Erligheim Im Albtraumszenario Ruhe bewahren

Von Jonathan Lung
Feuerwehrübung von drei Wehren mit Schülern der Grundschule Erligheim-Hofen. Foto: /Martin Kalb

Die Feuerwehren Erligheim und Bönnigheim simulierten einen Brand in der Schule – mit Unterstützung der Grundschüler. 

„Wer will denn noch mitmachen?“, fragte der Erligheimer Kommandant Jan Rothenburger am Mittwoch – und war sofort von einer Schar von jungen Grundschülern umringt, die lautstark ihre Bereitschaft erklärten. Als sich schon die Sirenen näherten, schob ein Vater noch seine Tochter durch die Schultür in eins der Klassenzimmer. Aus der eigenen, brennenden Grundschule Erligheim-Hofen gerettet werden – wann hat man dazu schon mal die Möglichkeit?

Das Einsatzszenario der Erligheimer Wehr, die mit drei Fahrzeugen anrückte, und von der Feuerwehr Bönnigheim mit sechs Fahrzeugen unterstützt wurde, war eigentlich ein reiner Albtraum: Feuer im Mehrzweckraum der Schule, der Rauch breitet sich in Flur und Treppenhaus aus und schließt 18 Schüler in einem Zimmer im Erdgeschoss und elf in einem im ersten Stock ein. Sich noch schnell durch den Rauch zur Eingangstür durchzuschlagen wäre keine gute Idee, weiß Rothenburger: im Rauch gelte die drei-Atemzug-Regel – danach wird man ohnmächtig.

Schnelles Handeln nötig

„Kinder und auch generell Personen in Not reagieren nicht mit normalem Menschenverstand“, ist dem Kommandant klar: dass sie vorbildlich in den Zimmern bleiben und idealerweise noch die Türschlitze mit feuchten Tüchern abdichten, sei eher unwahrscheinlich. Also ist schnelles Handeln gefragt, als die Einsatzkräfte um 18.43 Uhr mit lauter Sirene eintreffen: einige Feuerwehrleute tragen schon ihre Atemschutzmasken, als sie aus dem Fahrzeug springen. Zügig werden die Sauerstoffflaschen angeschlossen.

Die Schultür wird geöffnet – und dahinter steht nur noch eine weiße Wand aus Rauch, es gibt so gut wie keine Sicht. Die Schläuche werden ausgerollt, ein Trupp geht rein. Brand löschen und entrauchen ist das Ziel. Das Einsatzszenario sieht vor, dass der Aufenthaltsort der Schüler bekannt ist – „sonst müssten wir natürlich das ganze Gebäude absuchen“, bestätigt der Kommandant. Nun aber gehen die Helfer davon aus, dass die Schule die fehlenden Klassen selbst ausgemacht hat: denn im Brandfall sammelt man sich auf dem Parkplatz und zählt durch.

Ein wichtiger Teil der Übung fehlt aber: die Drehleiter aus Besigheim war parallel beim Brand der Aussegnungshalle im Einsatz (die BZ berichtete). Mit ihr sollten eigentlich die Schüler aus dem ersten Stock gerettet werden. Nun muss man eine Alternative finden: Leitern werden an das Vordach gestellt, angeseilt wird eine Schülerin durch das Fenster gerettet. Die anderen werden über das entrauchte Treppenhaus geführt. Die Schüler im Erdgeschoss wurden ebenfalls durch das Fenster gerettet.

Am Seiteneingang wird noch das Aufbrechen der Tür simuliert, und aus dem Schlauch schießt eine Wasserfontäne aufs Dach der Schule. Routine in die Abläufe bringen, das ist der Hauptzweck der Übung, erklärt Kommandant Rothenburger: „Im Ernstfall einen ruhigen Ablauf bewahren“, sei das Ziel, „Ruhe reinbringen.“

Seltene Übung mit Kindern

Übungen mit so vielen Kindern, die nicht von der Jugendfeuerwehr sind, seien tatsächlich selten, bestätigt er. Die Grundschüler, die nach ihrer Rettung im Pausenhof betreut wurden, waren von ihren Lehrern gut auf die Übung vorbereitet worden – trotzdem war die Aufregung und Begeisterung spürbar.  Jonathan Lung

 
 
- Anzeige -