Ein Kunstrasen als Spielfeld zu nutzen und dafür auf echtes Gras zu verzichten, kann seine Vorteile haben. Das synthetische Geläuf ist pflegeleicht, muss nicht gemäht oder gegossen werden und ist zudem robuster bei Unwettern und behält das gesamte Jahr über den satten Grünton. Nur wird es zum Problem, wenn das Wetter nicht regnerisch ins Extrem geht, sondern plötzlich über 40 Grad Celsius auf den Teppich knallen. Im schlimmsten Fall kommt es so weit, wie im Sommer beim SKV Erligheim.
Erligheim Kunstrasengranulat schmilzt und klebt an den Stollenschuhen
Die Gemeinde baute 2016 erst den neuen Platz für den SKV Erligheim. In diesem Jahr waren die Probleme mit dem Untergrund nicht mehr tragbar.
Aufpreis wohl für die Katz
„Der Verein hat sich intensiv damit beschäftigt und meinte, die Elastizität sei für die Sportler besser“, erinnert sich Bürgermeister Rainer Schäuffele an das Prozedere vor zehn Jahren, als der Platz gebaut wurde. Das Problem: Bei den heißen Temperaturen im diesjährigen Rekordsommer verschmolz ein großer Teil der 20 Tonnen Granulat miteinander. „Diese Zusammenklumpungen sind typisch im Falle einer ungenügenden UV-Beständigkeit des EPDM-Granulats. Dadurch zerfallen die langen Kunststoffmoleküle des in den Kunstrasen eingefüllten Gummis allmählich in kürzere Molekülketten, was dann zu einer Erniedrigung der Erweichungstemperatur führt“, erklärt Gutachter Thomas Schlecht vom Büro TS aus Ostfildern in seiner Stellungnahme.
Das Bespielen war daher in den Sommermonaten unmöglich, da die Gummi-Plastik-Mischung immer wieder in riesigen Klumpen an den Stollenschuhen der Spielerinnen und Spieler kleben blieb. „Das Ärgerliche ist, dass der Verein das Spezialgranulat wollte und dafür einen Aufpreis zahlte“, erklärt Schäuffele. Dieser Aufpreis sei im fünfstelligen Bereich gewesen, wurde vom SKV aus eigener Kasse gezahlt und macht nun Probleme. Auch im Gemeinderat war das zuletzt Thema. „Wir haben einen Grundsatzbeschluss gefasst“, sagt der Bürgermeister und verdeutlicht: „Wir müssen das unbedingt sanieren und das verklebte Granulat rausholen.“ Wenn möglich solle das noch in diesem Jahr passieren, was auch Schlecht im Gutachten verdeutlicht. Denn: „Wird zu lange abgewartet, so kann sich das erweichte Granulat untrennbar an die Kunstrasenfasern anheften, sodass der gesamte Kunstrasen ausgetauscht werden muss“, macht Schlecht deutlich.
Weniger Probleme im Winter
Inzwischen konnte der SKV bereits wieder Jugendturniere auf dem Kunstrasenplatz austragen, auch bei der Begehung des Bürgermeisters mit Gutachter Schlecht waren weniger Probleme zu merken. Dennoch heißt es in der Stellungnahme des Sachverständigen für Kunstrasen: „Auffällig war vor allem die Anhäufung von grünen, relativ weichen Klumpen auch neben dem Platz und auf dem Parkplatz. Auch auf dem Spielfeld selbst waren etliche grüne Gummiklumpen vorzufinden. Bei der Begehung des Platzes verblieben auch solche Anhaftungen an den Schuhsohlen.“ Schlecht schreibt zudem: „Eine intensive Reinigung der Schuhsohlen war nach der Ortsbegehung auch an meinen eigenen Schuhen erforderlich.“
50.000 Euro kostet das Granulat
In den Sommermonaten war es zeitweise so übel, dass drastische Maßnahmen im Raum standen: „Wir waren im Sommer kurz davor, dass der Platz gesperrt wird“, erklärt Schäuffele. Der SKV hat immerhin noch die Möglichkeit, auf den nebenliegenden Rasenplatz auszuweichen. Inzwischen liegen der Gemeinde mehrere Angebote von Firmen zur Säuberung und Aufbereitung vor. 50.000 Euro stehen hierzu im Raum, auch der gesamte Sand, der unter den Kunstrasenfasern liegt, müsste dafür entfernt und im Anschluss neu verfüllt werden. Das ist nicht billig für die Kommune, jedoch weitaus preiswerter, als ein gesamter Kunstrasen-Wechsel. Schäuffele prognostiziert mindestens einen Kostenpunkt von 250.000 Euro und macht klar: „Nach zehn Jahren wäre das ein Debakel.“ Ob der Platz dann erneut mit neuem Gummi-Granulat aufgefüllt wird, oder es durch Korkschrot ersetzt wird, ist dann zu entscheiden.
Nicht der einzige Problemplatz
Die Probleme mit dem Kunstrasengranulat treten nicht erst in diesem Jahr auf. „Die ersten Meldungen kamen vor drei Jahren, da waren es aber nur leichte Probleme“, so Schäuffele. Auch an anderer Stelle gab es bereits vor einigen Jahren die ersten Beschwerden. In Freudental machte der Bodenbelag 2022 schlapp, auch in Tamm gab es im gleichen Jahr Probleme mit dem Untergrund und führte zu Verklumpungen. Sachsenheim erneuerte den Sportplatz 2023 nach damals 15 Jahren, ebenfalls wegen des Zusammenklebens.
