Quasi in letzter Minute drehte sich in Erligheim ein eigentlich gutes Jahr 2025 ins Negative. Denn für Bürgermeister Rainer Schäuffele überlagert die Hiobsbotschaft von der Insolvenz des Bauträgers für das Areal Grüner Baum/Große Scheune – das Erligheimer Jahrhundertprojekt – und die damit verbundene Unsicherheit über die Zukunft des Ortskerns alles andere. Anfang Dezember meldete die Firma Jako Baudenkmalpflege Insolvenz an. Eigentlich hätte im kommenden Jahr der Baustart erfolgen sollen. Ob das Vorhaben überhaupt noch umgesetzt wird und wenn ja, wie, steht nun wieder in den Sternen. „Das ganze muss sich neu strukturieren“, sagt der Bürgermeister, der nun händeringend nach einem Investor sucht.
Erligheim Die Hiobsbotschaft kam im Dezember
Für Bürgermeister Rainer Schäuffele trübt die Insolvenz des Bauträgers für das Areal Grüner Baum/Große Scheune ein ansonsten gutes Jahr 2025 deutlich ein.
Schöne Momente gab es 2025 allerdings auch: Der Rathauschef nennt beispielhaft die Partnerschaftsfeier in Markersdorf zum 25-jährigen Jubiläum. 85 Erligheimerinnen und Erligheimer sind dafür nach Sachsen gefahren. Für 2026 bereite man den Gegenbesuch vor.
Fortschritte bei den Rathäusern
Aber auch baulich habe sich so manches getan, berichtet Schäuffele. Zu sehen ist dies noch deutlich am eingerüsteten Alten Rathaus. Hier wird der Dachstuhl saniert und das Obergeschoss in zwei Wohnungen umgewandelt. Bis zum Sommer werde die Baumaßnahme die Gemeinde beschäftigen, dann müsse für die Weintage zumindest das Gerüst abgebaut sein. Man komme zwar voran, doch die Arbeiten seien umfänglich, weiß Schäuffele. „Zwischendurch wird da nur noch ein Gerippe stehen.“ Gegenüber, am neuen Rathaus, habe man den barrierefreien Umbau mit einem Aufzug vollzogen. Etwas verzögert habe sich in diesem Zusammenhang die Sanierung der Glasfassade des Rathauses. „Das ist Detailarbeit, weil das Rathaus schon etwas verspielt gebaut worden ist“, sagt der Bürgermeister. Anfang 2026 soll aber auch diese Maßnahme abgeschlossen werden.
Als größtes Vorhaben 2026 steht derweil die Sanierung der Rathausstraße und der Bachstraße sowie der Neubau der Brücke über den Ensbach auf dem Programm. In diesem Zuge sollen auch die dortigen Kanalisationsprobleme behoben werden, um bei einem künftigen Starkregenereignis besser gewappnet zu sein. So soll der Wetteplatz angehoben, die Kanalisation ausgebaut und ein kleiner Überlauf auf einem schmalen Grundstück zwischen der Rathaus- und der Hauptstraße eingerichtet werden. Auf den offiziellen Zwischenbericht zur Starkregenrisikountersuchung durch die Stadtwerke Bietigheim-Bissingen warte man aber noch. Auf einer Einwohnerversammlung soll schließlich darüber informiert werden.
Eine weitere Einwohnerversammlung, die möglichst noch im ersten Quartal erfolgen soll, werde sich indes mit dem Thema Windkraft befassen. Der Regionalplan sieht eine Fläche dafür vor, die teilweise auf Erligheimer Gemarkung liegt. Da die Stadt Bönnigheim ein anderes Gebiet bevorzugt, habe man sich mit einem Projektträger verständigt, aus wirtschaftlichen Gründen zwei Windkraftanlagen im Gemeindewald zu planen, sagt Schäuffele. „Im Gemeinderat gibt es dafür eine deutliche Mehrheit.“ Dass diese Pläne auch Kritiker auf den Plan rufen werden, weiß der Bürgermeister. „Die Leute werden sagen, man würde die Landschaft verschandeln. Aber ich sage, man verschandelt sie nicht, man verändert sie. Das ist meine feste Überzeugung.“
Auch anderweitig habe man in Sachen Klimaschutz Fortschritte erzielen können: Bei der Sanierung des Rathauses habe man eine Photovoltaikanlage inklusive Notstromversorgung auf dem Rathausdach installiert.
Geld bleibt knapp
Finanziell bleibt die Lage in Erligheim angespannt. „Wir stehen zwar nicht vor einem Sturm aber die Wolken sind schon sehr dunkel. Wir sind einfach nicht in der Lage unseren Ergebnishaushalt auszugleichen.“ Das liege insbesondere an den hohen Personalkosten, wovon 67 Prozent auf die Kinderbetreuung entfallen.
Dazu mache der massive Einbruch der Gewerbesteuer der Gemeinde zu schaffen. Obwohl im vergangenen Jahr der Hebesatz um 30 Punkte erhöht wurde, liege man deutlich unter dem Vorjahresergebnis. Dagegen stagnieren die Einnahmen durch die Einkommenssteuer. Im Zuge der Konsolidierung müsse man deshalb auch über vermeintlich kleine Dinge sprechen. Allerdings dürften dabei keine Strukturen zerstört werden. „Man wird alles auf den Prüfstand stellen.“ Das Sondervermögen des Bundes könne zwar kurzfristig Abhilfe schaffen, löse aber nicht das Strukturproblem. Schäuffele versucht trotzdem das Positive zu sehen: „Ich glaube, dass aus der Not heraus die interkommunale Zusammenarbeit gestärkt werden wird.“
Für das Jahr 2026 wünscht sich der Bürgermeister am meisten, dass sich ein Investor findet, der das Areal Grüner Baum/Große Scheune mit seiner bisherigen Planung doch noch rettet. Worauf er sich besonders freut? „Auf die Begegnungen bei den Weintagen und den Festen.“
