Makler“ für die Interessen der Vereine, der dabei aber auch die Gemeinde nicht aus dem Blick verlor, ist sich Schäuffele mit seinem Amtsvorgänger Albert Leibold einig.
Während des Fests gab es schon nur zwei Stunden Schlaf, erzählt Karle nach der Ehrung schmunzelnd von den Strapazen als Organisator. Dabei freut er sich schon auf die 21. Weintage diesen Sommer. Er selbst hielt seine Dankesrede kurz: „Ich hoffe, dass die Weinfeste noch lange bestehen und dass Erligheim viel Freude daran hat.“
50 Prozent der Verdienste gehen auch auf seine Frau Gerda zurück, unterstreichen Freunde der Familie, und auch Rolf Karle bestätigt: Die Ehe war ein Pfeiler seines Engagements, sonst hätte er die Kinder (im Publikum saßen schon seine Urenkel) und den Beruf nicht unter einen Hut bekommen. Mit 85 habe er mal darüber nachgedacht, kürzer zu treten – aber er sei in der Planung des Fests schon so verstrickt gewesen, dass man dann nicht gewusst hätte wie weiter, lacht er.
Nicht weniger als „ein Glücksfall für die Erligheimer Vereine“, nannte ihn der Liederkranzvorsitzende Herbert Mayer. Seine Sängerkollegen sangen an diesem Ehrentag nicht mit – sondern für ihren Tenor.
Erligheims dritter Ehrenbürger zeigt so mit seinem Leben, wie viel man durch ehrenamtliches Engagement in einer Gemeinde bewegen und erreichen kann – und wie viele Freunde und Glück man dadurch gewinnt.
