Unbekannte Einblicke in die Arbeit des Erligheimer Bauhofs ermöglichte Christian Grill, Chef des siebenköpfigen Teams, über den Zeitraum eines Jahres. Eigentlich war es „ein ganz normales Jahr“, resümiert der Bauhofleiter – ohne Unwetter oder außergewöhnlichem Wintereinbruch. So berichtet Grill auch von einem ruhigen Winterdienst, der am 29. Dezember über den Jahreswechsel hinweg begann und bei dem bisher nur zwei Streueinsätze nötig waren. Zurzeit ist seine Mannschaft mit der Gehölzpflege am Bach und an den Wassergräben beschäftigt, Marcel Walter und Fabio Punzi haben indes kurzfristig eine Fläche an der Ortsbücherei gepflastert. Dorthin soll der öffentliche Bücherschrank, der bisher am Rathaus stand, umziehen.
Erligheim Knapp 9500 Arbeitsstunden geleistet
Ein Jahr lang hat die BZ den Erligheimer Bauhof begleitet. Christian Grill, Chef des siebenköpfigen Teams, zieht Bilanz, spricht aber auch über Zukunftssorgen.
Arbeitseinsätze genau erfasst
Exakt hat der Bauhofleiter die Arbeitseinsätze des Bauhofteams erfasst und kommt auf eine Summe von knapp 9500 Arbeitsstunden. Spitzenreiter im Jahr 2025 war der sogenannte „Arbeitsort Rathaus“ mit 1374 Stunden, bedingt auch durch den Anteil des Bauhofs am Rathausumbau. 1081 Stunden hat Grill unter dem Stichwort „Heimatpflege“ gelistet, zu dem der Einsatz des Bauhofteams für die Weintage, den Weihnachtsbasar, für Kultur und die Pflege des Ortsbild gehören. Der Aufwand für die Beete, die Rasenflächen und Hecken im „Straßenbegleitgrün“ betrug im vergangenen Jahr 1074 Stunden. Die Pflege der Feldwege schlug sich in der Auswertung für den Bauhof mit 670 Stunden nieder, für andere Straßen und Wege im Gemeindegebiet wurden 624 Stunden aufgewendet.
251 Stunden beschäftigten sich die Bauhofmitarbeiter mit Arbeiten auf den Spielplätzen. Für die Wasserversorgung mit dem Austausch von Wasseruhren war das Team 249 Stunden im Einsatz und rund 280 Stunden waren für den Unterhalt der Flüchtlingsunterkünfte in Erligheim nötig.
Gemeinsamer Bauhof im GVV?
Es war also „ein ganz normales Jahr“ für den Arbeitsaufwand, ein gutes Jahr war 2025 allerdings für den Bauhofleiter und seine Kollegen nicht, denn nach jahrelangen Vorplanungen hätte jetzt der Gemeinderat einen Baubeschluss für einen Neubau des Bauhofs an der Hofener Straße fassen sollen. Der Bebauungsplan wurde bereits geändert, die Planungen und die Kostenschätzung in Höhe von rund drei Millionen Euro liegen vor. Bei der Jubiläumsveranstaltung zu 50 Jahre Gemeindeverwaltungsverband Bönnigheim (GVV) entstand nun, wie Bürgermeister Rainer Schäuffele im Gespräch mit der BZ erklärte, die Idee eines „Verbandsbauhofs“ mit Bönnigheim und möglicherweise Kirchheim (die BZ berichtete). Wie auch sein Bönnigheimer Amtskollege Albrecht Dautel gegenüber der BZ bestätigte, soll im ersten Quartal bei einer GVV-Sitzung der Grundsatzbeschluss dazu gefasst werden. Der Wunsch nach einem neuen Bauhof in Erligheim und auch das Versprechen von Bürgermeister und Gemeinderat dazu, werden sich für die Mitarbeiter nun nicht erfüllen.
„Moralisch sind wir eigentlich verpflichtet einen neuen Bauhof zu bauen“, bekennt Schäuffele gegenüber der BZ, die finanzielle Situation der Kommune lasse aber eine Drei-Millionen-Investition nur schwerlich zu, zumal der Investor für das Jahrhundertprojekt „Grüner Baum/Große Scheune“ insolvent ist und so die Zahlung von 2,5 Millionen Euro für die Immobilen nicht geleistet wurde.
Große Unsicherheit
„Es herrscht große Angst bei den Mitarbeitern“, erklärt Grill, nachdem zunächst er und dann die Belegschaft über die Überlegungen zu einem gemeinsamen Bauhof vom Bürgermeister informiert wurden. Man glaube nicht, dass man künftig Angestellte der Gemeinde Erligheim sein werde, heißt es im Bauhofteam. Mit einem gemeinsamen Standort in Bönnigheim sei das Prinzip der kurzen Wege nicht mehr möglich, sagt der Erligheimer Bauhofleiter und ergänzt: „Jetzt haben wir ein allgemeines Tätigkeitsprofil, dann eher einen Fachbereich.“
Natürlich sei die Unsicherheit in der Belegschaft groß. Grill: „Wir haben ein sehr gutes Team aufgebaut und man weiß nicht, wer mit wem und wie dann zusammenarbeitet.“ Die Umsetzung eines gemeinsamen Bauhofs sieht er, da vielfältige Voruntersuchungen und Planungen nötig sind, frühestens in drei bis fünf Jahren.
