Erligheim leidet unter seiner historischen Bausubstanz. Diesmal ist es das Gebäude der Ortsbücherei aus dem 17. Jahrhundert in der Rathausstraße 11, das mit seinem schönen Sichtfachwerk in der Ortsmitte steht. Dessen südliche Giebelwand ist dringend sanierungsbedürftig, zeigt der Bericht der Tragwerksuntersuchung.
Erligheim Fachwerkschäden verursachen untragbare Kosten
Massive Schäden am Gebäude der Ortsbücherei machen eine teure Sanierung in den nächsten zwei Jahren nötig. Die letzte Sanierung fand 2010 statt.
Schäden reihen sich aneinander
„Man muss sich nicht einmal sehr konzentrieren, dass man die Schäden sieht“, erklärte Volker Wurst vom Ingenieurbüro Grau aus Bietigheim-Bissingen den Gemeinderäten am vergangenen Donnerstag. In seiner Präsentation reihten sich die Aufnahmen der Schäden aneinander: Der Anstrich aus Kunstharzlacken löst sich von den Fachwerkhölzern. In nahezu allen Gefachen weist der Putz Schäden in Form von Rissen, Ausbrüchen und Abplatzungen auf.
In einzelnen Gefachen hat sich der Oberputz vollständig von seinem Untergrund abgelöst. Im ersten Dachgeschoss sorgt in Fugen zwischen der Ausmauerung beziehungsweise dem Putz und den Fachwerkhölzern eindringendes Wasser für Pilzbildung. Der über die Fachwerkwand überstehende Sandsteinsockel wurde mit einer Betonschicht überzogen, auch hier staut sich Wasser ins Holz, ebenso unter dem Flachstahlband auf dem Fachwerk.
Das Gebäude nähere sich einem kritischem Zustand an, „das hätten wir uns nicht erhofft, dass es nach zehn Jahren so aussieht“, sagte Bürgermeister Rainer Schäuffele im Rückblick auf die letzte Instandsetzung 2010, als das Gebäude mit Mitteln des Landessanierungsprogramms umfassend umgebaut und saniert wurde. Eine erneute Förderung der Sanierung aus Mitteln des Landessanierungsprogramms ist daher nicht möglich.
Die geplante Gesamtzeit der Sanierung dürfte bei 18 Wochen liegen. Aufgrund der massiven Schäden sollte man sie in den nächsten zwei Jahren angehen. Die Kosten: rund 230.000 Euro. Im Haushaltsplan 2026 sind bislang lediglich 100.000 Euro veranschlagt. „Will man das?“, fragte Ulrich Steimer (EB). Für das ganze Gebäude würden doch dann absehbar 500.000 Euro fällig, es gehe aktuell ja nur um die Südfront. Er ist für Putzfassade und Wärmedämmung, da bewege man sich eher bei 50.000 Euro. Ingenieur Wurst sagte, dass die Variante schon günstiger wäre, aber nicht viel, er würde mit 350.000 Euro rechnen. Allerdings wäre das wahrscheinlich eine „wartungsärmere Fassade.“ So einen Schritt müsse man ohnehin mit dem Denkmalamt abklären, fügte Bürgermeister Schäuffele hinzu.
Ralf Frank (FEW) äußerte die Idee einer hinterlüfteten Holzfassade, die vor der eigentlichen Fassade stünde. Auch er findet: „Eigentlich können wir uns das nicht leisten.“ Aber auch bei dieser Option müssten die Schäden in der Fassade raus, so Wurst: „Der Pilz ist drin“, er wolle seine Hand nicht ins Feuer legen, dass der sich nicht weiterentwickele und die Statik des Gebäudes gefährde. „Es ist schon die Frage, ob wir alle unsere Gebäude erhalten können“, so Schäuffele. „Uns läuft das Geld für die Denkmäler davon.“ Auch Gustav Schabinger (EB) fand: „Wenn das Denkmalamt nicht eingreift, können wir uns das nicht leisten.“ Beim Termin mit dem Denkmalamt will Schäuffele das ausloten. „Wir müssen den Behörden zeigen, wir sind am Ende mit unseren Finanzen. Landratsamt und Denkmalamt müssen sagen, wie sie uns entgegenkommen können.“
